Australien als Testmarkt : Versuchsfeld für neue Produkte und Konzepte

In Australien testen Unternehmen wie Aldi oder McDonald's neue Geschäftskonzepte und Produkte.

Barbara Barkhausen
Edel statt billig. Zahlreiche Unternehmen wie der deutsche Discounter Aldi gehen in Australien neue Wege und versuchen sich an neuen Konzepten und Produkten.
Edel statt billig. Zahlreiche Unternehmen wie der deutsche Discounter Aldi gehen in Australien neue Wege und versuchen sich an...Foto: promo

Australien ist der Testmarkt der Welt: Das Land ist multikulturell und liegt weit entfernt von den großen Märkten Europa und Amerika. Hier am Ende der Welt testen große Unternehmen gerne und kaum bemerkt ihre neuen Produkte. Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt zum Beispiel eröffnete in der Metropole Sydney sein erstes Schokoladencafé, der Discounter Aldi testet augenblicklich den Edelmarkt, und McDonald’s probiert sich am Schlemmerfrühstück. Kommen Konzepte und Produkte bei der australischen Kundschaft an, haben sie auch in anderen Ländern eine Chance.

In Sydney kann man sich den Burger seiner Wahl zusammenstellen

Wer die McDonald’s-Filiale am Martin Place in Sydney betritt, den erwartet ein völlig anderes Ambiente als in den europäischen Zweigstellen der Fast-Food-Kette und ein neues Geschmackserlebnis. Der Kunde kann sich hier den Burger seiner Wahl zusammenstellen: Das Angussteak kommt im Briochebrötchen mit gegrillter Ananas oder Guacamole und wird auf rustikalen Holzbrettchen mit Pommes Frites im Körbchen serviert. „Create Your Own Taste“ hat McDonald’s sein neues Konzept genannt – „Kreiere, was dir schmeckt“. Weil das bei den Australiern offensichtlich gut ankommt, experimentiert das amerikanische Unternehmen weiter. Eine Filiale in Brisbane lockt nun mit einem „Schlemmerfrühstück“, bestehend aus Rührei und Rösti, belgischen Waffeln oder Sauerteigbrot mit Avocado, Feta und Spinat.

Auch McCafé testete McDonald's auf dem fünften Kontinent

Offenbar testet McDonald’s, wie hochwertige, gesündere Lebensmittel bei der Kundschaft ankommen und ob der Imagewandel weg vom billigen Fast Food funktionieren kann. Auch das erste „McCafé“ testete der US-Konzern auf dem vergleichsweise überschaubaren Markt Australiens und eröffnete 1993 ein Café in Melbourne. Erst viele Jahre später, als man sich seiner Sache sicher war, machte 2001 in den USA das erste McCafé-Pendant auf.

Aldi und Lindt testen ebenfalls in Australien

„Wenn sie hier einen Fehler machen, dann ist das nicht so eine große Sache, als würden sie ihn in den USA machen“, erklärt Joanne Bills von Freshagenda, einer Consultingfirma in der Lebensmittelindustrie, die Beweggründe der Fast-Food-Kette. Ähnlich wie McDonald’s denken auch andere internationale Unternehmen: Der Schweizer Süßwarenhersteller Lindt & Sprüngli machte sein erstes Schokoladencafé nicht in Zürich, sondern in Sydney auf, und auch Aldi testet die ersten Gourmetsupermärkte mit weiten Gängen und Theken mit frischem Obst, Gemüse und Backwaren auf dem fünften Kontinent und nicht in Deutschland.

Der australische Markt ist auch wegen seiner asiatischen Einflüsse interessant

„Der australische Markt ist als Testmarkt aber auch interessant wegen seines asiatischen Einflusses, der westlichen Kaufkraft und der gebündelten Überschaubarkeit“, sagt Kristian Wolf, Chef der Deutsch-Australischen Industrie- und Handelskammer in Sydney. „Auf den ersten Blick mögen die Leute denken, dass Australien ein kleiner Markt ist, der die Investition nicht wert ist“, bestätigt Joanne Bills. „Aber es repräsentiert eine größere Region und eröffnet Firmen Zugang zu einer Reihe asiatischer Märkte.“ Von den 23,5 Millionen Australiern ist jeder vierte in einem anderen Land geboren, und nach Jahren europäischer Einwanderung steigt nun der Anteil asiatischer Zuwanderer. Vor allem an den Universitäten sind zahlreiche asiatische Studenten eingeschrieben.

Auch der US-amerikanische Süßwarenkonzern Mondelez, der unter anderem die Marken Cadbury, Milka, Toblerone und Oreo vertreibt, betreibt sein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Australien, um die ethnische Diversifikation der zwölftgrößten Volkswirtschaft der Welt für sich zu nutzen. Laut Freshagenda-Chefin Bills lädt Mondelez beispielsweise Studenten der Universität von Melbourne zu Kostproben seiner neuen Produkte ein, darunter bewusst viele Studenten aus Asien, um zu sehen, welche Produkte und Geschmacksrichtungen bei den unterschiedlichen Nationalitäten ankommen und welche nicht.

Australier sind ernährungsbewusst

„Australier sind zudem auch experimentierfreudiger und darüber hinaus bereit zu zahlen“, erklärt Kristian Wolf die Attraktivität Australiens als Testmarkt. Australier legen Wert auf gutes Essen und gehen zudem gerne aus: Laut des australischen Nahrungs- und Lebensmittelverbnnds (AFGC) ist die Lebensmittelproduktion mit 114 Milliarden Dollar Jahresumsatz (umgerechnet knapp 76 Milliarden Euro) nicht umsonst die größte herstellende Industrie des Landes. Davon profitiert auch McDonald’s: Die Kette bedient pro Tag rund 1,7 Millionen Kunden.

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