Wirtschaft : Auto-Absatz kommt mühsam in Schwung

Auf dem Genfer Autosalon präsentiert die Branche mäßige Februar-Verkaufszahlen / Fahrzeuge in Deutschland EU-weit am teuersten

-

Genf/Brüssel (Tsp). Der Automarkt in Deutschland ist auch im Februar nicht in Schwung gekommen, war aber zumindest besser als im Januar. Das sagte Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA), am Dienstag auf dem Automobilsalon in Genf. Auch mehrere Hersteller sagten, die Lage sei nach wie vor mäßig. Derweil ergab eine Erhebung der EU, dass neue Fahrzeuge in Deutschland EUweit am teuersten sind.

Im Januar hatte es ein Zulassungsminus von 12,4 Prozent auf dem deutschen Automarkt gegeben. Bei den Auftragseingängen zeigten sich dem VDA zufolge erste positive Effekte der neuen Automodelle. Spürbar bergauf gehen werde es ab dem Sommer. Die Bedeutung der Massenmodelle Golf und Astra sei am Markt jetzt spürbar, befand Gottschalk. Er bekräftigte seine Prognose, dass in Deutschland in diesem Jahr 3,35 Millionen Autos neu zugelassen würden, nach 3,24 Millionen im vergangenen Jahr.

Der Autosalon zu Jahresbeginn gilt traditionell als Barometer der Branche. Auch bei Mercedes hält sich die Begeisterung über die Autonachfrage in Grenzen. In Deutschland und Frankreich sei noch keine Besserung auszumachen, sagte Jürgen Hubbert, Vorstand der Mercedes Car Group. Zu ihr gehören die Marken Smart, Mercedes und Maybach. Im ersten Halbjahr würde der Absatz dieser Marken leicht unter dem Vorjahresniveau liegen. Dann aber werde es Zuwächse bei der A-Klasse, der C-Klasse und dem SLK geben, bei denen eine Überarbeitung ansteht. Insgesamt sei 2004 ein Verkaufsplus zu erwarten, versprach Hubbert.

Optimistischer zeigte sich BMW. Nach einem herben Einbruch im Januar habe das Unternehmen im Februar vier Prozent mehr Pkw ausgeliefert, sagte Konzernchef Helmut Panke. Der Januar sei mit einem Minus von 7,1 Prozent „ein Ausreißer“ gewesen. Auch das VW-Tochterunternehmen Audi zeigte sich zufrieden. In den ersten beiden Monaten habe man die Verkaufszahl um ein bis zwei Prozent steigern können. Außerdem erwarte man auch für dieses Jahr einen Rekordabsatz, sagte ein Sprecher in Genf. Bis 2008 wolle man die Millionengrenze bei den jährlichen Verkäufen überschritten haben, hieß es.

Passat viel teurer als in Griechenland

Schlechter steht der Mutterkonzern Volkswagen da – der neue Golf war dürftig gestartet, zudem kämpft das Unternehmen mit Überkapazitäten. Daher hatte VW vor kurzem ein Milliarden-Sparprogramm aufgelegt. Konzernchef Bernd Pischetsrieder sagte, Werksschließungen werde es aber „ganz sicher nicht“ geben. Die Erweiterung der Modellpalette werde schon bald wieder für eine bessere Auslastung sorgen. An dem Ziel, in diesem Jahr 600000 Golf zu verkaufen, halte man fest, ebenso an dem Vorhaben, insgesamt 5,5 Millionen Autos verkaufen zu wollen – 2003 waren es fünf Millionen Stück. In den USA allerdings brach der Absatz im Februar um 32 Prozent ein.

Trotz der mäßigen Nachfrage sind die Autopreise in Deutschland höher als in anderen EU-Ländern. Einer Studie der EU-Kommission zufolge waren von 91 Auto-Typen 38 Modelle in Deutschland am teuersten. Spitzenreiter ist der VW Passat, der vor Steuern 39 Prozent oder 5000 Euro teurer war als in Griechenland. Am billigsten sind die Fahrzeuge in Dänemark. Unterschiede machte Brüssel auch in der Preispolitik der Hersteller aus. So variierten Volkswagen und Skoda sowie Peugeot und Fiat ihre Absatzpreise je nach Land am stärksten, während bei Mercedes, BMW, Audi und Seat die Listenpreise am wenigsten voneinander abwichen. Die Preisunterschiede gab es in allen Autoklassen. So zahlten bei Kleinwagen deutsche Kunden für das Peugeot-Modell 206 fast 25 Prozent mehr als auf dem billigsten Markt. In der Golf-Klasse kostete der Namensgeber in Luxemburg 28 Prozent mehr als im billigsten Anbieterland.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben