Autobranche : Daimler geht an die Löhne

Nach dramatischen Absatzeinbrüchen verschärft der Daimler-Konzern seinen Sparkurs und fordert von den bundesweit 140.000 Beschäftigten Verzicht. Zwei Milliarden Euro will Vorstandschef Dieter Zetsche beim Personal in diesem Jahr zusätzlich einsparen.

Daimler
Der März brachte der Autobranche in den USA einen weiteren Einbruch. -Foto: ddp

Stuttgart/Berlin - Auch die Standorte im Raum Berlin dürften betroffen sein. Am Mittwoch waren aber weder das Transporterwerk in Ludwigsfelde (2500 Beschäftigte) noch das Motorenwerk in Berlin-Marienfelde (3100 Beschäftigte) zu Stellungnahmen bereit. Die Absatzkrise bei Daimler hat auch Folgen für andere Unternehmen. Bei einem großen Autozulieferer in der Region hieß es, das Auftragsvolumen liege derzeit um mehr als die Hälfte unter Plan, da Mercedes die Produktion der C- Klasse drastisch zurückfahre. Die Hälfte der Beschäftigten sei bereits in Kurzarbeit, hieß es bei dem Lieferanten.

Daimler will die Wochenarbeitszeit für 73 000 Mitarbeiter um bis zu fünf Stunden verkürzen, weniger Zuschuss zum Kurzarbeitergeld bei 68 000 Beschäftigten zahlen und die für Mai geplante zweite Stufe der Tariferhöhung verschieben, kündigte Personalvorstand Günther Fleig in Stuttgart an. Außerdem sollen Urlaubs- und Weihnachtsgeld schrumpfen. Über das Paket verhandeln Unternehmensleitung und Betriebsrat von Donnerstag an. Ergebnisse soll es binnen Tagen geben.

Schon beschlossen ist, dass die Erfolgsbeteiligung von 1900 Euro, die jeder fest angestellte Mitarbeiter für 2008 erhalten sollte, nicht ausbezahlt wird. Das Geld soll stattdessen gutgeschrieben werden. Im Gespräch ist auch, die Belegschaft am Unternehmen zu beteiligen.

„Wir reden nicht über Personalabbauprogramme und über Entlassungen“, sagte Fleig. Sollte die Krise aber andauern, seinen solche Schritte nicht mehr auszuschließen. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte, die Sicherung von Arbeitsplätzen sei oberstes Ziel. Er forderte, dass auch „leitende Führungskräfte und der Vorstand ihren Beitrag leisten.“ Bisher sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2011 ausgeschlossen. Für die Gruppe der 73 000 Beschäftigten – überwiegend Angestellte aus Verwaltung, Vertrieb, Einkauf sowie Forschung und Entwicklung, für die keine Kurzarbeit angemeldet werden kann – würde die niedrigere Wochenarbeitszeit eine Gehaltseinbuße von bis zu 14 Prozent bedeuten.

Das neue Sparpaket sei nötig, um die Beschäftigung aufrechterhalten zu können, sagte Fleig. Im Februar habe Daimler 40 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft, dies sei mit „erheblichen Einnahmerückgängen“ verbunden. Daimler hatte zuvor bereits die Produktion gedrosselt, Managerboni gestrichen und die Dividende gekappt. Tsp/dpa

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