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Auszeichnung : US-Forscher erhalten Wirtschafts-Nobelpreis

Mit der Verleihung des Wirtschafts-Nobelpreises geht die diesjährige Vergabe der Nobelpreise zu Ende. Zwei US-Amerikaner teilen ihn sich. Mit ihren Theorien lässt sich auch die aktuelle Krise verstehen.

Einer der beiden Wirtschafts-Nobelpreis-Gewinner: Thomas Sargent.
Einer der beiden Wirtschafts-Nobelpreis-Gewinner: Thomas Sargent.Foto: Reuters

Für ihre Forschungen über die Effekte von Wirtschaftspolitik genauso wie unvorhersehbarer Ereignisse auf die Volkswirtschaft erhalten zwei Wissenschaftler aus den USA den diesjährigen Nobelpreis. Ausgezeichnet werden Thomas Sargent und Christopher Sims, wie das Wirtschafts-Nobelpreis-Komitee am Montag in Stockholm mitteilte. Die Ergebnisse ihrer Arbeit könnten auch genutzt werden, um die aktuellen Krisen zu verstehen.

Die Entwicklung der Wirtschaft wird genauso durch geplante Änderungen in der Wirtschaftspolitik - etwa durch haushaltspolitische Vorgaben - wie durch unvorhersehbare Ereignisse beeinflusst, etwa einen plötzlich steigenden Ölpreis. Die beiden ausgezeichneten Wissenschaftler Sargent und Sims entwickelten Methoden, um die Zusammenhänge solcher Entwicklungen und volkswirtschaftlicher Rahmendaten wie Inflation, Beschäftigung oder Wirtschaftsleistung zu untersuchen.

"Eine der Hauptaufgaben der volkswirtschaftlichen Forschung besteht darin zu verstehen, wie Schocks und systematische Politikänderungen makroökonomische Variablen kurz- und langfristig verändern“, erklärte das Nobelpreis-Komitee. Dafür seien die Arbeiten Sargents und Sims' aus den 70er und 80er Jahren „unentbehrlich“. Die beiden Forscher arbeiteten zwar getrennt, ihre Arbeiten fänden aber weltweit in Politik und Wissenschaft Anwendung.

Sargent nutzte strukturelle volkswirtschaftliche Indikatoren („structural macroeconometrics“), um dauerhafte Änderungen in der Wirtschaftspolitik und die gegenseitigen Auswirkungen von Erwartungen der Wirtschaft an die Politik und deren Entscheidungen zu untersuchen. Sims beschäftigte sich hingegen mit der Auswirkung sogenannter Schocks auf die wirtschaftliche Entwicklung.

Die Arbeiten der beiden US-Forscher könnten bei der Suche nach Antworten auf die derzeitigen Krisen helfen, sagte John Hassler vom Nobelpreis-Komitee. „Wir wissen nicht wirklich, was während der Finanzkrise passiert ist, noch was wir tun können, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Wir sind aber ziemlich sicher, dass die Methoden, die sie entwickelt haben, dabei helfen können, Antworten auf derlei Fragen zu finden.“ Sims, der von der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften telefonisch kontaktiert wurde, sagte allerdings, die entwickelten Methoden seien zu komplex, um einfache Antworten zu geben: „Wenn ich eine einfache Antwort hätte, würde ich sie in der Welt verkünden.“ Das Preisgeld des mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierten Nobelpreises werde er aber sicher nicht in die wackligen Märkte investieren. „Ich werde es erstmal bar behalten und darüber nachdenken“, sagte der Wissenschaftler.

Im vergangenen Jahr hatten den Wirtschafts-Nobelpreis die US-Forscher Peter Diamond und Dale Mortensen sowie ihr britisch-zypriotischer Kollege Christopher Pissarides für ihre Arbeitsmarkt-Forschung erhalten. Mehr als die Hälfte der bisherigen Träger des Preises sind US-Forscher. Der Volkswirt Reinhard Selten erhielt den Preis 1994 als einziger Deutscher für seine Leistungen auf dem Gebiet der Spieltheorie.

Mit der Auszeichnung für Wirtschaft geht die diesjährige Bekanntgabe der Nobelpreise zu Ende. Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ist kein klassischer Nobelpreis. Erst 1968 rief die Schwedische Reichsbank anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens den Wirtschaftspreis in Gedenken an Alfred Nobel ins Leben.

(AFP)

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