Wirtschaft : Autohersteller rüsten nach

VW und Mercedes bieten ab Herbst Rußpartikelfilter für ältere Fahrzeuge an

Martin Benninghoff

Berlin - Volkswagen, Audi, Mercedes und der zum Volkswagen-Konzern gehörende tschechische Hersteller Skoda werden ab diesem Herbst Rußpartikelfilter für ältere Dieselfahrzeuge zum Nachrüsten anbieten. Das kündigten die Autohersteller am Freitag an. Damit reagieren die Konzerne auf die zum Teil heftig geführte Debatte um die Feinstaubbelastungen durch Dieselfahrzeuge. VW wies jedoch am Freitag den Vorwurf zurück, die Autoindustrie trage die Hauptschuld an der hohen Luftbelastung mit Feinstaub in Großstädten. Dieselautos seien zu weniger als zehn Prozent für den Feinstaub verantwortlich, sagte VW-Vertriebsvorstand Georg Flandorfer am Rande der Leipziger Automesse.

Rußpartikelfilter gelten als wirkungsvollste Methode, den schädlichen Ruß aus Dieselabgasen zu entfernen. Die Bundesregierung plant, Dieselautos mit Filter steuerlich zu begünstigen. Das entsprechende Gesetz ist aber noch nicht verabschiedet.

Wie teuer die Filter zum Nachrüsten werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Allerdings sei zu erwarten, dass der Preis in etwa dem eines Filters für Neufahrzeuge entsprechen wird, sagte ein VW-Sprecher. Kunden, die diesen optional beim Neukauf eines Dieselautos ordern, zahlen derzeit 565 Euro.

Für die wenigen Hersteller der Partikelfilter in Deutschland verheißen die Ankündigungen der Autokonzerne glänzende Geschäfte. „Das ist unsere Zukunft“, sagte Christian Renfordt, Verkaufsleiter beim sauerländischen Unternehmen HJS dem Tagesspiegel. „Wir erwarten, dass auf Dauer in jedes Dieselfahrzeug auch ein Filter gehört.“ Nach Angaben eines VW-Sprechers beliefert HJS ab Herbst auch den Wolfsburger Konzern. Sorge bereitet HJS allerdings die Dauer des von der Bundesregierung vorgeschlagenen Zeitraumes zur steuerlichen Förderung der Nachrüstung. „Zwei Jahre, wie von der Regierung vorgesehen, sind definitiv zu wenig, um acht Millionen Dieselautos auszurüsten“, sagte Renfordt. Kurzfristig könne man immerhin „mehrere Zehntausend Filter auf den Markt bringen“. Der Vergleich mit der Einführung des Katalysators liege nahe. HJS rüste bis heute noch Autos mit geregelten Katalysatoren nach. In der zweiten Jahreshälfte will das Unternehmen seine Produktionskapazitäten für Rußfilter ausbauen und auch neue Mitarbeiter einstellen. Mit welchen Umsatzsteigerungen man rechne, dazu möchte sich das Unternehmen nicht äußern.

Auch ein weiterer Hersteller von Partikelfiltern, Twin-Tec aus Königswinter bei Bonn, rechnet mit einem guten Geschäft. „Es sieht so aus, als ob viele Kunden den Kauf eines Dieselautos erst einmal aufschieben, weil keiner so recht weiß, was mit der Förderung wird“, sagte Sprecher Rainer Werthmann. Ob sich die Diskussion schon auf die Verkaufszahlen von gebrauchten Dieselautos ohne Filter auswirkt, lässt sich nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Automobil Treuhand „zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen“.

Kritik an der nicht geregelten Förderung kommt auch vom Verband der Importeure von Kraftfahrzeugen. Die Bundesregierung müsse „klare Entscheidungen über Fördermaßnahmen für den Einbau von Partikelfiltern treffen“, forderte Verbandspräsident Volker Lange. Zudem lehnt er die Sperrung von Innenstädten für solche Fahrzeuge ab. Die Industrie dürfe nicht zum „Prügelknaben“ werden.

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