Autobranche : Nur bei Kleinwagen geht noch was

BMW, Opel und Renault verkaufen 2008 deutlich weniger Autos. Ein südkoreanischer Hersteller geht pleite.

Henrik Mortsiefer

Berlin – Saab: minus 21,9 Prozent, Opel: minus 10,5 Prozent, BMW: minus 4,3 Prozent, Renault: minus 4,2 Prozent. Mit massiven Absatzeinbrüchen haben weitere Autohersteller das Jahr 2008 abgeschlossen. Besonders schlecht verkauften sich wie erwartet die Tochtermarken des US-Konzerns General Motors (GM), Saab und Opel.

Bei der Interpretation der Zahlen gaben sich die Hersteller allerdings gelassen. GM-Europachef Carl-Peter Forster sagte, es stimme ihn optimistisch, dass es allen GM-Marken gemeinsam gelungen sei, erneut mehr als zwei Millionen Fahrzeuge in Europa zu verkaufen. Alle Konzernmarken setzten 2008 in Europa insgesamt 2, 040 Millionen Autos ab – 6,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson sagte, der Konzern habe sich mit seinen Marken BMW, Mini und Rolls-Royce in einem schwierigen Jahr „vergleichsweise gut geschlagen“. Der Rückgang beim Absatz von 4,3 Prozent auf weltweit 1 ,435 Millionen Fahrzeuge sei „gegenüber dem hohen Niveau 2007 noch moderat“ ausgefallen. BMW bleibt zwar die absatzstärkste Marke unter den deutschen Premium autobauern, musste aber 2008 dennoch den ersten Absatzrückgang seit 15 Jahren hinnehmen. Ursprünglich hatte BMW den Vorjahreswert von 1,5 Millionen verkauften Autos übertreffen wollen. Dieses Ziel war jedoch mit der Verschärfung der Finanzkrise und dem Einbruch der Verkaufszahlen im Herbst aufgegeben worden. Im Dezember brach der Absatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 26,4 Prozent ein.

Daimler und Audi standen im Jahresvergleich besser da. Bei Daimler mit den Marken Mercedes, Smart und Maybach war der Absatz im Vergleich zu 2007 nur um 2,3 Prozent auf 1,256 Millionen Fahrzeuge gesunken. Audi hatte vor allem wegen neuer Modelle wie dem A4 sogar ein Absatzplus von 4,1 Prozent gemeldet und erstmals die Marke von mehr als einer Million verkaufter Autos geknackt.

Alle Hersteller profitierten in einem zuletzt extrem schwachen Markt vom Erfolg ihrer kleinen Autos. So verkaufte die GM-Marke Chevrolet, die den Kleinwagen Matiz vertreibt, 2008 in Europa 10,7 Prozent mehr. Erst im Dezember erreichte den Hersteller die allgemeine Nachfrageflaute. Auch BMW setzte vom Mini im vergangenen Jahr 4,3 Prozent mehr ab als 2007 – insgesamt 232 425 Fahrzeuge. Die rumänische Renault- Tochter Dacia, die den preiswerten Logan Family baut, konnte 11,7 Prozent mehr Fahrzeuge verkaufen. Renault-Verkaufschef Patrick Blain sprach gleichwohl von einem „brutalen Marktkollaps“. Eine Prognose für 2009 wollte er deshalb nicht abgeben. Die Krise werde fortdauern und der Abbau der Lagerbestände bleibe Priorität. Wegen des Absatzeinbruchs verfehlt Renault die Ziele seines 2006 auf vier Jahre angelegten Strategieplanes dramatisch. Er sah ein Wachstum von zehn Prozent für das vergangene Jahr vor.

Eine Erfolgsmeldung kam am Freitag von Volkswagen – sie betraf aber nicht den deutschen Automarkt. Europas größter Autobauer hat im abgelaufenen Jahr sein Absatzziel von einer Million verkauften Autos in China erreicht. Der Konzern steigerte seinen Absatz in dem Land um 12,5 Prozent auf 1,024 Millionen Fahrzeuge, wie VW mitteilte. „Trotz der negativen Marktentwicklung im zweiten Halbjahr haben wir das beste Ergebnis aller Zeiten in China erreicht“, sagte VW- China-Chef Winfried Vahland. Wie sich der Markt 2009 in China entwickeln werde, sei unsicher.

Der in Finanznot geratene südkoreanische Autohersteller Ssangyong Motor, der auch auf dem deutschen Markt aktiv ist, hat auf Beschluss seines chinesischen Mehrheitseigners unterdessen Schutz vor seinen Gläubigern beantragt. Der „unvermeidbare“ Schritt sei gemacht worden, um die Liquiditätskrise in den Griff zu bekommen, teilte der Geländewagenspezialist und kleinste der fünf südkoreanischen Autoproduzenten am Freitag mit. Ziel sei, die drohende Pleite abzuwenden und ein Unternehmen mit „nachhaltigem Wachstum“ zu schaffen. Der Ssangyong-Absatz war 2008 angesichts der wegbrechenden Nachfrage um fast 30 Prozent auf 92 665 Autos zurückgegangen. Die Shanghai Automotive Industry Corp. (SAIC) hält 51 Prozent der Anteile an Ssangyong.

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