Auswirkungen des Bienensterbens : Ohne Bienen keine Gurken, Äpfel und Erdbeeren

Bedeutende(s) Summen: Es gibt immer weniger Bienen. Das ist nicht nur für Landwirte schlecht, sondern auch für Verbraucher.

Die Biene ist als Bestäuber zahlreicher Nutzpflanzen unersetzlich.
Die Biene ist als Bestäuber zahlreicher Nutzpflanzen unersetzlich.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Die Zahlen sind alarmierend: Seit den 90er Jahren ist die Zahl der Bienenvölker in Deutschland um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Von 1,1 Millionen im Jahr 1990 sind nur noch etwa 700 000 geblieben. Mehr als die Hälfte der 460 Wildbienenarten werden beim Bundesamt für Naturschutz auf der Roten Liste bedrohter Lebewesen geführt – die Biene stirbt aus.

Das Problem ist kein deutsches, sondern ein weltweites. Die Gründe sind verschieden. Zum einen setzt ein Parasit, die Varroamilbe, den Bienen zu – eine Verwandte der Zecke, die die Larven aussaugt. Klar ist aber auch: Die Menschen selbst haben wohl den größten Anteil an der Not der Biene. Denn die ist auch und vor allem ein Opfer der intensiven Landwirtschaft. Überdüngung und der großflächige Einsatz von Pestiziden sowie Monokulturen reduzieren das Angebot an Blütenpflanzen in der Natur – und nehmen den Tieren Lebensraum und Nahrungsgrundlage.

80 Prozent unseres Obsts braucht die Bienen

Die ganze Wucht dieser Entwicklung könnten Verbraucher in den kommenden Jahren zu spüren bekommen. Gurken, Erdbeeren, Äpfel und Kürbisse: All das gäbe es nicht mehr, wenn die Bienen ausstürben. Denn diese Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Das trifft auf bis zu 80 Prozent des Obsts und Gemüses zu, das auf unseren Tellern landet. Einer Studie von 2008 zufolge stammt jeder dritte Löffel Nahrung, den wir zu uns nehmen, von Lebensmitteln, die auf Bienenbestäubung basieren. Die Existenzen zahlreicher Bauern hängen daran. Der wirtschaftliche Wert der Arbeit, die Bienen und andere Bestäuber leisten, wird allein in Europa auf mehr als 22 Milliarden Euro geschätzt. Auch Hummeln werden immer seltener.

Sterben die kleinen Tiere aus, werden unsere Lebensmittel knapper und teurer. Was bliebe, wären vornehmlich Kartoffeln, Getreide, Nüsse und Pilze.

Die Biene ruft nicht um Hilfe

„Absurd ist, dass mittlerweile die Bedingungen für Bienen in Städten und stadtnahen Gebieten besser sind als in der freien Landwirtschaft“, sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Der Verein fordert deshalb eine Abkehr von der intensiven Landwirtschaft und wirbt um die Teilnahme an einer Protestmail-Aktion: Nach der Bundestagswahl sollen zahlreiche Aufrufe in das E-Mail-Postfach des designierten Bundeslandwirtschaftsministers flattern. Credo: Unternehmen Sie etwas gegen das massive Bienensterben! Unterstützt wird die Aktion von der Fernsehköchin Sarah Wiener, die selber Imkerin ist. „Die Art, wie wir Landwirtschaft und das Ökosystem sehen, ist vertrottelt“, sagte Wiener am Dienstag bei einer Veranstaltung der DUH. „Die Biene ist nur ein Symbol dafür, was alles schiefläuft. Sie ist kein Tier, das um Hilfe schreit. Sie ist dann einfach weg.“

Ein strenges Düngerecht könne die Artenvielfalt in der Landwirtschaft retten, davon sind Naturschützer überzeugt. „Die Bundesregierung muss dringend mit der Reduzierung der Nährstoffbelastung Ernst machen“, sagt Müller-Kraenner. Die Nitratrichtlinie der EU aus dem Jahr 2008 sei noch immer nicht ausreichend umgesetzt.

Berliner, pflanzt Beeren!

Während die durchschnittliche Sterberate der Bienen in der Überwinterungsphase bei zehn Prozent liegt, klagten Imker dieses Jahr über Verluste von bis zu 50 Prozent. In Brandenburg gibt es rund 2500 Imker mit insgesamt etwa 22 000 Bienenvölkern. Und auch in Berlin widmen sich immer mehr Menschen dem Imkern: Die 16 Imkervereine der Stadt zählen mittlerweile rund 1000 Mitglieder. Sie betreuen mehr als 5000 Völker, die auf Terrassen oder Flachdächern ihr Zuhause haben. „Die Honigbiene bekommt in Berlin viel Pflege und Aufmerksamkeit“, bestätigt Melanie von Orlow, Bienenexpertin beim Naturschutzbund Deutschland. Dringender sei es darum, etwas für die Wildbienen zu tun.

„Das Problem ist das viele tote Land, das wir haben. Überall gemähter Rasen, auch auf öffentlichen Flächen.“ Sie appelliert an die Bezirke, Parks und Grünflächen bienenfreundlicher zu gestalten und auch solche Grundstücke zu aktivieren, die Brachland sind. „Eine wilde Wiese in einer Baulücke, ein bunt blühender Mittelstreifen, wie man ihn in Spandau oder Charlottenburg sieht – das sind so Mosaiksteinchen, die schon ausreichen, um einer Art das Überleben zu sichern.“

Auch privat kann jeder zum Schutz der Biene beitragen: etwa indem er sich bei der Bepflanzung seines Gartens für Obstbäume und Beerensträucher, Löwenzahn oder Gänseblümchen entscheidet. Sie bieten langhaltige Nahrungsquellen.

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