Wirtschaft : Autoaktien abgehängt

Henrik Mortsiefer

Zwischenzeitlich sah es im vergangenen Monat so aus, als könne den Dax nichts bremsen. Aufschwungsszenarien und hervorragende Unternehmenszahlen halfen den Kursen in der zweiten Monatshälfte auf die Sprünge. Der Deutsche Aktienindex notierte oberhalb von 6100 Zählern – ein Niveau, das viele Banken erst in ein paar Monaten für möglich gehalten hatten. Doch bis Freitagmittag fiel das Barometer wieder deutlich zurück. Knapp über 6000 Punkten pendelten die Kurse der 30 Werte. Im Monatsverlauf blieb nur ein mageres Plus von 0,8 Prozent. Vorübergehend hatte es bei 2,5 Prozent gelegen.

Die Commerzbank erklärte in ihrem Wochenrückblick, an den internationalen Aktienmärkten habe sich eine leicht unsichere Tendenz durchgesetzt. Diese werde auch die kommende Woche prägen. Der Grund: die politische Lage im Nahen Osten, das teure Öl und die laufende Unternehmensberichtssaison.

Obwohl die Stimmung in den Unternehmen laut Ifo-Geschäftsklimaindex zurzeit so gut ist wie zuletzt vor 15 Jahren, fürchtet die Börse böse Überraschungen. Das mussten etwa Siemens und Daimler-Chrysler am Donnerstag erfahren, als die Aktien massiv unter Druck gerieten, weil die Unternehmen die Erwartungen des Marktes nicht erfüllt hatten. Insgesamt sind die Anleger nach den starken Kurszuwächsen anfälliger für Stimmungswechsel geworden. Sie tauschen die Favoriten schneller aus als noch vor Monaten. Helaba Trust warnt deshalb vor einem „wechselhaften Mai“ und verweist auf die hinlänglich bekannte Börsenweisheit, dass im Monat Mai die Anleger häufig Kasse machen („Sell in may and go away“). „Zumindest ein Teil der bislang aufgelaufenen Gewinne sollte angesichts des nicht mehr günstigen Chance-Risiko-Verhältnisses allmählich realisiert werden“, schreiben die Experten.

Im April verzeichnen 16 von 30 Dax-Werten ein Minus, 17 notierten schwächer als der Index selbst. Vor allem Schwergewichte wie Eon, Deutsche Telekom, Metro und Bayer halfen dem Dax ins Plus. Am Ende der Dax-Liste steht Daimler-Chrysler mit einem herben Kursverlust von 8,5 Prozent. Obwohl Daimler einen Ergebnisanstieg auf mehr als sechs Milliarden Euro für das laufende Jahr ankündigte, zeigte sich die Börse enttäuscht über die Zahlen im ersten Quartal. Auch die anderen beiden Autoaktien – BMW und VW – fielen im April zurück.

Herausragend hingegen Infineon: Mit einem Kursgewinn von 12,6 Prozent notierte der Chip-Konzern auf Platz eins. Der im ersten Quartal überraschend deutlich reduzierte Verlust und die bevorstehende Abspaltung der Speichersparte stimmen die Börse milde. Auf niedrigem Niveau konnte die Aktie neue Dynamik entfalten. Auffallend gut präsentierten sich auch Bayer vor der Schering- Übernahme sowie Thyssen- Krupp.

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