Wirtschaft : Auswirkung der Anschläge: Schröder sieht keinen Grund für Pessimismus

brö/mic/msh

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Verbraucher aufgefordert, auf die Terroranschläge in den USA nicht mit Kaufzurückhaltung zu reagieren. Zwar stünden schwierige Zeiten sowie harte politische und militärische Entscheidungen bevor, aber die Terroristen dürften die Weltwirtschaft nicht gefährden, sagte Schröder am Dienstag in Frankfurt (Main) auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA).

"Wir lassen uns nicht unterkriegen, schon gar nicht von blindwütigen Terroristen", mahnte der Kanzler. Nicht nur die Politik, sondern auch Wirtschaft und Kultur müssten sich dem Terrorismus entgegen stellen. Wenn sich alle Beteiligten in der Wirtschaft vernünftig verhielten, werde es auch nicht zu einer Rezession kommen. An die Konsumenten richtete Schröder den Appell: "Es gibt keinen Grund für Kaufzurückhaltung."

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, wertete den Kanzler-Besuch als wichtiges Signal für die Automobil-Branche. "Als Schlüsselindustrie sind wir dazu verpflichtet, auch nach den schrecklichen Terroranschlägen in den USA mitzuwirken, dass die Weltwirtschaft nicht in eine Krise stürzt", betonte Gottschalk. Eine Halbzeit-Bilanz lasse sich nach den tragischen Ereignissen nicht mit den üblichen Erfolgskriterien wie Besucherzahlen und Ausstellerrekorden aufmachen, erklärte der VDA-Präsident. Dennoch sei er positiv überrascht, dass an den ersten fünf Messetagen mehr als 350 000 Besucher nach Frankfurt gekommen sind. Über mögliche wirtschaftliche Folgen der Terroranschläge für die Automobilwirtschaft sind nach Meinung von Gottschalk noch keine realistischen Einschätzungen möglich. Vor allem müsse abgewartet werden, wie die US-Bürger auf den Schock reagieren. Angesichts der flauen Nachfrage in Europa war der nordamerikanische Markt für die meisten deutschen Autoproduzenten bislang der entscheidende Motor für die Branchenkonjunktur.

Auch in vielen anderen Branchen herrscht noch Unsicherheit über die Folgen des Terrors. Nur wenige Wirtschaftszweige sind optimistisch. Der Maschinenbau, einer der wichtigsten deutschen Exportbranchen, beobachtet noch keine Auswirkungen auf die Auftragslage. "Ein Rezessionsszenario sehen wir derzeit nicht", sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). "Derzeit gehen wir von einem dreiprozentigem Auftragszuwachs für 2001 aus." Gefährlich sei allerdings der gestiegene Rohölpreis.

Dagegen herrscht in der Chemiebranche bereits große Unsicherheit über die weitere Auftragsentwicklung. Die bereits zurückgeschraubten Wachstumserwartungen müssen eventuell weiter korrigiert werden, hieß es. Der Verband der Chemieindustrie kündigte an, dass das dreiprozentige Wachstumsziel für 2001 verfehlt werde. "Alles hängt von der Entwicklung der US-Konjunktur ab", sagte eine Sprecherin des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI). Bisher seien noch keine Aufträge storniert worden.

Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) blickt indes mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. "Wir rechnen damit, dass sich die Märkte weltweit wieder stabilisieren werden", sagte Verbandspräsident Anton Börner dem Tagesspiegel. Positiv wirken laut Börner die abgestimmten Zinssenkungen der Notenbanken in den Vereinigten Staaten und in Europa: "Das schafft Vertrauen." Allerdings könne sich die konjunkturelle Erholung in den USA um ein bis zwei Quartale verzögern. An seiner Umsatzprognose für das laufende Jahr hält der Branchenverband BGA fest. Börner: "Die Auftragseingänge für dieses Jahr sind gelaufen. Da hat es bisher auch keinen Einbruch gegeben." Von den deutschen Exporten gehen rund zehn Prozent in die Vereinigten Staaten.

Auch die Elektronikbranche bleibt bei ihren Vorhersagen. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) rechnet für 2001 mit einem Umsatz in der Branche von 340 Milliarden Mark. "Dabei bleiben wir vorerst", sagte ein ZVEI-Sprecher. Falls es aber zu einer Rezession kommen sollte, sei auch die exportintensive Elektrotechnik- und Elektronikwirtschaft "massiv betroffen". Mit 883 000 Mitarbeitern ist sie die zweitgrößte Branche in Deutschland.

Die Europäische Union (EU) könnte nach den Worten des Vorsitzenden der Euro-Gruppe und belgischen Finanzministers, Didier Reynders, Hilfen für die von den Terroranschlägen in den USA besonders belasteten Branchen bereitstellen. Die EU-Minister und die EU-Kommission seien dabei, die Folgen der Katastrophe auf die Bereiche Transport, Energie und Versicherung zu analysieren, sagte Reynders der "Financial Times".

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