Autobranche : Russland hofft auf VW-Einstieg

Eigentlich hatte Wladimir Putin dem Wagen Siber strategische Bedeutung attestiert. Das Fiasko mit der einheimischen Limousine endet heute.

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Macht am Band. Wladimir Putin schaute sich das Werk vor zwei Jahren an. Foto: dpa
Macht am Band. Wladimir Putin schaute sich das Werk vor zwei Jahren an. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ dpa

Moskau - Der Wolga, Bonzenschleuder der Sowjetära, ist längst Geschichte. Hergestellt hatte ihn die GAZ-Gruppe in Nischni Nowgorod, die auch mit dem Nachfolger Siber kein Glück hatte. Zwar hatte Premier Wladimir Putin dem auf einer Chrysler-Plattform entwickelten Wagen strategische Bedeutung attestiert und sich, als der Prototyp im August 2008 vom Band rollte, hinters Lenkrad geklemmt. Doch es wurde nichts draus: 50 000 Siber wollte die GAZ-Gruppe im vergangenen Jahr eigentlich auf den Markt werfen, produziert wurden ganze 2200. Denn die Staatsdiener, die einheimische Dienstwagen nutzen sollten, konnten dem Siber nichts abgewinnen.

Entnervt stoppte GAZ-Mehrheitsaktionär Oleg Deripaska jetzt das Fiasko. Vom heutigen Montag an ist auch der Siber Geschichte. Um ihre Arbeitsplätze braucht die Belegschaft dennoch nicht zu bangen. Denn seit September verhandelt Volkswagen über einen Einstieg. Man stehe „in engem Kontakt mit der russischen Regierung, um die beste Lösung zu finden und unsere strategischen Ziele zu erreichen“, sagte Bo Andersson, der Chef der eigens gegründeten Tochter Volkswagen Group Rus im russischen Auslandsfernsehen. Ein Ergebnis erwarte er vor Jahresende.

Neben Nutzfahrzeugen wollen die Wolfsburger in Nischni auch Wagen ihrer tschechischen Tochter Skoda vom Band rollen lassen. Der Deal könnte allen Beteiligten nützen. Russland, der größte Flächenstaat der Erde und einer der am schnellsten wachsenden Märkte, dürfte Deutschland auch bei Pkw-Neuzulassungen voraussichtlich spätestens 2015 einholen. Mindestens drei Millionen Autos sollen dann jährlich zwischen Kaliningrad im Westen und Kamtschatka im Osten verkauft werden. Die Wolfsburger wollen dabei ganz weit vorn mitspielen.

Schon im November 2007 legten sie daher den Grundstein für ein VW-Werk bei Kaluga, 200 Kilometer südwestlich von Moskau. Mit Investitionen von einer halben Milliarde Euro will VW dort jährlich bis zu 150 000 Fahrzeuge – vor allem Passat und Skoda Octavia – herstellen. Der Laden läuft so gut, dass inzwischen sogar eine zweite Fertigungslinie geplant ist. 2018 will VW rund 360 000 Fahrzeuge in Russland verkaufen – aber das klappt wahrscheinlich nur, wenn der Deal mit GAZ zustande kommt.

Moskau geht es bei den Verhandlungen mit VW vor allem um einen Zugang zu moderner Technologie. Für den Fall, dass Wolfsburg da mauert, steht Erzkonkurrent General Motors bereit. Das Interesse ausländischer Autobauer an einer Zusammenarbeit sei „sehr hoch“, betont ein GAZ-Sprecher. Elke Windisch

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