Wirtschaft : Autohersteller wagen sich nach Rußland

DMITRI JDANNNIKOV (AFP)

Engagement von Fiat könnte eine Welle von Investitionen lostreten / Marktführer Lada gefährdetVON DMITRI JDANNNIKOV (AFP)

MOSKAU.Trotz der Unwägbarkeiten des russischen Marktes wagen sich offenbar immer mehr ausländische Automobilhersteller auf das unbekannte Terrain.Die Vorreiterrolle übernahm der italienische Autokonzern Fiat: Vor wenigen Tagen schloß er mit dem russischen Automobilhersteller Gorkowski Awto Sawot (GAS) ein vorläufiges Abkommen mit einem Volumen von 850 Mill.Dollar (knapp 1,5 Mrd.DM).In einer neuen Fabrik in Nischnij Nowgorod, etwa 400 Kilometer östlich von Moskau, sollen demnach bald 150 000 Fiats pro Jahr vom Band laufen, neben 120 000 "leichten" Autos vom Typ "Wolga", die GAS auch jetzt schon produziert. "Das ist das größte Abkommen in der Geschichte der russischen Automobilindustrie", sagt Maxim Matejew von dem Anlageunternehmen Rinako Plus.Wenn der Vertrag sich beim Besuch von Präsident Boris Jelzin in Italien im Februar konkretisiere, könne das eine Welle ausländischer Investitionen in der russischen Automobilindustrie lostreten, glaubt Patricia Issajewa, eine Expertin der Geschäftsbank United City Bank.Damit könnte auch die Angst des Auslands vor dem altmodischen Standard der russischen Autobauer und ihrer enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten nachlassen.Den Vorurteilen gegenüber nichtrussischen Fabrikanten könne entgegengewirkt werden. Vor dem historischen Abkommen zwischen Fiat und GAS habe es zwischen Rußland und ausländischen Investoren allenfalls Absichtserklärungen gegeben, berichten Experten und verweisen auf Projekte von Opel, Renault oder eine gescheiterte Initiative des koreanischen Autoherstellers Kia Motors.Dieser stellte die Montage von Autos in Rußland wegen mangelnder Koordination zwischen den Beteiligten wieder ein.Renault schaffte es bis zu einem Probevertrag über die Ausstattung einiger tausend technisch rückständiger russischer Autos mit französischen Motoren. Das Interesse konzentriert sich auf die Personenwagenindustrie.Ausländische Investoren meiden die in Rußland noch aus sowjetischen Zeiten starke Nutzfahrzeugindustrie.Hochverschuldet wie die Branche ist, wird es ihr wohl schwer fallen, sich den neuen Zeiten mit der sinkenden Nachfrage anzupassen.Bei den Autos stieg die Nachfrage seit dem Ende des Kommunismus stark an.Seit 1989 hat sich die Zahl der Fahrzeuge um 70 Prozent auf 25 Millionen erhöht.Schätzungen zufolge könnten in fünf Jahren durchschnittlich 180 von 1000 Russen Autobesitzer sein.Heute rollen erst 90 von 1000 Russen auf ihren eigenen vier Rädern durch die Straßen. Diesen Wachstumsmarkt soll auch das von GAS in Rußland montierte Fiatmodell erobern.Das Auto mit dem Namen Palio wird dort für 11 000 Dollar (umgerechnet etwa 19 400 DM) erhältlich sein.Da Einfuhrzölle von bis zu 200 Prozent den Kauf eines ausländischen Autos in Rußland bis heute höchst kostspielig machen, wird es Palio - zunächst vielleicht sogar konkurrenzlos - nicht schwer fallen, den Markführer Lada zu verdrängen.Der Preis für einen altmodischen und technisch rückständigen Lada liegt immer noch bei 10 000 Dollar (etwa 17 600 DM).

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