Ausstieg : Fujitsu Siemens geht an die Japaner

Siemens hat kein Interesse mehr an der Gemeinschaftsfirma – damit endet ein Kapitel deutscher Industriegeschichte. Was aus den vier deutschen Werken wird, ist noch offen.

MünchenImmer im Herbst lädt Fujitsu Siemens Computers (FSC) seine Kunden nach Augsburg ein. Erst dürfen sich die Einkäufer in den Messehallen die neuesten Rechner anschauen, dann werden sie durch das nahe gelegene Werk geführt. Nächste Woche ist es wieder so weit. Doch dieses Mal werden die Käufer eher wissen wollen, wie es weitergeht, wenn der japanische Fujitsu-Konzern das Heft in der Gemeinschaftsfirma übernimmt.

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Fujitsu und Siemens offenbar geeinigt: Die Japaner werden den 50-Prozent-Anteil übernehmen, den Siemens noch an dem Joint-Venture hält. Am Wochenende hieß es, das werde in den nächsten Tagen verkündet. Eine offizielle Bestätigung fehlt noch. 500 Millionen Euro wollen die Asiaten dem Münchener Elektrokonzern bezahlen.

Den Japanern gehe es vor allem um die Kundenbeziehungen, heißt es in der Branche, vor allem für den Verkauf von Großrechnern an Firmen. Doch die Übernahme durch Fujitsu hat noch eine andere Dimension. Mit dem Ausstieg von Siemens geht ein Kapitel deutscher Industriegeschichte zu Ende. FSC ist der letzte bedeutende Computerhersteller im Land.

Was aus den vier deutschen Werken wird, ist offen

FSC ist aus der Fusion traditionsreicher Unternehmen entstanden - unter anderem Nixdorf, dem einst größten Computerbauer Deutschlands. Er scheiterte 1990 und verschmolz mit der Siemens-Computersparte. Schon 1999 einigte sich der Konzern mit Fujitsu. Doch FSC kämpfte von Beginn an ums Überleben - wegen eines Geburtsfehlers: FSC darf nur in Europa, im Nahen Osten und in Afrika verkaufen. Im Rest der Welt übernimmt dies Fujitsu. Dadurch sind die Münchener zu klein, um mit den Konkurrenten aus Asien und Amerika mitzuhalten. Die Ergebnisse fallen mäßig aus. Im letzten Geschäftsjahr sank der Umsatz um fünf Prozent auf 6,6 Milliarden Euro, der Gewinn lag bei nur 105 Millionen Euro.

Dazu kommt: Siemens konzentriert sich seit Anfang des Jahres auf seine neu gebildeten Bereiche Medizintechnik, Industrie und Energie. Erst diesen Sommer haben die Münchener die verbliebenen Reste ihrer Kommunikationssparte losgeschlagen. Die IT-Sparte SIS gilt als nächster Kandidat. Ganz anders Fujitsu, wo Rechner und die dazugehörigen Dienstleistungen das Brot-und-Butter-Geschäft sind. Die Expansion in Europa ist derzeit umso wichtiger, als das Geschäft in den USA schwieriger wird. Insider erwarten, dass FSC nach der Übernahme durch Fujitsu umgebaut wird. Die Firma mit ihren 10.000 Mitarbeitern wird sich wohl vom Geschäft mit Privatkunden trennen. Was mit den vier deutschen Werken passiert, ist offen. Die Besucher der Hausmesse in Augsburg sollten sich kommende Woche die Fabrikführung besser nicht entgehen lassen. Es könnte die letzte sein. (jojo/HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben