Wirtschaft : Auto-Hersteller fahren Sonderschichten

Branche erwartet nach langer Flaute steigende Absatzzahlen in Europa / Mehr Bestellungen nach IAA-Messe

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Frankfurt (Main) (hz/hof/HB/ro). Die dunklen Wolken über dem europäischen Automarkt verziehen sich. Nach Jahren mit rückläufigen Neuzulassungszahlen schöpfen die Autohersteller wieder Mut und ordnen wegen der guten Nachfrage nach einzelnen Modellen die ersten Zusatzschichten an. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verspürt angesichts gestiegener PkwNeuzulassungszahlen im September bereits einen Stimmungswandel. So kletterte der Inlands-Auftragseingang binnen Jahresfrist um 16 Prozent. Gegenüber August habe es ein Plus von zwölf Prozent gegeben.

„Das ist ein erster IAA-Effekt, allerdings sollte man daraus keine Aufschwung-Euphorie ableiten“, sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk unter Anspielung auf die Internationale Automobil-Ausstellung IAA, die vor drei Wochen zu Ende gegangen war. Von Januar bis September wurden in den inländischen Fabriken der deutschen Hersteller 3,77 Millionen Pkw gebaut. Das waren zwei Prozent weniger als in den ersten neun Monaten 2002.

Die Börse klatschte Applaus: Auto-Aktien standen im ohnehin positiven Börsenumfeld auf der Sonnenseite. Auch Experten sahen ermutigende Zeichen. Daimler-Chrysler-Papiere waren einer der stärksten Gewinner und legten um 5,41 Prozent auf 31,15 Euro zu. Volkswagen schafften ein Plus von 5,05 Prozent auf 41,99 Euro, und auch BMW gewannen 2,79 Prozent auf 35,32 Euro.

Neue Modelle zünden

Mehrere Hersteller erhöhen bereits die Schlagzahl. BMW kündigte sogar Zusatzschichten im Werk München an. Wegen der hohen Nachfrage nach dem 3er-Modell, die auch als Spätfolge des Metaller-Streiks vom Juni nicht schnell genug bedient werden kann, vereinbarten die Bayern mit dem Betriebsrat sechs Zusatzschichten an Samstagen im November und im Dezember. Auch im September holte der weiß-blaue Autobauer erneut auf. Nach der Einführung des neuen 5er-Modells hat der BMW-Konzern den Absatz deutlich gesteigert. Die Zahl der Auslieferungen stieg nach Firmenangaben um 6,3 Prozent auf 102600 Fahrzeuge. Volkswagen ordnete wegen der starken Nachfrage nach dem neuen Golf ebenfalls Samstagsschichten an. Mit dem Betriebsrat sei eine entsprechende Vereinbarung getroffen worden, sagte VW-Personalvorstand Peter Hartz.

Konkurrent Opel führt im November eine dritte Schicht in seinem Stammwerk Rüsselsheim ein. Die zusätzliche Kapazität wird gebraucht, um die Kombi-Version des Mittelklassewagens Vectra herzustellen, die vom kommenden Wochenende an in Deutschland verkauft werden soll. Bei voller Auslastung können in dem Werk, das zurzeit neben dem Kombi auch die Vectra-Limousine sowie den Signum produziert, 270000 Modelle im Jahr gefertigt werden.

Die Hersteller erwarten für das laufende Autojahr in Deutschland dennoch eine Stagnation, also erneut einen Absatz von rund 3,25 Millionen Pkw, bekräftigte VDA-Mann Gottschalk. Seit Jahresbeginn blieben die Neuzulassungen mit etwa 2,5 Millionen knapp unter Vorjahresvolumen. Die ohnehin schwache Branchenkonjunktur war 2003 durch den Irak-Krieg und die allgemeine Kaufzurückhaltung der Verbraucher zusätzlich belastet worden.

Das Gesamtjahr wird für die deutsche Schlüsselindustrie auf dem Inlandsmarkt damit ihr viertes schwaches Jahr in Folge. Doch im nächsten Jahr soll es wieder bergauf gehen. „In Deutschland könnte der Absatz 2004 um vier Prozent zulegen“, glaubt Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Auch weltweit wird die Branche nach Meinung von Experten nach einer langen Schwächephase wieder auf Wachstumskurs schwenken: Im kommenden Jahr werde der weltweite Pkw-Absatz um 4,7 Prozent auf 51,8 Millionen Fahrzeuge zulegen, erwartet das Leverkusener Prognose-Institut B&D-Forecast in seiner jüngsten Marktstudie.

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