Autobranche : „Das Jahr wird für niemanden einfach“

Die Krise schlägt auf die Autobranche durch: Egal ob Volkswagen, Audi, BMW oder Mercedes – der weltweite Absatz bricht im Januar radikal ein.

Moritz Döbler
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Abwärts. Kein Autokonzern kann sich der Flaute entziehen. Massen- und Premiumhersteller sind gleichermaßen betroffen. Foto: Imago

BerlinBerlin - Die globale Wirtschaftskrise schlägt voll auf die deutschen Hersteller durch. VW, Mercedes, BMW und Audi meldeten am Freitag für Januar drastische Absatzeinbrüche. Der Verkauf in den traditionell wichtigen Märkten USA, Westeuropa und Japan lahmt, aber zunehmend auch in den Wachstumsregionen wie China, Indien und Russland. Dagegen könnte selbst eine rasante Entwicklung des Inlandsmarkts wenig ausrichten, denn bisher werden drei von vier in Deutschland produzierten Pkw exportiert. Die Börse hatte aber am Freitag offenbar mit einem noch schlimmeren Jahresauftakt gerechnet: Die Aktien von BMW und Daimler legten deutlich zu, und auch VW-Papiere erholten sich nach einem Kurseinbruch im Tagesverlauf.

Dabei ging der Absatz bei Europas größtem Autokonzern VW im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat „in der Größenordnung von rund 20 Prozent“ zurück, wie am Freitag aus dem Unternehmen verlautete. Das heißt, dass etwa 390 000 Fahrzeuge der acht Konzernmarken abgesetzt wurden. Finanzchef Hans Dieter Pötsch hatte jüngst mit einem nur halb so starken Rückgang für das Gesamtjahr gerechnet. Volkswagen schließt rote Zahlen im ersten Quartal nicht aus.

Die VW-Tochter Audi vermeldete sogar einen Absatzeinbruch von 28,6 Prozent auf 56 200 Autos. „Dieses Jahr wird für niemanden einfach“, sagte Audi-Marketing- und Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer. Die Ingolstädter wollen dennoch im ersten Halbjahr sechs neue Modelle auf den Markt bringen.

Daimler lieferte im Januar 62 200 Wagen seiner Marken Mercedes, Smart und Maybach aus und damit 31,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Kernmarke Mercedes verzeichnete sogar einen Rückgang von 34,5 Prozent auf 53 900 Autos.

BMW-Vertriebschef Ian Robertson nannte die Lage „sehr herausfordernd“. Im Januar brach der Absatz der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce um fast ein Viertel auf rund 70 000 Einheiten ein. Mehr als acht von zehn verkauften Fahrzeugen trugen das Emblem der weiß-blauen Stammmarke, die auf ein Absatzminus von 22,1 Prozent kam.

Noch stärker war der Rückgang mit 34,5 Prozent bei der Kleinwagenmarke Mini, während das – allerdings kleine – Luxussegment nicht getroffen wurde: Der 7er, die Oberklasselimousine von BMW, legte nach dem Modellwechsel um 5,1 Prozent zu und startet bald auch in den wichtigen Märkten USA und China. Zudem konnten 37 Rolls-Royce- Fahrzeuge verkauft werden, also fast so viel wie ein Jahr zuvor, als es 41 waren.

Gegen den Konzerntrend steigerte BMW den Absatz der in Berlin-Spandau gefertigten Motorräder um 1,1 Prozent auf 3731 Stück. Der gute Start ins neue Jahr sei vor allem der hohen Nachfrage nach den neuen Zweizylinder-Motorrädern F 650 GS und F 800 GS zu danken, teilte BMW mit. Weiterer Schub sei durch den Verkaufsstart der überarbeiteten K1300-Modelle im Februar zu erwarten, hieß es.

BMW legt die Bilanz für das alte Jahr erst Mitte März vor, stellte aber am Freitag bereits ein „deutlich positives Konzernergebnis“ in Aussicht. Wohl vor allem diese Aussage ließ den Kurs um über elf Prozent auf 21,86 Euro steigen. Auch Daimler-Papiere legten zu. Der Kurs der Aktie stieg um 8,5 Prozent auf 24,62 Euro zu. VW verlor zunächst bis zu 3,5 Prozent, um sich dann bei 269 Euro auf einem Plus von 3,4 Prozent einzupendeln.

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