Wirtschaft : Autobauer halten die Bänder an

Peugeot und Renault drosseln die Produktion, Volkswagen will weniger Leiharbeiter beschäftigen

Corinna Visser

Berlin - Daimler machte mit seiner neuerlichen Gewinnwarnung den Auftakt. Jetzt folgen die anderen europäischen Autobauer: PSA Peugeot-Citroën nahm nach einem Umsatzeinbruch von 5,2 Prozent im dritten Quartal seine Geschäftsprognosen zurück. Europas zweitgrößter Autohersteller kündigte angesichts des Nachfrageeinbruchs massive Produktionskürzungen an. Der französische Konzern reagiere damit auf den „Kollaps“ des europäischen Automarktes, sagte Unternehmenschef Christian Streiff am Freitag in Paris. Für das vierte Quartal erwartet der Autobauer einen Rückgang des europäischen Marktes um 17 Prozent. Auch Konkurrent Renault kündigte an, in der kommenden Woche mehrere Werke in Frankreich, Russland, Slowenien und der Türkei vorübergehend stillzulegen.

Nach den Gewinnwarnungen setzten die Aktien der Autobauer an den Börsen ihre Talfahrt fort. Angesichts der bisherigen Quartalsberichte könne man die Schlussfolgerung ziehen, dass die Rezession im europäischen Automobilsektor schneller und möglicherweise deutlicher kommt als von vielen erwartet, kommentierten die Analysten von Cheuvreux.

Allein Europas größter Autobauer Volkswagen stemmt sich bisher gegen den Branchenabschwung. In den ersten neun Monaten des Jahres lieferten die neun Marken des Konzerns weltweit 4,8 Millionen Fahrzeuge aus, ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zulegen konnte der Konzern vor allem in Russland (plus 68 Prozent), im weiterhin schwachen europäischen Markt (ohne Deutschland) schrumpfte der Absatz dagegen um 4,9 Prozent. Im Monat September habe der Konzern weltweit 550 000 Fahrzeuge (plus 0,7 Prozent) verkauft, teilte VW mit. „Wir sehen mit Sorge, dass sich die Lage für die gesamte Branche im September weltweit noch einmal deutlich verschlechtert hat“, sagte Konzernvertriebschef Detlef Wittig. „ An unserem Ziel, in 2008 mehr Fahrzeuge zu verkaufen als in 2007, halten wir weiter fest.“ Die Zahlen zum dritten Quartal wird Volkswagen erst am kommenden Donnerstag vorlegen. Analysten rechnen mit einem kräftigen Gewinnrückgang.

Angesichts der Krise in der Branche kündigte auch VW harte Einschnitte an, die Arbeitsplätze kosten werden: Die schwache Marktentwicklung sowie die Finanzkrise seien eine brisante Mischung, sagte VW-Chef Martin Winterkorn nach Angaben eines Sprechers auf einer Versammlung der Führungskräfte. 2009 werde ein sehr schwieriges Jahr für die gesamte Branche und auch für das eigene Unternehmen. Die Stammbelegschaft will Winterkorn erhalten. Die Kostenbremse müsse aber konsequent angezogen und Investitionen, die nicht unbedingt notwendig seien, zurückgestellt werden. Um sich den veränderten Marktbedingungen anzupassen, prüft VW den Bedarf an Leiharbeitern im Konzern. Allein in den westdeutschen VW-Werken mit gut 90 000 Beschäftigten sind bislang nach Angaben des Unternehmens 3700 Leiharbeiter tätig. Bis zum Jahresende liefen 750 Leiharbeitsverträge in Deutschland aus, teilte VW mit. Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, wonach sich VW von einem großen Teil der weltweit 25 000 Leiharbeiter trennen wolle, wies der Konzern jedoch als falsch zurück.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet in der Branche einen Rückgang der Leiharbeit von zuvor 100 000 auf 20 000 Beschäftigte bis Mitte nächsten Jahres. Zudem rechnet er 2009 mit der Streichung von 20 000 festen Arbeitsplätzen über Abfindungen und betriebsbedingte Kündigungen. „Leiharbeiter werden die ersten sein, die bei Zulieferern und Herstellern ihre Arbeit verlieren“, sagte Dudenhöffer. Vor dem Hintergrund der Konjunkturkrise rechnet Dudenhöffer 2009 erneut mit einem Rückgang beim Autoabsatz. „Wir gehen auf eine Kaufverweigerung zu. In Deutschland erwarte ich einen Verkauf von Neufahrzeugen unter der Drei-Millionen-Marke.“ Dieses Jahr sollen es noch 3,1 Millionen sein. mit dpa

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