Autobauer in der Krise : Opel: Die Woche der Entscheidung

Opel will in den nächsten Tagen einen Rettungsplan vorlegen. Am Freitag trifft sich der Aufsichtsrat zur Krisensitzung.

C. Herz,D. Lerch
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Ladenhüter. Die Existenzkrise der Mutter General Motors und der schwache Absatz gefährden Opel massiv. -Foto: dpa

Düsseldorf- Opel steht vor einer der wichtigsten Wochen in der mehr als 100-jährigen Firmengeschichte. Das Unternehmen will in den nächsten Tagen einen Plan präsentieren, wie die drohende Pleite abgewendet werden kann. Das kündigte Opel-Sprecher Frank Klaas am Sonntag an. Mit diesem Plan hofft die deutsche Tochter des nahezu zahlungsunfähigen US-Konzerns General Motors (GM), den zur Rettung des Unternehmens nötigen staatlichen Bürgschaftsrahmen zu erhalten. Ein solches Sanierungskonzept ist eine der zentralen Forderungen der Politik für mögliche staatliche Hilfen. Zu den Inhalten des Plans sagte der Opel-Sprecher nichts. Sie sollten zuerst dem Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern präsentiert werden, ehe sie der Öffentlichkeit vorgestellt würden.

Am kommenden Freitag trifft sich zudem der Aufsichtsrat von Opel zu einer Krisensitzung. Das sagte Armin Schild, Opel-Aufsichtsrat und Frankfurter Bezirksleiter der IG Metall, dem „Handelsblatt“. „Ich gehe fest davon aus, dass wir bis dann deutlich weiter sind und dem Gremium bereits erste Grundzüge des neuen Zukunftskonzeptes präsentiert werden.“ Auch nach Aussagen von GM wird Opel in den nächsten Tagen einen Rettungsplan vorlegen. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte ebenfalls, dass die Regierung bis Ende der Woche ein Konzept von Opel erwarte. Bis dahin seien die Gespräche über eine Staatsbürgschaft ausgesetzt.

Für das Management und die Arbeitnehmervertreter von Opel bleibt damit nicht mehr viel Zeit, um der Regierung ein überzeugendes Konzept für die Zukunft des Herstellers mit rund 25 000 Beschäftigten in Deutschland vorzulegen. „Ich denke, gerade die Insolvenz von Saab hat gezeigt, dass da ja auch eine Uhr abläuft“, sagte Schild.

Opel braucht angesichts der sich verschärfenden Autokrise inzwischen eine deutlich höhere Bürgschaft, als bisher gedacht. Nach Informationen des „Handelsblatts“ aus Konzernkreisen strebt Opel jetzt einen Bürgschaftsrahmen von 2,6 Milliarden Euro an. Insgesamt belaufe sich der Finanzierungsbedarf bis 2011/2012 damit auf 3,3 Milliarden Euro. In dieser Summe sei allerdings auch ein möglicher Sanierungsbetrag der Arbeitnehmerseite enthalten, über den Management und Betriebsrat seit Wochen im Rahmen der laufenden Verhandlungen über ein Sparpaket verhandeln. Offiziell bestätigte Opel lediglich einen gestiegenen Bürgschaftsbedarf, nannte aber keine Zahlen. Ursprünglich hatte Opel einen Betrag von 1,8 Milliarden Euro angestrebt.

Der staatliche Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern befürchtet angeblich schon für Mai oder Juni die Zahlungsunfähigkeit des deutschen Autobauers. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz kritisierte das am Sonntag scharf: „Derzeitige Spekulationen und Unterstellungen über die Zahlungsfähigkeit von Opel verunsichern Kunden, Händler, Zulieferer und nicht zuletzt die Beschäftigten von Opel.“ Das gefährde Gespräche über eine staatliche Bürgschaft.

Ein entscheidender Punkt in der Debatte um Opels Zukunft ist die Trennung vom amerikanischen Mutterkonzern GM, der selbst nur noch mit zweistelligen Milliardenhilfen der US-Regierung überlebensfähig ist. Alleine allerdings schaffe Opel es auch nicht, sagte der Betriebsratschef des Bochumer Opel- Werks, Rainer Einenkel, der „Automobilwoche“. „Dazu sind wir zu klein.“ Wichtig für das deutsche Unternehmen sei die finanzielle Unabhängigkeit von GM.

Unterdessen kündigten die Autohändler ihre Unterstützung an. Die europäische Opel-Händler-Vereinigung Euroda wolle sich mit mehreren Hundert Millionen Euro beteiligen, sagte deren Vorsitzender Jaap Timmer im „ZDF“. Am Dienstag seien dazu Gespräche in Rüsselsheim geplant.

Während die deutsche GM-Tochter um ihre Rettung kämpft, haben sich die Chancen der schwedischen Schwester Saab weiter verschlechtert. Das Unternehmen hatte am Freitag Insolvenz angemeldet. Am Sonntag bekräftigte der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt, dass seine Regierung staatliche Hilfen zur Fortsetzung der Produktion ablehnt. mit HB/dpa

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