Wirtschaft : Ausweitung der Kaufzone

Ketten gewinnen Anteile im Einzelhandel. Für kleine Läden bleiben Nischen.

Ulrich Goll
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Berlin - Die Ketten breiten sich weiter im deutschen Einzelhandel aus. Die Ladenzahl großer Filial- und Franchisefirmen hat sich um durchschnittlich 15 Prozent seit 2002 erhöht. Das ergab eine Umfrage des Tagesspiegels bei 22 großen Ladenbetreibern. Gemessen an den Neueröffnungen verbuchten Drogerie- und Fastfood-Ketten im letzten Jahrzehnt das größte Wachstum. Während der Drogerist Schlecker in die Pleite ging, verdoppelten die Konkurrenten Rossmann und dm in dem Zeitraum ihre Filialzahl auf weit über eintausend Läden.

Die Sandwichkette Subway etablierte sich im Fastfood-Geschäft. Sie vergrößerte sich fast um den Faktor 20 von 31 auf 612 Läden. Burger King verdoppelte die Zahl der Standorte von 343 auf 678. Die Marktführerschaft von Mc Donald’s blieb dabei ungefährdet: Die Kette verstärkte sich zwar „nur“ um 200 Filialen auf 1415 – unterhielt damit 2011 aber immer noch deutlich mehr Läden als Subway und Burger King zusammen. Als die Kaffeehauskette Starbucks im Jahr 2002 ihre erste deutsche Filiale eröffnete, sahen Kritiker die Existenz von Cafés und Konditoreien bedroht. Im Vergleich mit anderen Gastro-Ketten fiel die Expansion von Starbucks – plus 140 Filialen – weniger eindrucksvoll aus.

Nur bei drei Unternehmen schrumpfte das Filialnetz. Dazu zählen der angeschlagene Heimwerkerkonzern Praktiker und die Restaurantkette Nordsee, die sich restrukturiert hat, wie sie mitteilt. Das Edeka-Netz verkleinerte sich im Zeitraum ebenso: „Ältere, kleine Märkte wurden durch moderne, deutlich größere Verbrauchermärkte ersetzt“, erläuterte eine Firmensprecherin.

Einige Ketten wie Douglas oder Mc Donald’s vergrößerten ihre Ladenflächen und folgten einem Trend im Einzelhandel, der sich Mitte des letzten Jahrzehnts durchsetzte: „Geräumigkeit soll auf Kunden einladend wirken“, sagt ein Sprecher des Einkaufcenter-Konzerns ECE.

Der deutsche Markt bleibt für die Ketten offenbar weiterhin interessant: Alle bis auf zwei Unternehmen – der Buchhändler Hugendubel und Praktiker – teilten mit, in diesem Jahr neue Läden hierzulande eröffnen zu wollen. Die Konzentration im Einzelhandel dürfte also zunehmen. Allein Edeka und dm wollen 2012 jeweils über 100 Filialen eröffnen. Das erschwert kleinen Existenzgründern den Zugang zum Markt, zumal kleine Einzelhändler seit dem Ausbruch der Finanzkrise nur schwer an Fremdkapital kommen. „Die Anforderungen der Kreditinstitute haben sich erhöht“, sagt der ECE-Sprecher. Die Bankiers würden denen eher Geld geben, die ein Franchise-Modell à la Subway umsetzen wollen, da sie es kennen und wissen, dass es funktioniert.

Besonders in den Innenstädten fällt es kleinen Geschäften zunehmend schwer sich niederzulassen, da Ketten bei ihrer Expansion in Bestlagen streben, was die Mietpreise treibt. Zudem geraten die Ladenimmobilien verstärkt in den Besitz von Großinvestoren. „Diesen fehlt oft der lokale Bezug. Sie bevorzugen Ketten, da diese als zuverlässigere Mieter gelten“, sagt ein Sprecher von Lührmann, einem bundesweit tätigen Maklerbüro für Einzelhandelsimmobilien.

Allerdings gibt es in vielen Städten auch Alternativen zur Premiumlage: So könne ein kleines Geschäft von einer Haupteinkaufsstraße „in ein Szene-Viertel umziehen, um es aufzuwerten und von niedrigen Mieten zu profitieren“, sagt der Lührmann-Sprecher. Der Neubau von Shopping Centern in der Innenstadt biete den Kleinen sogar neue Chancen in zentraler Lage zu bleiben, heißt es beim Centerbetreiber ECE. „Ein Center kann im Gegensatz zur Einkaufsstraße gesteuert werden, da es ist nicht in der Hand von vielen, sondern eines Besitzers ist.“ Dieser lenkt nicht nur, welche Geschäfte raus- und reingehen, auch Mietrabatte seien möglich, um Abwechslung zu den Ketten zu bieten. „So können renditeschwache, aber beliebte kleine Läden in Innenstadtnähe erhalten bleiben“, meint der ECE-Sprecher. Ulrich Goll

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