Autobranche : Gute Besserung

Mit neuen Luxus-, Elektro- und Kleinwagen macht sich die Autobranche auf der Motor-Show in Detroit Mut.

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Daimler in Detroit. Vorstandschef Dieter Zetsche gab sich optimistisch. -Foto: Reuters

Berlin - Die Autohersteller üben sich in pragmatischem Optimismus. 2010 dürfte für die Branche ein Jahr der weltweiten Erholung werden – so lautet der Tenor der Präsentationen auf der Detroit Motor Show (bis 24. Januar). So rechnet auch Daimler 2010 mit einem Wachstum des weltweiten Automarkts um drei bis vier Prozent. Dabei sei in China nur noch mit einem hohen einstelligen Wachstum zu rechnen, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Der US-Markt, auf dem 2009 nur gut zehn Millionen Autos verkauft wurden, werde nach seiner Einschätzung um zehn Prozent zulegen. In Europa rechne er nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme mit einem Rückgang um drei bis vier Prozent. Daimler werde seinen Marktanteil leicht steigern können.

Von Euphorie ist in Detroit dennoch wenig zu spüren: „Das Einzige, was mich beruhigt, ist, dass wir 2009 den Boden erreicht haben“, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Auch VW-Konzernvertriebsvorstand Christian Klingler sagte, 2010 werde „herausfordernd“. Wie alle Hersteller gibt VW die Losung aus, besser als die Konkurrenz zu sein – und Marktanteile hinzugewinnen zu wollen.

Die Deutschen wagen in Detroit einen Spagat. Einerseits demonstrieren sie den angeschlagenen „Big Three“, General Motors, Chrysler und Ford, mit ihren Oberklassemodellen PS-Stärke. Andererseits geben sich die Hersteller mit Elektro- und Kleinwagen innovativ. „Während andere noch dabei sind, Showcars zusammenzubasteln, sind wir in Serie“, sagte Daimler-Forschungschef Thomas Weber. In wenigen Wochen startet auch in Berlin ein Großversuch mit Elektro- Smarts. Mit Blick auf die ab 2015 in Europa geltenden Klimanormen sieht sich Daimler im Plan: „Wir sind heute im Durchschnitt der gesamten Flotte bei 160 Gramm CO2 pro Kilometer und werden 2012 bei unter 140 Gramm liegen“, sagte Weber. „Die grüne Offensive zahlt sich aus.“ Der Smart bereitet Daimler allerdings nicht nur Freude. In den USA sanken die Verkäufe 2009 um über 40 Prozent auf nur noch knapp 15 000 Stück. Im Jahr davor hatte der Smart wegen der hohen Spritpreise noch 25 000 US-Käufer gefunden. Außerdem braucht Daimler einen erfahrenen Partner, um die Modellpalette des Kleinwagens auszubauen. „Wir werden die Marke Smart über das eine Fahrzeug hinaus entwickeln“, sagte Zetsche. „Um das zu erreichen, brauchen wir einen Kooperationspartner.“ Bis Ende Juni 2010 will Daimler fündig geworden sein. Ein Gesprächspartner ist Renault.

Im Wettlauf um marktreife Elektroautos wären die deutschen Hersteller gerne in der Vorreiterrolle. Aber: „Wir sind genauso weit wie die anderen“, räumte VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg ein. Alle Hersteller seien in der Startphase. Experten schätzen, dass es noch zehn Jahre dauert, bis E-Autos den Massenmarkt erreichen. VW sei etwas konservativer, wenn es darum gehe, Elektroautos auf den Markt zu bringen, sagte Hackenberg. „Wir wollen die Technik erst einmal bis ins Detail verstehen.“ mot

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