Wirtschaft : Autohersteller legen sich mit Quelle und Co. an

BMW und VW prüfen Klagen gegen Fahrzeughandel im Internet

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Berlin (msh). Die Verkäufer von Autos über das Internet wie Quelle oder Schlecker müssen sich auf eine Welle von Klagen einstellen. Sowohl BMW als auch Volkswagen prüfen rechtliche Schritte gegen Händler, die von Oktober an Neuwagen dieser Hersteller verkaufen wollen. Gegen das Angebot von Quelle haben bereits die DaimlerTochter Smart und die Verbraucherverbände geklagt. Während die Verbraucherschützer und Smart irreführende Lockangebote hinter den Internetangeboten des Versandhändlers Quelle vermuten, sehen BMW und Volkswagen Verstöße gegen die neuen Verträge mit ihren Händlern.

Hintergrund des Streits sind die von Oktober an in Deutschland geltenden neuen Regeln für den Autoverkauf. Mit der Änderung der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) wird die enge Reglementierung des Autohandels aufgebrochen. Autohändler dürfen künftig Automodelle mehrerer Hersteller verkaufen und die Produzenten den Händlern keine Verkaufsgebiete mehr zuteilen. Damit sollen regionale Monopole verhindert werden. Die neuen Verträge zwischen Autoherstellern und Händlern werden in diesen Wochen unterzeichnet. Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Verträge: Die Autohändler dürfen die Wagen nicht an andere Händler weiterverkaufen.

Dieser „selektive Vertrieb“ ist auch nach neuem Recht erlaubt. Er erschwert es den Internethändlern, die nicht bei den Herstellern gelistet sind, Zugang zu Neuwagen zu bekommen. „Sollten Wiederverkäufer unsere Neuwagen auf den Markt bringen, werden wir rechtliche Schritte dagegen einleiten“, sagte BMW-Sprecher Michael Rebstock dem Tagesspiegel. Das betreffe sowohl autorisierte BMW-Händler, die gegen ihre neuen Verträge verstoßen, als auch die Internetanbieter selbst. Auch VW führt derzeit eine „rechtliche Bewertung“ der Internetangebote von Quelle, Schlecker und anderen durch. „Diese Firmen zählen nicht zu den Vertragshändlern, die wir lizensiert haben“, sagte ein VW-Sprecher. Quelle hatte angekündigt, den neuen Golf V um zehn Prozent unter dem Listenpreis anzubieten. VW hat bereits klar gestellt, keine neuen Golf-Modelle an Quelle zu liefern. Der Händlerverband von Volkswagen nannte das Angebot daher unseriös.

Unseriöse Preisvergleiche

Bereits geklagt gegen den Autohandel per Internet von Quelle haben der Autohersteller Smart und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) in Berlin. Quelle locke die Käufer mit verwirrender Werbung und verstoße damit gegen das Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb (UWG). So werbe Quelle mit Rabatten von bis zu 22 Prozent, vergleiche dabei aber die Preise von Autos mit Tageszulassung mit den normalen Listenpreisen. Quelle weist die Vorwürfe zurück. „Das ist in der Autobranche gängige Praxis“, sagte Quelle-Sprecher Erich Jeske dem Tagesspiegel. Er sehe keine Veranlassung, die entsprechenden Webseiten zu ändern. Auch in der Frage des Internetverkaufs des neuen VW-Golf sieht sich Jeske rechtlich auf der sicheren Seite. Den Klagen der Hersteller sehe er gelassen entgegen.

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