Wirtschaft : Authentos-Gruppe vor der Zerschlagung Muttergesellschaft der Bundesdruckerei in Schieflage

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Berlin (va/HB). Die Gesellschafter der Authentos-Gruppe planen, den angeschlagenen Berliner Konzern wieder zu zerteilen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Unternehmens. Die Firma war vor zwei Jahren aus der privatisierten Bundesdruckerei hervorgegangen. Nach Zukäufen produziert Authentos heute unter anderem Banknoten, Pässe und Telefonchipkarten. Ein Grund für die beabsichtigte Zerschlagung sei, dass die Konzerntochter Bundesdruckerei allzu stark unter den finanziellen Lasten der Holding leide, heißt es in den Unternehmenskreisen. So sei die einst gesunde Eigenkapitalquote von rund 60 Prozent der Bundesdruckerei inzwischen „bedenklich auf weit unter die Hälfte geschrumpft".

Die Bundesdruckerei hat den Informationen zufolge an die Holding sämtliche Gewinne abführen müssen – Geld, das sonst die Eigenkapitalbasis gestärkt hätte. Zum anderen habe die Kreditaufnahme für das defizitäre Schwesterunternehmen Orga Kartensysteme GmbH die Eigenkapitalquote wesentlich verringert. Der Chipkartenhersteller Orga ist mittlerweile das größte Sorgenkind der Authentos-Gruppe. Das Unternehmen, das vor zwei Jahren noch als Perle des Konzerns galt, schreibt wegen der schwierigen Lage in der Telekommunikations-Industrie rote Zahlen. Das zweite große Problem der Authentos-Holding sind Zins- und Tilgungszahlungen, die sie als Folge ihrer Privatisierung leisten muss.

Werde dieser Zustand nicht geändert, gefährde die prekäre Lage der Authentos-Gruppe auch das Fortbestehen der Bundesdruckerei, die immerhin operativ schwarze Zahlen schreibe, heißt es in den Kreisen. Erste Konsequenzen aus der Situation hat nach Informationen des Handelsblatts bereits ein Bundesdruckerei-Mitarbeiter aus der zweiten Management-Ebene gezogen: Hans Kabisch wechselt zum Konkurrenten Giesecke & Devrient. Die Authentos-Gesellschafter hätten beschlossen, zur Stärkung der Bundesdruckerei mit Moritz Gerke einen dritten Geschäftsführer in das Führungsteam zu berufen.

Neben dem Verkauf der Orga planen die Gesellschafter auch das dritte wichtige Standbein von Authentos, die britische Tochter Security and Printing Systems (SPS), wieder aus dem Konzern zu lösen. Größter Gesellschafter von Authentos sind mit einem Anteil von 54 Prozent Fonds, die von der Beteiligungsgesellschaft Apax Partners beraten werden. Auch die Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale (Helaba) und der Bund als früherer Eigentümer sind bei dem Unternehmen engagiert. Bereits vor über einer Woche wollten die Gesellschafter verkünden, wie sie die vor der Insolvenz stehende Authentos-Gruppe retten wollen. Auf ein neues Datum für die Bekanntgabe der Pläne wollte sich ein Firmensprecher noch nicht festlegen.

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