Autobranche : Volkswagenproduktion ist wieder auf dem Damm

Der Volkswagenkonzern scheint seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Die Produktion und die Auslastung der Werke sind wieder auf internationalem Niveau angekommen. Der Betriebsrat will aber ein Pakt zur Beschäftigungssicherung schnüren.

Volkswagen
Die Werke von Volkswagen sind wieder gut ausgelastet und von der Produktivität her konkurrenzfähig.Foto: ddp

WolfsburgDer Autobauer Volkswagen hat nach seiner Sanierung bei Produktivität und Auslastung kräftig aufgeholt. Personalvorstand Horst Neumann sprach laut VW-Mitteilung am Montag auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg von "deutlichen Fortschritten". Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, die Produktivitätssprünge seien angesichts eines immer härteren internationalen Wettbewerbs und eines "gezielten Angriffs von Toyota" auf alle Märkte der Welt, aber insbesondere auf den europäischen Markt, unbedingt notwendig. Er forderte zugleich eine Strategie zur nachhaltigen Beschäftigungssicherung bei VW.

Volkswagen hatte im vergangenen Jahr angesichts einer mangelnden Auslastung sowie Ertragsproblemen hart saniert. Tausende von Stellen - insgesamt sollen es bis 2012 rund 20.000 sein - fallen über Aufhebungsverträge und Vorruhestand weg, die Wochenarbeitszeit wurde verlängert, ohne Lohnausgleich. Dies bedeutete den Abschied von der Vier-Tage-Woche. Der neue VW-Chef Martin Winterkorn setzt nun voll auf Wachstum und will dem weltweit größten Autobauer Toyota Paroli bieten.

Auslastung bei 90 Prozent im Schnitt

Neumann sagte, 2007 werde am Standort Wolfsburg ein Mitarbeiter voraussichtlich 27 Fahrzeuge fertigen, im Vorjahr seien es 24 gewesen. "Im Kehrwert dazu sind die Stunden je Fahrzeug gefallen." Er kündigte weitere Schritte an, um die Produktivität zu verbessern. Ein wesentliches Ziel sei es, Entwicklung, Beschaffung und Produktion enger zu vernetzen. Die Auslastung der Werke sei einen großen Schritt vorangekommen. Es gebe aber noch Herausforderungen. Dies bedeute zunächst eine weitere Absatzsteigerung, aber auch eine höhere Eigenleistung statt Fremdvergabe.

Genaue Angaben zur Auslastung der Werke gab VW nicht. Branchenkreisen zufolge soll die Auslastung der Werke europaweit bei derzeit durchschnittlich rund 90 Prozent liegen. So arbeite das VW-Stammwerk Wolfsburg nahe an der Kapazitätsgrenze. Im vergangenen Jahr noch habe die Auslastung dort nur 50 bis 60 Prozent betragen.

Konzept für Personalüberhänge angemahnt

Osterloh sagte, VW müsse Antworten geben auf die aus den Produktivitätsteigerungen resultierenden Personalüberhänge. Das Unternehmen müsse sich an allen Standorten Gedanken darüber machen, wie ein Konzept zur nachhaltigen Beschäftigungssicherung aussehen könne.

Unterdessen sorgen VW-Pläne, den neuen kleinen Geländewagen Tiguan möglicherweise auch in dem künftigen Werk in Russland zu bauen, laut Betriebsrat für Unruhe in der Belegschaft der VW-Tochter Auto 5000. Bisher ist die Auto 5000 in Wolfsburg als einziger Standort für die Tiguan-Fertigung vorgesehen. Auto 5000-Betriebsratschef Andreas Heim sagte, Voraussetzung für Russland als weiteren Tiguan-Standort sei eine Vollauslastung bei der Auto 5000. Dort wird bisher der Mini-Van Touran gefertigt. Ein VW-Sprecher sagte: "Im Sinne gebotener Flexibilität prüfen wir grundsätzlich, die Fahrzeugfertigung eines Modells auf mehrere Standorte zu verteilen."

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