Autobauer : Gedrückte Stimmung und Skepsis bei Opel-Beschäftigten

Die Schließung von deutschen Opel-Standorten ist zwar vorerst vom Tisch, doch weltweit will der Mutterkonzern General Motors rund 47.000 Stellen streichen. Die Opel-Arbeitnehmer bleiben skeptisch: "Wir wurden schon öfter hinters Licht geführt."

Opel
Kann Opel gerettet werden? -Foto: dpa

Detroit/Berlin/BochumNach Angaben des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) gibt es bislang keine Entscheidung zur Schließung von Opel-Standorten in Deutschland. Dies sagte Rüttgers am Mittwoch nach einem Gespräch mit Rick Wagoner, dem Chef des US-Mutterkonzerns von Opel, General Motors (GM), in Detroit. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schloss staatliche Hilfen für den gefährdeten Autobauer nicht kategorisch aus.

"Wir regen an, dass der Bund jetzt die Initiative ergreift", sagte Rüttgers unter Verweis auf die zahlreichen Arbeitsplätze bei Opel in Deutschland. An der Ausarbeitung eines Zukunftsplans für den Autobauer sollten neben der Führung von Opel Deutschland und Europa auch Arbeitnehmervertreter beteiligt werden. Rüttgers machte in dem einstündigen Gespräch mit Wagoner demnach deutlich, dass die Voraussetzung für öffentliche Hilfen der Erhalt der Unternehmensstandorte in Deutschland sei.

47.000 Stellen werden weltweit abgebaut

GM hatte der US-Regierung am Dienstag in Washington einen Sanierungsplan vorgestellt, der den Abbau von insgesamt 47.000 Stellen weltweit vorsieht - 26.000 davon außerhalb der USA. Das Unternehmen erklärte zudem, die Sanierung des Konzerns könne "mehrere mögliche Schließungen/Verkäufe von Produktionsstätten an Standorten mit hohen Kosten" in Europa beinhalten.

"Wir sind gesprächsbereit, weil es um 26.000 Opel-Beschäftigte und wohl genauso viele bei den Zulieferern geht", sagte Steinbrück den "Ruhr Nachrichten" zu der Debatte über staatliche Hilfen. Als Instrumentarium gebe es den 100 Milliarden-Garantieschirm in der Zuständigkeit des Wirtschaftsministers. Als Allheilmittel sieht Steinbrück die staatliche Finanzhilfe aber nicht. "Ich bin skeptisch gegenüber staatlichen Beteiligungen an Industrieunternehmen. Das würde uferlos." Im Sonderfall Opel müsse zudem ein Abfluss möglicher Staatsmittel an den Mutterkonzern GM verhindert werden. Bisher habe Opel "kein verlässliches Abschottungskonzept bieten können".

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erwartet von Opel die Vorlage tragfähiger Zukunftskonzepte. Er selbst habe vom Kabinett den Auftrag erhalten, "auch Alternativlösungen zu erarbeiten", sagte Guttenberg am Mittwoch in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Gesucht werde nach Lösungen, "die den sofortigen Staatseintritt als solches nicht zwingend geboten erscheinen lassen".

Opel-Mitarbeiter bleiben skeptisch

Die Arbeitnehmervertreter bei Opel sind bereit, Kostensenkungsmaßnahmen mitzutragen. Das schließe auch Verhandlungen über die mögliche Einführung der Vier-Tage-Woche ein, sagte Konzernbetriebsratchef Klaus Franz der "Bild"-Zeitung: "Eine Werkschließung kostet 400 bis 500 Millionen Euro. Es ist besser, die Fertigung zu flexibilisieren."

Die Opel-Beschäftigten bleiben aber weiterhin skeptisch. "Die Schließung ist vorerst vom Tisch. Aber die haben uns ja schon öfter hinters Licht geführt. Man weiß bei Opel ja nie", sagt ein Monteur am Donnerstagmorgen vor der Frühschicht im Bochumer Opelwerk. "Irgendwas haben die vor", sagte ein anderer. Vor allem auf eine Herauslösung aus dem GM-Konzern setzen viele ihre Hoffnung, "wenn es machbar ist", meint eine Beschäftigte.

Auch ein Einstieg des Staates ist für eine Angestellte denkbar. "Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, wenn kein Geld aus Amerika kommt." Dass Stellenstreichungen kommen werden, glauben ebenfalls viele. "Das kommt hundertprozentig, vielleicht gibt es auch einen Nachtschichtabbau." Die Stimmungslage beschreiben die Beschäftigten mit "gedrückt", "mies" oder "beschissen". Viele seien sauer auf das Management von General Motors. (sba/AFP/dpa)

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