Autobranche : Vollgas nach China

Deutsche Autos von VW, Audi, BMW und Mercedes sind in der Volksrepublik gefragt wie nie.

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Berlin - Die deutsche Autoindustrie steuert auf ein Rekordjahr zu – in China. Am Dienstag gab der Volkswagen-Konzern in Peking bekannt, von Januar bis September habe Europas größter Autobauer die Auslieferungen um 39 Prozent auf knapp 1,5 Millionen Fahrzeuge steigern können. Damit verkauften die Wolfsburger in den ersten neun Monaten des Jahres bereits mehr als im gesamten Vorjahr, als VW 1,4 (2008: 1,03) Millionen Autos auf Chinas Straßen brachte. Zum Vergleich: In Deutschland verkaufte der Konzern mit seinen Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley und Lamborghini 2009 insgesamt gut 1,2 Millionen Autos. Im kommenden Jahr will VW in der Volksrepublik zwei Millionen Fahrzeuge verkaufen und stockt derzeit seine Kapazitäten vor Ort mit Milliardeninvestitionen auf. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn setzt vor allem auf Wachstum in Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien, um den japanischen Weltmarktführer Toyota bis 2018 von der Spitze zu verdrängen. In den ersten neun Monaten verkaufte VW laut Winterkorn erstmals deutlich mehr als fünf Millionen Autos und profitierte dabei vor allem von Zuwächsen in China und den USA. Im Gesamtjahr 2009 waren es 6,3 Millionen Autos gewesen. Die genauen Zahlen für das laufende Jahr hat der Konzern bisher noch nicht veröffentlicht.

Auch bei Oberklasseautobauern wie Daimler, BMW und Audi lässt die hohe Nachfrage aus China die Kassen klingeln. Der Marktanteil deutscher Hersteller in China liegt nach Angaben des Verbands der Autoindustrie (VDA) bei nahezu 18 Prozent. Für die VW-Tochter Audi, den führenden deutschen Anbieter von Oberklassewagen im Reich der Mitte, soll China spätestens 2011 wichtigster Absatzmarkt werden. 2012 will das Unternehmen dort dann mindestens 300 000 Autos absetzen. In Deutschland verkauft Audi derzeit rund 240 000 Fahrzeuge pro Jahr. BMW verbucht die größten Zuwachsraten ebenfalls in China, dem drittgrößten Absatzmarkt des Herstellers nach den USA und Deutschland. Im September lag das Verkaufsplus bei 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit Jahresbeginn verdoppelten sich die Verkaufszahlen des Autobauers in China auf gut 120 000 Fahrzeuge. Daimler verkauft seine Luxusmarke Mercedes-Benz besonders gut an Gutverdiener und Wohlhabende in China. Im Sommer startete die Produktion der Langversion der E-Klasse in Peking. „Wir werden im Jahr 2015 rund 1,5 Millionen Autos verkaufen“, sagte Daimler-Vertriebschef Joachim Schmidt jetzt der Zeitschrift „Autogazette“. Schmidt geht davon aus, dass sich dann Deutschland, China und USA in etwa die Waage halten werden. Im laufenden Jahr will Mercedes in China mehr als 120 000 Autos absetzen. Derzeit bauen die Stuttgarter rund 30 Prozent der auf dem chinesischen Markt verkauften Autos vor Ort. Der Anteil soll mittelfristig auf 50 Prozent steigen – auch weil Importfahrzeuge mit extrem hohen Zöllen belastet werden.

Deutsche Hersteller exportierten im vergangenen Jahr laut VDA insgesamt rund 300 000 Fahrzeuge nach China, inklusive jener Autos, die, in sogenannte CKD-Teilesätze zerlegt, ausgeführt und dann erst in China zu fertigen Autos montiert werden. Ohne die lebhafte Nachfrage nach deutschen Autos sähe die Bilanz der heimischen Hersteller nach dem Auslaufen der Abwrackprämie 2010 mager aus. Die Neuanmeldungen in Deutschland sind seit Monaten rückläufig.

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