Autobranche : Opel erwägt neue Billigmarke für Russland

Das Magna-Konsortium liegt bei den Verkaufsverhandlungen vorn und will seinen Geschäftsplan Ende der Woche beschließen.

Berlin - Im Bieterstreit um Opel liegt das kanadisch-russische Magna-Konsortium vor der Konkurrenz. Magna habe „in den laufenden Verhandlungen einige Wochen Vorsprung vor den anderen Bietern“, sagte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster dem „Handelsblatt“. Man wolle noch im Sommer unterschriftsreife Verträge haben. Auch die Bundesregierung sieht Magna eindeutig vorn.

Forster betonte, Magna habe ein „langfristiges strategisches Interesse“ an Opel. Damit hebt sich das Unternehmen insbesondere vom Finanzinvestor Ripplewood ab, der Opel laut Verhandlungskreisen lediglich als Parkposition ansieht. Außerdem ist der chinesische Automobilkonzern BAIC im Rennen, belegt aber offenbar nur eine Außenseiterposition.

Magna hatte sich in einer dramatischen Nachtsitzung im Bundeskanzleramt Ende Mai den Zuschlag für exklusive Verhandlungen mit dem damaligen Opel-Mutterkonzern GM gesichert. Mittlerweile sind 65 Prozent des deutschen Unternehmens in der Hand einer Treuhandgesellschaft. Bei GM liegen noch 35 Prozent. Diesen Anteil will der angeschlagene US-Konzern auch behalten. Magna will von der Treuhandgesellschaft einen 20-Prozent-Anteil übernehmen, 35 Prozent sind für den russischen Magna-Partner Sberbank vorgesehen, zehn Prozent für die Mitarbeiter.

Bislang gibt es zwischen GM und Magna nur eine Absichtserklärung. Auch die Bundesregierung rechnet mit einer baldigen Einigung zwischen GM und Magna. Er sei zuversichtlich, dass man bis Mitte Juli einen Businessplan sehen werde, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann jüngst in München. „Magna ist der realistischste Weg.“ Nach Informationen aus Unternehmenskreisen will Magna Ende der Woche auf einer Aufsichtsratssitzung den endgültigen Geschäftsplan absegnen.

Allerdings sieht das Bundeswirtschaftsministerium noch offene Punkte in dem Sanierungskonzept des Zulieferers. „Man kann sicher das eine oder andere Fragezeichen sehen, ohne das Konzept völlig infrage zu stellen“, sagte Homann.

In Verhandlungskreisen hieß es, für die Frage der Marktzugänge zeichneten sich Lösungen ab. Opel bleibe der Zugang zum US-Markt zwar verwehrt, voraussichtlich werde der Autobauer jedoch ab 2012 in Kanada aktiv werden können. In China dürfe Opel voraussichtlich das vorhandene Händlernetz weiter beliefern, aber nicht ausbauen. Große Chancen sieht Opel künftig auf dem russischen Markt. Um die Potenziale zu nutzen, ist das Unternehmen bereit, erhebliche Anstrengungen zu unternehmen: „Wir müssen analysieren, ob man in Russland mit den bekannten Marken und Marketingstrategien ausreichend aufgestellt ist“, sagte Forster, der beste Aussichten hat, künftiger Opel-Chef zu werden. In Unternehmenskreisen hieß es, es sei denkbar, eine ganz neue Marke zu etablieren. Es sei vorstellbar, ein für den russischen Massenmarkt taugliches robustes und günstiges Modell zu entwickeln und unter eigenem Namen zu vertreiben.

Homann sagte, er erwarte, dass die EU die geplanten Opel-Beihilfen von 4,5 Milliarden Euro genau prüfe. Standortbezogene Vorgaben könne er sich aber nicht vorstellen. Das Bundeswirtschaftsministerium koordiniert die Gespräche der europäischen Länder mit Opel-Standorten, die sich an dem Hilfspaket beteiligen wollen. Opel hatte von der Bundesregierung einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro bewilligt bekommen, um den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten zu können. Die übrigen drei Milliarden sollen zu einem Großteil in die Entwicklung neuer Modelle fließen. gof/str/hz (HB)

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