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Autobauer : Opel gehört nun dem französischen Konzern PSA

Der Verkauf von Opel an den französischen Autokonzern PSA ist abgeschlossen. Es entsteht der nach Volkswagen zweitgrößte Autokonzern Europas.

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Handshake: Opel-Chef Michael Lohscheller und der Vorstandsvorsitzende von PSA, Carlos Tavares (rechts), vor dem neuen Insignia.
Handshake: Opel-Chef Michael Lohscheller und der Vorstandsvorsitzende von PSA, Carlos Tavares (rechts), vor dem neuen Insignia.Foto: obs

Autobauer Opel ist nach 88 Jahren in amerikanischem Besitz seit 1. August ein französisches Unternehmen. Der Autokonzern PSA mit den Marken Peugeot, Citroen und DS hat die Übernahme des traditionsreichen deutschen Autobauers vom US-Konzern General Motors (GM) jetzt endgültig vollzogen. Was dies mittelfristig für die rund 37.000 Beschäftigten von Opel bedeutet, ist offen. Der seit Anfang Juni amtierende neue Opel-Chef Michael Lohscheller soll bis Anfang November einen Sanierungsplan für Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall erstellen. Seit 1999 steckt der Autokonzern in den roten Zahlen mit Verlusten von insgesamt fast 13 Milliarden Euro. Spätestens 2020 forderte PSA-Chef Carlos Tavares von Opel einen Gewinn. Beide Unternehmen erhoffen sich mittelfristig durch die Übernahme Einsparungen und Synergiegewinne von insgesamt rund 1,7 Milliarden Euro pro Jahr. Mit der Übernahme entsteht gemessen an den Absatzzahlen der nach Volkswagen zweitgrößte Autokonzern Europas mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent.

Durch den rund 2,2 Milliarden Euro teuren Kauf, den PSA und GM im März verkündet hatten und den die EU-Kommission Anfang Juli genehmigt hatte, entsteht nach VW der zweitgrößte Autokonzern in Europa mit einem Marktanteil von 17 Prozent. „Wir erleben die Geburtsstunde eines neuen europäischen Champions und schlagen ein neues Kapitel in unserer traditionsreichen Geschichte auf“, sagt Opel-Chef Lohscheller. Dies sei der nächste Schritt in der Entwicklung der Gruppe PSA, ergänzt Tavares.

Leicht wird er für Opel und die Mitarbeiter nicht. Gleichwohl begrüßte auch Wolfgang Schäfer-Klug, Vorsitzender des Opel-Betriebsrates, „dass jetzt Klarheit herrscht und der Verkauf erfolgreich abgeschlossen wurde“.  Der Betriebsrat hatte sich Anfang Juni von PSA zusichern lassen, dass alle bestehenden Tarifverträge erfüllt würden. Sie laufen bis 2020 und schließen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2018 aus. Zugleich laufen die von GM angestoßenen Projekte für das Internationale Entwicklungszentrum von Opel in Rüsselsheim mit seinen 7.700 Mitarbeitern weiter.

Trotzdem wird es in den gemeinsamen Arbeitsgruppen von PSA und Opel, die am Dienstag ihre konkrete Arbeit aufgenommen haben, darum gehen, wo gespart und Arbeiten und Prozesse gebündelt werden können und müssen. Auch Betriebsrat und IG Metall sehen Chancen in Skaleneffekten und in gemeinsamen Plattformen für die Autos von Peugeot, Citroen und Opel. Einspart werden soll auch im Einkauf, in der Fertigung und in Forschung und Entwicklung. PSA-Chef Tavares hat bereits betont, dass er selbst mehrere Tage im Monat in Rüsselsheim sein wird.

Jobs bis Ende 2018 sicher

„Die einzige Option, die Opel nicht hat, ist der Status quo. Es kann nicht länger dasselbe gemacht werden wie bisher, weil die Ergebnisse nicht gut waren“, gibt der PSA-Chef die Richtung vor. Opel und Vauxhall müsse mit seinen deutschen und britischen Marken neben den französischen Marken zu einem zweiten soliden Standbein der Gruppe werden. Experten zufolge sind  mittelfristig Einschnitte auch beim Personal unvermeidlich, es sei denn der neue Konzern könnte seine Marktanteile deutlich erhöhen. Dem Duisburger Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer zufolge muss Opel die Kosten um mindestens eine halbe Milliarde Euro pro Jahr drücken. Letztlich stehen ihm zufolge deshalb mittelfristig etwa ein Drittel der 19.000 Jobs in Deutschland auf dem Prüfstand. Während PSA im ersten Halbjahr einen Betriebsgewinn von gut zwei Milliarden Euro verbuchen konnte, dürfte Opel erneut einen Verlust in deutlicher dreistelliger Millionenhöhe eingefahren haben. Genaue Zahlen hatte GM zuletzt nicht genannt.

Lohscheller setzt auch auf die seit 2012 praktizierte Kooperation mit PSA. Vier Modelle wurden bislang gemeinsam entwickelt und auf den Markt gebracht, weitere zwei sind geplant, darunter die nächste Generation des Opel Corsa. Zudem setzt PSA stark auf  Elektromobilität. Bis 2023 sollen alle Modelle vollständig oder teilweise mit Elektromotoren ausgestattet sein. Opel verkauft zwar seit neuestem den Ampera E. Der wird allerdings von GM in den USA gebaut und geliefert. Dabei soll es trotz der Übernahme von Opel durch PSA bleiben.

Opel beschäftigt in Europa in zehn Werken rund 37.000 Menschen, davon 19.000 in Deutschland, in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern. 2016 haben Opel und Vauxhall rund 1,2 Millionen Autos verkauft, im ersten Halbjahr 2017 waren es knapp 519.000 und damit drei Prozent weniger. In Deutschland waren es knapp 128.000 Neuzulassungen, im Juni allerdings gut neun Prozent weniger als vor Jahresfrist. PSA zählt in Europa und Südamerika in zehn Fabriken rund 182.000 Mitarbeiter. 2016 wurden weltweit 3,15 Millionen Autos verkauft, im ersten Halbjahr 2017 waren es in Europa gut eine Million, in Deutschland knapp 63.000. Der Umsatz des Konzerns lag im vergangenen Jahr bei 54 Milliarden, der Betriebsgewinn bei 3,2 Milliarden Euro.

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