Wirtschaft : Auto-Industrie vor Umsatzrückgang

FRANKFURT (MAIN) (AFP).Sinkende Nachfrage wird die Autoproduktion in Deutschland nach Einschätzung der IG Metall in diesem Jahr abnehmen lassen.Ein drastischer Einbruch der Automobilkonjunktur sei zwar nicht zu erwarten, das Spitzenergebnis von 1998 aber nicht noch einmal zu erreichen, heißt es in einer Analyse der Gewerkschaft, deren Ergebnisse am Montag in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde.

Die Industrie werde 1999 mindestens 5,2 Mill.Personenkraftwagen und damit drei bis vier Prozent weniger Autos als im Vorjahr produzieren.Verglichen mit 1997 bedeute dies aber immer noch ein Plus von elf Prozent; die Branche könne deshalb auch im laufenden Jahr mit einer guten Kapazitätsauslastung rechnen.Auch das Niveau von knapp 740 000 Beschäftigten sei voraussichtlich zu halten.Mittelfristig rechnet die IG Metall aber mit weniger Arbeitsplätzen in der Autoindustrie.

Die Branche erhöhte laut IG Metall ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 17,7 Prozent auf 371 Mrd.DM.Die Produktivität sei gestiegen, die Lohnstückkosten seien gesunken.Auch die Gewinnentwicklung war nach Angaben der Gewerkschaft 1998 "hervorragend": VW habe mit 2,24 Mrd.DM den höchsten Gewinn der Konzerngeschichte erzielt, Daimler-Chrysler seinen Jahresüberschuß um 29 Prozent auf 10,2 Mrd.DM gesteigert.Bis zum Jahr 2000 rechneten die deutschen Großbanken bei den börsennotierten Herstellern Daimler-Chrysler, VW, BMW und Porsche mit einer Verdoppelung der Gewinne.

Die Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie stieg nach Angaben der Gewerkschaft im zweiten Jahr in Folge um mehr als 40 000 auf den heutigen Stand von 740 000.Dieser Zuwachs sei jedoch in großen Teilen durch befristete Arbeitsverhältnisse und Zeitarbeit erfolgt.Die Firmen wollten sich so offenbar im Vorgriff auf künftige konjunkturelle Einbrüche vor hohen Personalbeständen schützen.Das Beschäftigungsniveau liege indessen noch immer rund zehn Prozent unter dem Höchststand von 1991.Dennoch habe der Ausstoß wegen der gestiegenen Produktivität seither um 14 Prozent zugenommen.

Herkömmliche Arbeitsplätze in der Produktion verlören an Bedeutung, heißt es in der Analyse.Forschung und Entwicklung und Finanzdienstleistung nähmen hingegen zu.Vertrieb und Marketing machten inzwischen 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten eines Neuwagens aus.Hier würden von der Industrie die größten Rationalisierungspotentiale gesehen.Auch angesichts des Euro und der damit wachsenden Preistransparenz würden Einsparpotentiale beim Verkauf von Autos angestrebt.

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