Wirtschaft : Ausverkauf bei der Schieder-Gruppe

Insolvenzverwalter zerschlägt den Möbelhersteller

Düsseldorf – Der Startschuss zur Zerschlagung der insolventen ostwestfälischen Schieder-Gruppe ist gefallen. Dies bestätigte der Insolvenzverwalter, der Hamburger Anwalt Sven-Holger Undritz, dem „Handelsblatt“.

Als Erstes würden die in der Internationale Möbel-Selection (IMS) und der Schieder Europa Holding (SEH) zusammengefassten Aktivitäten von Europas bisher größtem Möbelhersteller in der Schweiz und in Österreich verkauft. „Ich gehe davon aus, dass wir diesen Teil bis Ende September in neue Hände geben können“, sagte Undritz. Der Insolvenzverwalter der Schieder Möbel Holding ist überzeugt, dass er für die Unternehmen, die sich selbst nicht in der Insolvenz befinden, aber mit zur Insolvenzmasse gehören, einen „sehr anständigen Kaufpreis“ erzielen kann. Die Verhandlungen mit den Interessenten, zu denen sowohl Finanz- als auch strategische Investoren gehörten, seien weit fortgeschritten, erklärte Undritz.

Zu den betroffenen Unternehmen gehören mehr als zwanzig Betriebe der weit verzweigten Schieder-Gruppe, in denen rund 3500 der insgesamt 11 000 Mitarbeiter des Konzerns beschäftigt sind. „Am liebsten würden wir auch die deutschen Möbelwerke in einem Paket mit verkaufen“, fügte Undritz an.

Mit dem Kaufpreis kann dann voraussichtlich ein Großteil des Kredites in Höhe von 65 Millionen Euro abgelöst werden, den die Bank of New York im April gewährt hatte, um das Unternehmen zunächst vor der Pleite zu retten. Die Banker hatten im Gegenzug für die äußerst risikoreiche Zwischenfinanzierung des hoch verschuldeten Unternehmens auf umfangreichen Sicherungsübereignungen sowie Konto- und Anteilspfändungen zu ihren Gunsten bestanden. Außerdem ließen sie sich von vielen weiteren Gläubigern alle vorrangigen Rechte abtreten. Zum augenscheinlichen Beweis kleben inzwischen an sämtlichen Produktionsanlagen in Schieder blaue Aufkleber mit dem Hinweis „Sicherheitsübereignung, Bank of New York“.

Seinerzeit gingen die rund zwei Dutzend Gläubiger-Banken unter Führung von Goldman Sachs und Deutscher Bank davon aus, dass die Schieder-Gruppe noch zu retten sei. Erst danach brachte ein Sondergutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers finanzielle Unregelmäßigkeiten zutage, die schließlich den Verdacht der Bilanzmanipulationen gegenüber Firmengründer Rolf Demuth sowie weiteren Spitzenmanagern des Unternehmens erhärteten. Demuth sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Mit den gefälschten Bilanzen habe sich das Unternehmen Kredite in Höhe von 283 Millionen Euro erschlichen.

Als nächsten Schritt will der Insolvenzverwalter die deutschen Aktivitäten inklusive des Stammsitzes in Schieder-Schwalenberg verkaufen. Derzeit laufen Vorbereitungen für eine umfassende Sanierung der deutschen Konzernteile, wobei das Stammwerk mit seiner Wohnmöbelproduktion erhalten bleiben soll. In den kommenden Wochen wird es dann auch um die Aufstellung von Sozialplänen gehen.

Denn eines ist jetzt schon sicher: Von den rund 1300 Arbeitsplätzen in Deutschland wird wahrscheinlich ein Großteil der Sanierung zum Opfer fallen. „Vieles hängt auch davon ab, wie der Verkauf der polnischen Möbelwerke vorankommt“, sagt Undritz. Schieder fertigte bisher den größten Teil seiner Möbel in Osteuropa.

Als Erstes musste schon das Möbelwerk in Steinheim bei Höxter mit rund 180 Mitarbeitern seine Pforten schließen. Die IG Metall beklagt, dass noch nicht einmal Geld für eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft zur Verfügung gestellt werden konnte.

Die Gesamtsumme aller Verbindlichkeiten der Holdinggesellschaft schätzt Undritz auf 400 Millionen Euro. Die Chancen der Gläubiger außer der Bank of New York, davon auch nur einen Bruchteil wieder zu sehen, bezeichnet er als „gering“. ire (HB)

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