Ausstellung : KPM für alle

Mit einer einzigartigen Ausstellung will die Königliche Porzellan-Manufaktur Touristen anlocken. Die KPM-Welt wird am Freitag eröffnet.

Alexander Visser
KPM
Neben zahlreichen Exponaten soll den Besuchern auch Herstellung des "weißen Goldes" nahe gebracht werden. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Berlin - Jörg Woltmann steht vor einem Scherbenhaufen. Vor dem Banker, der vor anderthalb Jahren die Königliche Porzellan-Manufaktur KPM übernommen hat, türmen sich zerbrochene Teller, Tassen und Kannen mannshoch. Der Scherbenhaufen ist Teil der neuen KPM-Welt, die am kommenden Freitag eröffnet wird. „Das sind aussortierte Teile“, sagt Woltmann. „Wir zeigen damit, wie hoch die Ansprüche unserer Qualitätskontrolle sind.“ Denn verkauft wird nur, was allerhöchsten Ansprüchen genügt.

Die neue KPM-Welt ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Sanierung. Ab 2009 soll der traditionell verlustreiche Betrieb keine roten Zahlen mehr schreiben, hat der neue Inhaber angekündigt. Er hat schon viel bewegt in den vergangenen Monaten. Der lange vernachlässigte Export zieht an, die Quote ist KPM zufolge schon von sieben auf 15 Prozent gestiegen. Das preußische Porzellan wird jetzt in japanischen Kaufhäusern und amerikanischen Luxus-Shopping-Malls verkauft. Gerade erst hat Woltmann einen neuen Laden in Potsdam eröffnet, demnächst folgen Geschäfte am Kurfürstendamm, in Schanghai und Moskau. „Wir haben an allen Enden gleichzeitig angefangen“, sagt Woltmann, „regional, national und international.“

Die neue Ausstellung soll eingefleischte KPM-Liebhaber und Touristen in die Manufaktur im Tiergarten locken. Zu Beginn wartet auf den Besucher eine Reise durch die Geschichte, die 1751 beginnt. Damals gründete Wilhelm Caspar Wegely eine erste Berliner Manufaktur. Königlich wurde der Porzellanhersteller erst 1763, als Friedrich der Zweite den Betrieb vom Unternehmer Johann Ernst Gotzkowsky kaufte. Die Besucher können ein Service bestaunen, von dem der König gegessen haben soll. Es folgen die verschiedenen Stilepochen von Rokoko über Klassizismus bis in die vom Bauhaus-Stil geprägten Designs des frühen 20. Jahrhunderts.

Die KPM-Welt beschränkt sich nicht darauf, alte Teller und Vasen zu präsentieren. In der historischen Ofenhalle zeigt die Ausstellung, wie aus den Rohmaterialien Kaolin, Feldspat und Quarz edles Porzellan entsteht. Auch die anderen Produktionsschritte werden erläutert – bis hin zur scherbenreichen Qualitätskontrolle. Der Besucher steigt in die Keller des Betriebs hinab, wo er einen Blick auf die kostbaren Formen werfen darf, die zu den großen Vermögenswerten der KPM gehören. Auch drei authentische Arbeitsplätze sind in die Ausstellung integriert, die Besucher können zum Beispiel einem Porzellanmaler bei der Arbeit über die Schulter schauen. Der Rundgang endet – wie könnte es anders sein – in der Verkaufsgalerie in der Ofenhalle.

„Mit der Ausstellung steht KPM ziemlich einzigartig da“, sagt Ausstellungsdesigner Michael Ponto. „Andere Manufakturen haben nicht so eine vielseitige Erlebniswelt.“ Woltmann, der rund zwei Millionen Euro in die Schau gesteckt hat, hofft auf 100 000 bis 200 000 Besucher in den ersten zwei Jahren. Die Parkplätze für die Touristenbusse werden gerade gebaut.

Das KPM-Hoffest in der Wegelystraße beginnt am Freitag um 10 Uhr, die KPM-Welt wird um 13 Uhr geöffnet.

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