Wirtschaft : Autohersteller jagen Produktpiraten

DÜSSELDORF (wt/HB)."Manager, Markenschutz" steht schlicht auf seiner Visitenkarte.Der freundliche Mann im korrekten Nadelstreifenanzug arbeitet unauffällig in einem kleinen Büro beim Ford-Kundendienst Europa in Köln: Steffen Dörner jagt Produktpiraten."Ich will unsere Kunden vor gefälschten Ersatzteilen schützen, weil sie sehr gefährlich sein können", lautet die offizielle Formulierung seines Auftrages.Beispiele gibt es genug.Er erzählt von Lenkgestängen, die brechen, von Spoilern, die bei einem Aufprall zu tödlichen Geschossen werden, und von Fußmatten, die unters Bremspedal rutschen und es blockieren.

Doch nicht nur die Sicherheit der Autokundschaft, Probleme mit der Produkthaftung und dem Markenimage lassen Dörner und seine Eingreiftruppe international nach gefälschten oder ohne Lizenz produzierten Ersatzteilen fahnden.Die Fälschungen verursachen einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden, nicht nur bei Ford.Experten schätzen, daß die Piraterie im Handel mit Autoteilen inzwischen weltweit ein Volumen von mindestens drei Mrd.Dollar erreicht.Ein Ende des Booms für diese Ware ist nicht abzusehen.

Im Gegenteil.Der Zusammenbruch der politischen Systeme in Mittel- und Osteuropa, die Rezession in Teilen der Welt und immer raffiniertere Methoden der organisierten Kriminalität lassen das Geschäft mit Plagiaten blühen.Klaus Hoffmeister, Leiter der Zentralstelle gewerblicher Rechtsschutz der Oberfinanzdirektion München koordiniert die Beschlagnahmung von Waren an allen deutschen Grenzen - mit wachsendem Erfolg: Waren im Wert von 9,3 Mill.DM wurden 1997 konfisziert, Tendenz steigend.

Das Problem: Original und Fälschung lassen sich immer schwerer voneinander unterscheiden."In den letzten Jahren ist die Qualität der Kopien deutlich gestiegen, so daß selbst einem Fachmann die Unterscheidung schwerfällt", weiß Manfred Lotze vom Detektiv-Institut Kocks aus verdeckten Ermittlungen für Reifen- und Bremsbelaghersteller.So gelangen Plagiate nicht nur auf Trödelmärkte, sondern auch in den Fachhandel und in Rennställe.Formel-1-Pilot Mika Häkkinen mußte sich im vergangenen Frühjahr beim "Großen Preis von San Marino" frühzeitig verabschieden, weil ein gefälschtes Kugellager das Getriebe zerstörte.

Die steigende Zahl an Fälschungen zwingt Autokonzerne und Zulieferindustrie, gezielter als bisher dagegen vorzugehen.Ab sofort wird Dörners Markenschutzteam verstärkt.Mehr noch: Die "Marktbeobachter", wie sie offiziell bei Ford heißen, dürfen sich jetzt auf dem gesamten Weltmarkt tummeln.Dörner: "Wir werden insbesondere China, Indien und Rußland genauer unter die Lupe nehmen."Auch die Konkurrenten wollen ihren Kampf gegen die Fälscher verstärken."In unserem Hause gibt es zur Zeit zahlreiche Gespräche und Überlegungen, um das wachsende Problem der Plagiate auf der Hersteller- und Vertriebsseite noch effektiver zu kontrollieren", erklärt Wolfgang Herb, bei DaimlerChrysler für Produktpiraterie zuständig.Bei Opel koordiniert ein Manager, der inkognito bleiben will, den Kampf gegen das illegale Ersatzteilgeschäft in Europa, das beim Autohersteller jährlich für einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe sorgt.

Doch selbst die Autoriesen sind zu klein, um es allein mit international operierenden Fälscherbanden aufzunehmen.Kooperation ist angesagt: mit Polizei, Zoll und Konkurrenten.Autohersteller und Zulieferer versuchen, ihre Arbeit im Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie e.V.(APM) zu koordinieren.

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