Wirtschaft : Autobauer Rover zahlungsunfähig

MG Rover, der letzte selbstständige Autobauer Großbritanniens, ist zahlungsunfähig. Fünf Jahre nach der Trennung von BMW kündigte der Vorstand des über hundert Jahre alten Unternehmens am Freitag die Berufung von Insolvenzverwaltern an.

London (08.04.2005, 20:27 Uhr) - Nach einem Bericht des Fernsehsenders BBC ist der Belegschaft gesagt worden, dass sie nur noch bis Montag bezahlt werden könne. Premierminister Tony Blair sagte unterdessen Hilfe der Regierung bei der Rettung von Arbeitsplätzen zu.

Zuvor waren Übernahmeverhandlungen mit dem chinesischen Autobauer Shanghai Automotive Industrial Corporation (SAIC) gescheitert, und die Regierung in London hatte es zunächst abgelehnt, Rover mit einem Kredit zu unterstützen. Nun sind 6000 Stellen im Rover-Werk in Birmingham gefährdet. Bei der deutschen Tochter von MG Rover liefen die Geschäfte zunächst ohne Einschränkungen weiter.

«Wir werden tun, was immer wir können, um Auskommen und Arbeitsplätze der Leute hier zu sichern», sagte Blair am Abend nach Gesprächen in Birmingham. Er und Finanzminister Gordon Brown hätten am selben Tag mit der chinesischen Regierung gesprochen. Er halte eine Lösung immer noch für möglich, sagte er weiter, ohne Details zu nennen. Die ursprünglich anvisierten Übernahmepläne würden jetzt nicht zu Stande kommen, aber die Regierung sei entschlossen daran mitzuarbeiten, so viele Arbeitsplätze wie möglich in Birmingham zu retten. Die Hilfsankündigung Blairs kommt vier Wochen vor den Parlamentswahlen.

Zuvor hatte Industrieministerin Patricia Hewitt jede Verantwortung der Regierung zurückgewiesen. «Wir haben wirklich alles getan, was wir konnten», sagte Industrieministerin Patricia Hewitt. «Aber am Ende hat SAIC deutlich gemacht, dass sie kein Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit von MG Rover habe.»

Ein Sprecher von SAIC bestätigte dies: «Die Forderung von SAIC war, dass MG Rover nachweisen musste, dass es vom Zeitpunkt einer Vertragsunterzeichnung an für zwei Jahre zahlungsfähig war», sagte er. «Diesen Nachweis haben sie aber nicht erbringen können, und deshalb konnten wir keinen Vertrag aushandeln.»

Rover wollte von der britischen Regierung einen Überbrückungskredit in Höhe von 100 Millionen Pfund haben, doch Hewitt sagte, einen solchen Kredit hätte sie Rover nur nach Abschluss eines Kooperationsvertrags mit den Chinesen gewähren können. Diese Entscheidung wurde auch von den Oppositionsparteien nicht kritisiert. Den Zulieferern von Rover, die noch einmal für bis zu 20 000 Stellen gut sind, versprach Hewitt Hilfe in Höhe von 40 Millionen Pfund (60 Mio Euro).

Rover hatte am Donnerstag in seinem Hauptwerk in Birmingham bereits die Produktion eingestellt. Doch als Ministerin Hewitt am Abend in einer Pressekonferenz sagte, dass Rover Konkurs angemeldet habe, wurde dies vom Vorstand bestritten. Die Ministerin sei «voreilig» gewesen, hieß es. Doch Hewitt verteidigte sich damit, dass sie ihren Text mit der Rover-Führung abgesprochen habe.

Die deutsche Tochter von MG Rover mit Sitz in Neuss bei Düsseldorf ist nach eigenen Angaben bisher allen Verbindlichkeiten ordnungsgemäß nachgekommen. «Damit wollen wir deutlich und klar zum Ausdruck bringen, dass ein entsprechender Insolvenzantrag über das Vermögen der MG Rover Deutschland GmbH nicht gestellt wurde und hierfür zur Zeit auch keine Veranlassung besteht», unterstrich der Geschäftsführer Jürgen Voss in einem Schreiben an die Handels- und Geschäftspartner.

BMW war Ende der 90er Jahre durch Rover in eine schwere Krise geraten, die 1999 zu Milliardenverlusten führte. Im Mai 2000 verkaufte der Konzern seine englische Tochter für den symbolischen Preis von zehn Pfund an das Phoenix-Konsortium, eine Gruppe von vier Geschäftsleuten. Seitdem hat Rover seine Verluste zwar stark verringert, doch von einem Gewinn ist die Firma immer noch weit entfernt. (tso) (tso)

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