Autobranche : Vollbremsung

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie sagt einen noch nie da gewesenen Absatzeinbruch für 2009 voraus. Da die Krise nahezu alle wichtigen internationalen Märkte erfasst hat, läuft auch der Export nicht mehr.

H. Mortsiefer,R. Obertreis
VW_Lager Foto: AFP
Volle Lager, keine Käufer: Deutschlands Autobauer befinden sich in der Krise. -Foto: AFP

Berlin/Frankfurt am Main - Die Absatzkrise in der Automobilindustrie verschärft sich und bedroht Tausende von Arbeitsplätzen. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) korrigierte am Mittwoch seine Absatzerwartung für 2008 erneut nach unten und warnte zugleich vor einem massiven Einbruch im kommenden Jahr. Auch der Absatz von Nutzfahrzeugen – ein verlässlicher Konjunkturindikator – werde deutlich sinken. Nach knapp 3,1 Millionen Pkw in 2008 sollen 2009 rund 2,9 Millionen in Deutschland neu zugelassen werden.

„Die Krise beschränkt sich nicht auf ein Land, sondern hat alle wichtigen Märkte weltweit erfasst“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann in Frankfurt am Main. In Deutschland verschlechtere sich die Auftragslage der Hersteller massiv. Allein im November sank die Zahl der Inlandsorders im Vergleich zum Vormonat um 28 Prozent. „Seit Juli sind die Bestellungen Monat für Monat rückläufig“, sagte der VDA-Präsident.

Die Hersteller passten wegen des „dramatischen Nachfragerückgangs“ ihre Produktionskapazitäten an, dies werde sich auch auf die Beschäftigung auswirken, sagte Wissmann. Im September waren in der deutschen Branche 761 600 Mitarbeiter beschäftigt – Tendenz fallend. Seit September kappten die Hersteller 1850 Arbeitsplätze und schickten knapp 10 000 Zeitarbeiter nach Hause. Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hängt von der Autoindustrie ab. Alle größeren Autobauer hierzulande haben längere Produktionspausen über Weihnachten angekündigt, um nicht auf Halde zu produzieren. Stellenstreichungen werden bisher durch den Abbau von Überstunden und die Nutzung von Arbeitszeitkonten vermieden.

Besonders hart trifft die exportstarke deutsche Autoindustrie, die 75 Prozent ihrer Jahresproduktion ins Ausland verkauft, die Absatzkrise auf dem Weltmarkt. Auf dem US-Markt setzten deutsche Hersteller deutlich weniger ab. Die Verkäufe aller US-Hersteller gingen im November den 13. Monat in Folge zurück. Selbst nach China und Russland verkauften die Deutschen im Oktober zehn beziehungsweise 20 Prozent weniger Autos. 2009 sollen der Export und die Produktion nach VDA-Schätzung zweistellig sinken. 2008 schrumpft die Pkw-Produktion von 5,7 auf 5,5 Millionen.

Experten wie Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen warnen vor gravierenden Folgen. Viele Lieferanten der Autokonzerne hätten ihr Wachstum in den vergangenen Jahren aus dem laufenden Geschäft finanziert, aber ihr Eigenkapital nicht aufgestockt. Deshalb seien die Banken nun wohl nicht bereit, „Kredite zur Verlustfinanzierung“ bereitzustellen. Dudenhöffer plädiert deshalb wie andere Autoexperten für staatliche Hilfen: Nehme man die 320 000 Beschäftigten der Zulieferindustrie mit einem Umsatz von 75 Milliarden Euro als Maßstab, sei ein Kredithilfe-Fonds in Höhe von fünf Milliarden Euro für die kommenden zwei bis drei Jahre notwendig.

Auch VDA-Präsident Wissmann forderte Banken und Warenkreditversicherer erneut auf, Autozulieferfirmen nicht hängen zu lassen. Es könne nicht sein, dass gesunde Unternehmen mit hoch spezialisierten Produkten in existenzielle Not gerieten, weil die Banken die Kreditbedingungen verschärften.

Dudenhöffer sagt für 2009 ein „Jahr der Importeure“ voraus. So erwartet der Experte bei Alfa Romeo (plus 37 Prozent), Toyota (plus neun Prozent) und Dacia (plus vier Prozent) kräftige Zuwächse bei den Verkäufen. Fiat, Peugeot (jeweils minus 20) und Mazda (minus 19 Prozent) müssten sich dagegen auf ein schwaches Jahr einstellen. Deutschen Herstellern stehe ausnahmslos ein Minusjahr bevor, wobei Opel etwa 14 Prozent bei Neuzulassungen verlieren dürfte.

Langfristig ist Dudenhöffer für die weltweite Autobranche allerdings zuversichtlich. Ab Mitte 2010 werde sich die Lage beruhigen. Für die deutschen Hersteller ist auch VDA-Wissmann zuversichtlich. Sie würden gestärkt aus der Krise hervorgehen.

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