Autobranche : Zwei gegen einen

Ferdinand Piëch und Jürgen Peters arbeiten nach Kräften am Sturz von Porsche-Chef Wiedeking.

Alfons Frese
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Die zwei Verbündeten: Ferdinand Piëch (links im Bild) und der frühere Chef der IG Metall, Jürgen Peters, verstehen sich gut. Beide...

Berlin - Für Jürgen Peters ist dieser Moment fast so schön wie die Wahl zum Chef der IG Metall. Es ist der 12. September 2008, und Peters, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von VW, leitet in Wolfsburg die Sitzung des Gremiums. Er vertritt den Vorsitzenden Ferdinand Piëch, der überraschend nicht auftaucht. Doch nicht nur das. Peters hat ein Schreiben von Piëch bekommen, in dem der sein Abstimmungsverhalten in einer wichtigen Angelegenheit mitteilt. Und die lautet: Bekommt Porsche größeren Einfluss auch auf die VW-Tochter Audi oder nicht? Die Kapitalseite im VW-Aufsichtsrat, darunter Piëchs Vetter Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking befürworten das, die Arbeitnehmer nicht.

Peters öffnet das Kuvert, liest und legt das Schreiben vor sich auf den Tisch. Es wird unruhig. „Jetzt sagen Sie doch“, ruft Wiedeking. „Mal Ruhe“, sagt Peters, sichtlich vergnügt. Er nimmt nochmal das Schreiben Piëchs, liest, legt es wieder ab. Dann endlich informiert er die Aufsichtsräte: Piëch hat sich enthalten. Damit gewinnt die Arbeitnehmerbank die Abstimmung. Wulff ist verwirrt. Wiedeking tobt, so könne man doch nicht abstimmen.“ Peters gibt den Vorsitzenden. „Herr Wiedeking, ich bitte Sie, doch die Form zu wahren.“

Peters hatte noch einen gut bei Wiedeking. Nachdem Porsche im Herbst 2005 mit dem Kauf von VW-Aktien begonnen hatte, zog Wiedeking Anfang 2006 als Vertreter des neuen Aktionärs in den Aufsichtsrat. Und, typisch Wiedeking, machte gleich auf dicke Hose, erteilte Ratschläge und erklärte VW mehr oder weniger zum Sanierungskandidaten. Den stellvertretenden Aufsichtratschef Peters brüskierte er mit der Ansage, dass er ihn als Auslaufmodell betrachte und die wirklich wichtigen Dinge mit seinem Nachfolger an der IG-Metall-Spitze, Berthold Huber, zu besprechen gedenke.

Traditionsgemäß sitzt der erste Vorsitzende der IG Metall im VW-Aufsichtsrat. Im Herbst 2007 löste Huber Peters an der Gewerkschaftsspitze ab – aber nicht bei VW. Peters hat da noch etwas zu erledigen. Und so mischt er bis heute kräftig mit, Seite an Seite mit dem Milliardär Ferdinand Piëch. Das Ziel der beiden: Wiedeking abschießen. Wenn das geklappt hat, will Peters den Platz für Huber räumen. Nach Tagesspiegel-Informationen ist der Wechsel nun für November geplant.

Ob Wiedeking so lange durchhält? Er hat sich verhoben bei der Übernahme von VW und bekommt nun von allen Seiten Druck und Häme. Kein Wunder, nachdem er sich selbst über viele Jahre als einen der besten Manager überhaupt in Pose gebracht hatte. Der Porsche-Chef, der das Unternehmen in den 90er Jahren erfolgreich sanierte und in den vergangenen Jahren auf Grund einer Gewinnbeteiligung satte zweistellige Millionenbeträge an Jahreseinkommen kassierte, braucht Geld. Deshalb bemüht er sich seit Wochen um einen Kredit über 1,75 Milliarden Euro von der bundeseigenen KfW und verhandelt mit dem Emirat Katar über eine Kapitalbeteiligung von bis zu 29,9 Prozent an Porsche. Gelingt beides, hat Wiedeking Zeit gewonnen und vielleicht sogar seinen Hals gerettet.

Viele Mitspieler hat der Porsche-Chef nicht, Gegner dagegen reichlich. Beim KfW-Kredit zum Beispiel. Rein sachlich gesehen, könnte die Förderbank den Kredit zu marktüblichen Konditionen gewähren; das Risiko ist gering, denn Porsche hat zwar neun Milliarden Euro Schulden, besitzt aber 51 Prozent an VW, und die sind an der Börse derzeit rund 20 Milliarden Euro wert. Doch über den Kredit wird eben nicht sachlich, sondern politisch entschieden.

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Wulff (CDU) ist gegen den Kredit, weil er gegen alles ist, was gut ist für Porsche. Denn Wulff vertritt VW-Interessen und möchte Porsche als zehnte Marke im VW-Konzern integrieren. Idealerweise mit dem Konzernsitz in Wolfsburg oder Hannover. Günther Oettinger (CDU) ist Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Porsche ist ansässig in Stuttgart-Zuffenhausen. Oettinger legt sich energisch für den KfW-Kredit ins Zeug. In der kommenden Woche gibt es weitere Verhandlungen über die 1,75 Milliarden Euro, doch die Aussichten für Wiedeking, der sich jahrelang damit brüstete, keine Staatsknete zu brauchen, sind schlecht. „Wir lassen Arcandor absaufen und helfen einem Luxusautohersteller?“, sagen viele.

Bleibt Katar. Wiedeking verhandelt mit den Scheichs angeblich über zwei Varianten: Entweder steigen die Katarer direkt bei Porsche ein, im Gespräch ist ein Anteil zwischen 25 und 29,9 Prozent, und zahlen dafür rund zwei Milliarden Euro. Oder aber sie kaufen Porsche die Optionen für weitere VW-Anteile ab. Die machen knapp 24 Prozent an VW aus und kosten nach derzeitigen Aktienkurs rund neun Milliarden Euro. Wulff traf sich vor einer Woche mit den Katarern und präferiert offen eine Beteiligung an VW. Dann hätten die Wolfsburger neben Porsche und Niedersachsen einen dritten Großaktionär. Wiedeking nutzt diese Variante wenig. Er ist zwar die Optionen los, hat aber kein frisches Kapital, um aus der Schuldenfalle zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass Jürgen Peters sein Aufsichtsratsmandat im Herbst an Berthold Huber abgibt.

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