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Auswirkungen der Krisen : Schlechte Stimmung auf den Chefetagen

Die Krisen zeigen Wirkung auf die deutsche Wirtschaft. Das Geschäftsklima hat sich weiter abgekühlt. Die Kanzlerin rechnet trotzdem mit einer positiven Wirtschaftsentwicklung.

Abkühlung. Die deutsche Wirtschaft wird wachsen, aber nicht mehr so stark wie gedacht.
Abkühlung. Die deutsche Wirtschaft wird wachsen, aber nicht mehr so stark wie gedacht.Foto: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet trotz internationaler Krisen mit einer positiven Wirtschaftsentwicklung in Deutschland in diesem Jahr. Es gebe etwa mit der Ukraine-Krise Unsicherheiten, die sie nicht verschweigen wolle, sagte Merkel am Montag bei einem Besuch im nordspanischen Santiago de Compostela. Wenn nichts Dramatisches passiere, würden die Wachstumsraten im Gesamtjahr gut sein. Merkel sagte, zwar habe es in Deutschland im zweiten Quartal ein Minus gegeben. Hier spielten aber viele Einmaleffekte wie das Wetter eine Rolle. Merkel betonte zugleich, Europa und insbesondere die Euro-Zone müssten stärker zusammenrücken, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein. Deutschland und Spanien seien sich hier einig.

Ifo-Index auf dem tiefsten Stand seit Juli 2013

Die vielen internationalen Krisen drücken weiter auf die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ging im August bereits zum vierten Mal in Folge zurück und fiel von 108,0 auf 106,3 Punkte, wie das Ifo Institut am Montag in München mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit Juli 2013. „Die deutsche Wirtschaft verliert weiter an Kraft“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Firmen seien erneut weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage, vor allem blickten sie aber deutlich skeptischer auf die kommenden Monate.

Volkswirte hatten mit einem kleineren Minus gerechnet

Bereits nach drei Veränderungen in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende in der Stimmungsentwicklung. Experten hatten mit einem weiteren Rückschritt gerechnet, allerdings mit einem etwa weniger deutlichen Minus. Nach wie vor hält sich der Index aber auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Der Ifo-Index liegt bereits seit März 2010 über der Marke von 100 Punkten. Der Ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, der Ifo-Index sortiere sich in die aktuelle Lagebeurteilung der Regierung ein. “Wichtig ist für uns, dass die konjunkturelle Grundtendenz intakt ist.“ So sei die Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr insgesamt gestiegen. Auch im weiteren Jahresverlauf sei wieder mit positiven Wachstumsraten zu rechnen. Die Grundlage dafür sei der gute Arbeitsmarkt..

"Deutschland kann sich nicht isolieren"

“Der vierte Rückgang in Folge zeigt, dass Deutschland sich von den Schwierigkeiten der Euro-Zone nicht isolieren kann", sagte Jörg Zeuner von KfW-Bank. "Zudem wirken die geopolitischen Spannungen verunsichernd, Hauptursache ist allerdings das weiterhin enttäuschende Wachstum in Europa." Dennoch erwarte man, dass sich die Lage wieder beruhige und Deutschland wegen der funktionierenden Binnenwirtschaft in diesem und im nächsten Jahr "ordentlich vorankommen" werde. Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe sagte: "Man kann jetzt endgültig sagen 'gute Laune adé." Es werde keinen Konjunktureinbruch geben, aber eine "Anpassung an bestehende Wachstumsrealitäten". Das Bruttoinlandsprodukt werde wachsen, aber nicht so stark wie gedacht. dpa/rtr

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