Autobranche : Zurück in die Zukunft

Opel Manta oder ein elektrischer Trabi - Retro-Ideen beflügeln die Autobranche. Doch nicht jeder ist begeistert.

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Sportlicher Familienfreund. Der Manta A (1972–1975) versprach deutschen Autofahrern noch Freiheit und Fahrspaß. Am Ende litt die Marke unter ihrem Proleten-Image. Foto: p-a/gms Foto: picture-alliance / gms
Sportlicher Familienfreund. Der Manta A (1972–1975) versprach deutschen Autofahrern noch Freiheit und Fahrspaß. Am Ende litt die...Foto: picture-alliance / gms

Berlin - Kennen Sie den? „Warum werden Mantas nur noch 80 Zentimeter breit gebaut? Damit der Fahrer seinen Arm auch aus dem rechten Fenster halten kann.“ Keine Frage, Manta-Witze sind so angestaubt wie Fuchsschwänze an der Antenne. Aber gelacht wird immer noch. Auch 22 Jahre, nachdem die Produktion des Opel-Coupés beendet wurde, das sich mehr als eine Million Mal verkaufte.

In der Rüsselsheimer Zentrale des Autobauers ist man sich allerdings nicht so sicher, wie laut man lachen soll über eine Idee des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden. Klaus Franz schlägt nämlich vor, den Manta neu aufzulegen. In edlerer Gestalt, mit moderner Technik. „Wir müssen das Image von Opel wieder aufbauen“, begründet Franz das Vorhaben, das man offiziell nicht kommentiert. „Zu spekulativ“, heißt es nur. Zu versponnen?

Wettbewerber zeigen, dass man Auto- Ikonen reanimieren kann. Der Mini von BMW, der Fiat 500, der VW New Beetle – moderne Autos im Retro-Design finden Käufer. Vor allem sind sie gut fürs Image. Im Fall von BMW und Fiat hat der Erfolg der renovierten Klassiker – im Fahrzeugdesign spricht man von „New Classic“ – auf die gesamte Modellpalette abgefärbt. 550 000 Fiat 500 hat der italienische Autokonzern seit 2007 weltweit verkauft, rund 53 000 davon in Deutschland. BMW setzte bis heute 1,7 Millionen Minis weltweit ab, in Deutschland wurden knapp 249 000 des 2001 eingeführten Modells verkauft.

„Wenn die Wiederbelebung professionell umgesetzt wird und das Marketing intelligent ist, zahlen sich Retro-Autos aus“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive in Bergisch-Gladbach. „Dann wird richtig Geld damit verdient.“ Behutsam sollten aber nur „feine, wiedererkennbare Bestandteile“ des klassischen Designs „in die neue Zeit“ transformiert werden. Bratzel spricht von „Marken-Heritage“, vom Erbgut einer Automarke. Das kann auch beschädigt werden. Der PT Cruiser von Chrysler zum Beispiel wurde eingestellt, weil das Auto technisch nicht hielt, was es optisch versprach. Auch Opel griff schon daneben: ein Remake des legendären Opel GT sollte als Roadster an glorreiche Zeiten („Nur Fliegen ist schöner“) erinnern. Mangels Nachfrage wurde die Produktion 2009 beendet.

Das Manta-Projekt halten Experten ebenfalls für gewagt, obwohl Opel dringend jüngere Kunden braucht. Aktuell sind Fahrer der Marke im Schnitt 53 Jahre alt. Ein Manta, so die Vision von Klaus Franz, wäre für Opel eine Frischzellenkur. Aber für die 25- bis 30-Jährigen seien die 80er Jahre schon lange Vergangenheit, sagt der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli. „Der Manta ist für sie weit weg.“ Auch die Konkurrenz im sportlich-kompakten Mittelklasse-Segment sei zu groß: Audi TT, VW Scirocco, BMW Z4 oder Renault Laguna seien schon dort, wo der Manta erst hin wolle. Der Designer warnt: „Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein Autohersteller zu sehr mit seiner Historie beschäftigt.“

Elektro-Trabi. Auf der Internationalen Autoausstellung 2009 stellte der sächsische Hersteller Indikar die Studie des DDR-Kultautos vor. 2011 soll es eine Vorserie geben. Foto: p-a/dpa Foto: picture-alliance/ dpa
Elektro-Trabi. Auf der Internationalen Autoausstellung 2009 stellte der sächsische Hersteller Indikar die Studie des DDR-Kultautos...Foto: picture-alliance/ dpa

Es sei denn, es bleibt nichts anderes als die Geschichte – wie beim Trabi zum Beispiel. Mit der DDR ging auch der Autohersteller unter. Trotzdem lebt die Erinnerung an die „Rennpappe“ aus dem Osten weiter. Der sächsische Karosseriebauer Indikar versucht deshalb, den Trabant wieder ans Laufen zu bringen – elektrisch (www.trabant-nt.de). Auf der IAA präsentierte Indikar 2009 das batteriebetriebene Konzeptfahrzeug Trabant „new Trabi“ nT. Die Idee stammt vom Miniaturmodellhersteller Herpa, der hunderttausende Mini-Trabis verkauft hat und zum 50. Geburtstag das Projekt Trabant nT aus der Taufe hob. Nun soll ein echtes Auto entstehen. „2011 gehen wir in die Produktion einer Vorserie“, sagt Indikar- Geschäftsführer Ronald Gerschewski. Das Interesse von möglichen Investoren sei nach dem Abklingen der Wirtschaftskrise „so groß wie nie“. Geldgeber, Energieversorger und -dienstleister oder Autozulieferer prüften eine Zusammenarbeit.

Für Entwicklung und Produktionsvorbereitung kalkuliert Gerschewski rund 50 Millionen Euro, die zusammen mit Komponentenherstellern und einer Reihe von Sponsoren finanziert werden. Den auf der IAA angekündigten Serienstart im Jahr 2012 musste Indikar wegen der Krise verschieben. Aber Gerschewski glaubt an das elektrische Retro- Auto: „Der Trabi nT ist einfach, nicht zu groß, er hat einen hohen Wiedererkennungswert und er ist sympathisch.“

Opel-Aufsichtsrat Armin Schild traut auch dem Manta hohe Sympathiewerte zu. „Da würden sich die Marketingleute sicher etwas einfallen lassen“, sagt der Frankfurter IG Metall-Chef. Das Erfolgsmodell wiederzubeleben hält er für „vielversprechend“. Schließlich habe sich General Motors verpflichtet, mit Opel neue Märkte und Nischen zu erobern. „Ein Manta würde das praktisch und plastisch machen“, sagt Schild. „Selbst wenn man nur 25 000 Stück im Jahr verkauft, könnte sich das betriebswirtschaftlich rechnen.“ Der Opel-Aufsichtsrat kann sich vorstellen, den Manta auf der Insignia-Plattform zu entwickeln, und „zum Beispiel an zwei Tagen in der Woche“ auf einem parallelen Fertigungsband in kleiner Stückzahl zu produzieren. Viel wichtiger als ein hoher Deckungsbeitrag sei freilich das neue Image, das Opel aufbauen könne – Fuchsschwanz hin oder her.

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