Wirtschaft : Autofahrer steigen um

Teurer Sprit macht öffentlichen Verkehr und Mitfahrzentralen attraktiver

Daniel Mohr

Berlin - Wegen der hohen Spritpreise fahren die Deutschen weniger Auto. Im September sank der Absatz von Ottokraftstoff um zehn Prozent, bei Diesel betrug das Minus drei Prozent. „Wir rechnen auch weiter mit Rückgängen“, sagt Roland Lorenz vom Mineralölwirtschaftsverband. Insgesamt ging der Benzinabsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um sechs Prozent und bei Diesel um ein Prozent zurück. Das zeigt sich auch beim Mineralölsteueraufkommen: Es ist im Jahresverlauf überraschend deutlich um 4,3 Prozent gesunken. „Viele Autofahrten werden ersatzlos gestrichen“, sagt Daniel Kluge vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Nachdem die Spritpreise im Sommer sprunghaft gestiegen sind, bieten sich die öffentlichen Verkehrsmittel als Alternative an. „Eineinhalb Tankfüllungen sind teurer als eine Monatskarte“, sagt Petra Reetz von der Berliner Verkehrsgesellschaft. „Wir haben im August drei Prozent mehr Einzelfahrscheine verkauft – und das, obwohl wir die Preise gerade erhöht hatten.“ Im September betrug das Plus noch zwei Prozent. Wie sich der Verkauf von Monatskarten entwickelt hat, gibt die BVG erst zum Jahresende bekannt. „Wir vermuten, dass auch dort ein Anstieg zu verzeichnen ist.“ Auch bei der Bahn ist ein Anstieg der Fahrgastzahlen zu verzeichnen. Die Auslastung der Züge ist in diesem Jahr gestiegen (siehe oben).

Noch stärker ist der Trend zum Spritsparen bei Mitfahrzentralen erkennbar. Die Zahl der Menschen, die andere mitnehmen oder von anderen mitgenommen werden wollen, steigt rasant. „Wachstumsraten von 100 Prozent sind eher die Regel als die Ausnahme“, sagt Georg Döller von Mitfahrgelegenheit.de. „Meist haben wir junge Kunden. Die sind kontaktfreudig und haben wenig Geld.“ Im Internet können sich Leute, die Mitfahrgelegenheiten suchen oder anbieten, registrieren lassen. Die Plattform führt Angebot und Nachfrage zusammen. Dabei gewinnen beide Seiten: Der Fahrer erhält eine Benzinbeteiligung von den Mitfahrern und die Mitfahrer gelangen günstig zu ihrem Ziel.

„Bei uns kommen täglich etwa 10000 Fahrten zustande“, erklärt Coskun Tuna, Geschäftsführer von Mitfahrzentrale.de. „Bei einer durchschnittlichen Streckenlänge von 350 Kilometern und zwei Mitfahrern werden so täglich 10,5 Millionen Personenkilometer zurückgelegt.“ Die August-Zahlen lagen um 58 Prozent über dem Vorjahr. 600000 Menschen sind bei Mitfahrzentrale.de registriert. „Man wäre dusselig, wenn man nichts anbieten oder nachfragen würde“, sagt Hans Ludwig Klaus, Betreiber der Citynetz-Mitfahrzentrale Berlin und Vorsitzender des Verbandes der Mitfahrzentralen in Deutschland und Europa. „Man lernt Leute kennen und spart richtig Geld.“

Für den Tagespendler auf der Kurzstrecke (bis 50 Kilometer) gibt es solche Angebote bisher kaum. Pendlernetz.de versucht hier, ein flächendeckendes Angebot aufzubauen. „60 Prozent aller Berufspendler sind bereit, eine Fahrgemeinschaft einzugehen, aber nur vier Prozent tun dies bislang“, sagt Hans-Eckhard Niermann, Produktberater für Pendlernetz.de. Diese Diskrepanz soll verringert werden. Seit 2002 besteht das Angebot in Teilen von Nordrhein-Westfalen und in Stuttgart, seit 2004 auch in Frankfurt am Main. Die Verhandlungen mit Berlin laufen. 18000 Euro würde die Stadt das Internet-Angebot kosten. Für Brandenburg wären es 23100 Euro. An diesem Donnerstag soll das neue Angebot an die Stadt übergeben werden. „Ich bin optimistisch, dass wir zu einer Einigung kommen“, sagt Niermann.

Mit oder ohne Fahrgemeinschaft: Autofahrer können allein durch ihre Fahrweise einiges an Benzin sparen. „Wer sich an die Grundregeln ökonomischen Fahrens hält, kann bis zu 30 Prozent sparen“, sagt Daniel Kluge vom VCD. Niedrigtourig und vorausschauend fahren, hoher Reifendruck und angepasste Geschwindigkeit: So lauten die Tipps des Experten. Der Haupt-Spritfresser ist die Kurzstrecke. Auf den ersten zwei Fahrtkilometern ist der Verbrauch mehr als doppelt so hoch wie sonst, da der Motor noch nicht richtig heiß ist. „Von den Kurzstrecken kann man viele auch anders erledigen“, sagt Kluge.

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