Wirtschaft : Auto-Zulieferer: Abwanderung nach Osten hält an

Über 50 Prozent der Firmen planen Standorte in Billiglohnländern / Weniger Motorräder verkauft

Rolf Obertreis (mit dpa)

Frankfurt am Main - Die Hälfte der deutschen Automobil-Zulieferer plant derzeit den Aufbau von Fabriken in Osteuropa oder China. Grund dafür sind einer Studie der Unternehmensberatung Ernst& Young zufolge niedrigere Lohn- und Produktionskosten. Dabei gehe es nicht nur um einfachere Arbeitsvorgänge, sondern mittelfristig auch um Forschung und Entwicklung.

„Der Automobilstandort Deutschland ist in Gefahr, und wer glaubt, dass dies nur die lohnintensive Produktion betrifft, gibt sich einer Illusion hin“, sagte Peter Fuß von Ernst& Young am Montag in Frankfurt. Gleichwohl rechnet er nicht mit einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland: Zum einen werde sich das Lohn- und Kostenniveau in Osteuropa mittelfristig den deutschen Verhältnissen angleichen. Zum anderen würden hierzulande neue Jobs in Forschung und Marketing entstehen.

Angesichts des steigenden Kostendrucks und der schwachen Auto-Nachfrage in Deutschland und in Westeuropa biete die Verlagerung ins Ausland für viele Zulieferer „womöglich die letzte Chance, die Kosten stark zu reduzieren und so weiter im Wettbewerb bestehen zu können“, sagt Fuß. In Ungarn etwa seien die Stundenlöhne je nach Qualifikation 15 bis 20 Prozent niedriger und die jährliche Arbeitszeit um 15 bis 20 Prozent länger. Bei der Umfrage unter 200 Zulieferfirmen bekannten 39 Prozent, dass es bereits konkrete Planungen für eine Teilverlagerung nach Osteuropa gibt. 23 Prozent haben China konkret im Auge. Dabei produziert heute fast schon jeder dritte Zulieferer in Osteuropa und jeder sechste in China.

Für Osteuropa entscheiden sich viele Firmen nicht nur aus Kostengründen, sondern auch wegen der Nähe zu den wichtigen Märkten in Westeuropa. Dabei schneidet Tschechien der Studie zufolge am besten ab. Mit einer Verlagerung nach China tun sich viele Zulieferer noch etwas schwerer: Grund ist unter anderem die Furcht vor Technologieklau und dem unerlaubten Kopieren von Know-how und Produkten. Andererseits gibt es für etliche Auto-Zulieferfirmen aber keine Alternative zum Aufbau von Fabriken im Ausland. Drei Viertel der befragten Unternehmen gaben der Studie zufolge an, dass sie nicht aus eigenem Antrieb über die Grenze gingen, sondern weil sie Automobilherstellern folgen müssten, die im Ausland eine neue Fabrik bauten.

Unterdessen hat der deutsche Industrie-Verband Motorrad im Vorfeld der Messe Intermot sinkende Verkaufszahlen gemeldet: Der Umsatz sei bis Juli 2004 im Vorjahresvergleich um 8,4 Prozent gesunken. Am beliebtesten sei die Mittelklasse mit 500 bis 749 Kubikzentimetern Hubraum, meldete der Verband. Bis zum Juli wurden 138659 Einheiten mit mehr als 50 Kubikzentimetern Hubraum neu zugelassen. Die Intermot läuft vom 15. bis 19. September in München.

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