Autohersteller : Verkaufsgerüchte schrecken Opelaner auf

Neuer Aufruhr im Hause Opel: Nach Medienberichten erwägt der Mutterkonzern GM erneut einen Verkauf des traditionsreichen Autobauers. Opel und GM sprechen von Spekulationen, das Management beruhigt die Belegschaft.

Opel gehört zu GM - noch.
Opel gehört zu GM - noch.Foto: dpa

Mitten in seiner Sanierung droht dem verlustreichen Autobauer Opel nach übereinstimmenden Berichten von "Auto Bild" und "Spiegel" erneut ein Verkauf. Demnach ist die US-Konzernmutter General Motors (GM) unzufrieden mit der Entwicklung bei Opel und erwägt, sich von der deutschen Tochter zu trennen. 2009 hatte es ein monatelanges Ringen um einen möglichen Opel-Verkauf sowie um Milliarden-Staatshilfen gegeben. GM entschied sich dann aber doch dafür, Opel zu behalten und aus eigener Kraft zu sanieren.

Wie die "Auto Bild" in ihrer am Freitag erscheinenden Ausgabe schreibt, zweifelt General Motors aber an der Überlebensfähigkeit von Opel und prüft konkrete Pläne für eine Veräußerung. Das Blatt beruft sich auf nicht näher genannte Quellen in der Detroiter US-Konzernzentrale von GM. Auch der "Spiegel" hat Informationen, wonach GM nun abermals zu einen Opel-Verkauf bereit sein soll.
Demnach gelten VW und chinesische Autobauer als mögliche Käufer.

Für die Verkaufsüberlegungen gab es am Donnerstag weder eine Bestätigung noch ein klares Dementi. Es handele sich bei den Berichten um reine Spekulation, sagten übereinstimmend Sprecher von GM in Detroit und Opel in Rüsselsheim. Opel-Chef

Karl-Friedrich Stracke sprach in einer der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden E-Mail an die Opel-Belegschaft ebenfalls von "Gerüchten" und "Spekulation". Er appellierte an die Mitarbeiter, nicht nervös zu werden und weiter selbstbewusst zu bleiben. "Ich werde mich nicht von den Spekulationen in der Presse beeinflussen lassen; bitte tun Sie das auch nicht." Ein VW-Sprecher in Wolfsburg sagte, das Unternehmen werde die Berichte wie in solchen Fällen üblich nicht kommentieren. In Konzernkreisen hieß es, die Planspiele hätten auch Kopfschütteln ausgelöst. Die Bundesregierung, die beim vormals geplanten Opel-Verkauf eine entscheidende Rolle gespielt hatte, wollte sich nicht zu den Berichten äußern

Gesamtbetriebsratschef kritisiert GM-Zentrale

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz nannte die Berichte ebenfalls spekulativ, sagte aber zugleich: "Wenn man vor einem Jahr noch entschieden hat, Opel nicht zu verkaufen, dann vermisse ich jetzt ein eindeutiges Dementi bei solchen Spekulationen." Er kritisierte, dass die GM-Zentrale in Detroit die Berichte nicht klar zurückweise.

Als Hintergrund der Verkaufsüberlegungen nennen "Auto Bild" und "Spiegel" den wachsenden Ärger des GM-Managements über das Europa-Geschäft mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.
Trotz massiver Sanierungsanstrengungen fährt Opel weiter hohe Verluste ein. Zwar steigt der Absatz und das Minus wird kleiner, doch ist Europa die letzte GM-Region mit roten Zahlen.

Im ersten Quartal 2011 hatte GM mit dem Europageschäft um Opel und die kleinere britische Schwester Vauxhall operativ 390 Millionen Dollar (263 Mio Euro) verloren. Im vergangenen Jahr hatte Opel sogar 1,76 Milliarden Dollar Verlust eingefahren. Die Konzernmutter GM dagegen verdiente auch dank der milliardenschweren Hilfen der US-Regierung insgesamt so gut wie seit Jahren nicht mehr.
Der Chef des GM-Europageschäfts, Nick Reilly, hatte mehrfach verkündet, er wolle Opel in diesem Jahr operativ zurück an die Gewinnschwelle führen. Nach den Kosten für die laufende Restrukturierung wird aber noch einmal ein Minus von 500 Millionen Euro erwartet. Für 2012 hatte Reilly kräftige Gewinne in Aussicht gestellt.

2009 hatte es monatelang Wirbel um Opel gegeben, der Autobauer stand am Abgrund: Nach Absatzeinbrüchen und massiven Verlusten hatte Opel um Milliarden-Staatshilfen gerufen. Der selbst um seine Existenz kämpfende US-Autoriese GM wollte seine Tochter verkaufen - ein bereits eingefädelter Deal mit dem österreichischen Zulieferer Magna platzte aber auf der Zielgeraden. GM entschied sich am Ende dafür, Opel nicht zu verkaufen, sondern selbst zu sanieren. Später wurden auch sämtliche Anträge auf Staatshilfe zurückgezogen.

"Auto Bild" schreibt von zwei strategischen Überlegungen bei GM, welche die Abstoßung Opels nahe legen würden: Erstens glaube GM, den Markt der Klein- und Kompaktwagen mit koreanischen Schwestermodellen bestücken zu können. Zweitens könne die bisher von Opel belieferte Mittelklasse in Europa relativ zügig durch eigene Modelle der GM-Hausmarke Chevrolet ersetzen werden. Gegen einen Verkauf spräche jedoch das technologische Know-How, das Opel bei GM einbringt.

Auf drohenden Wissensverlust wies auch Opel-Gesamtbetriebsratschef Franz hin. Er sagte der dpa, ein möglicher Verkauf würde fatale Folgen nicht nur für Opel alleine haben. "Das wäre enorm negativ und imageschädigend für Opel, und ich würde darin auch große Probleme sehen für den Industriestandort Deutschland und Europa, weil dadurch natürlich modernste Zukunftstechnologie abfließen könnte." Ganz ähnlich äußerte sich der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel. Er bezeichnete einen Verkauf als "dummes Zeug". GM wäre sehr schlecht beraten, Opel abzugeben. "Ohne Opel hätten sie in Europa überhaupt keine Chance. Ich glaube, dass dort jemand den Namen Opel absichtlich beschädigen will." Opel baut in Deutschland neben dem Hauptstandort im hessischen Rüsselsheim Autos in Bochum und Eisenach. In Kaiserslautern werden zusätzlich Motoren und Teile gefertigt. Bei Opel arbeiten nach Unternehmensangaben europaweit rund 40.500 Menschen. (dpa)

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