Wirtschaft : Autoimporteure in Japan erleiden drastische Einbußen

Mehrwertsteuererhöhung drückt die Umsätze / Hingegen starkes Wachstum auf osteuropäischem Automarkt erwartet TOKIO/LEIPZIG (AFP/AP).Die ausländischen Automobilbauer in Japan haben wegen der Mehrwertsteuererhöhung vor einem Jahr und der schwachen Inlandsnachfrage schwere Absatzeinbußen erlitten.Hingegen boomt der osteuropäische Automarkt. In Japan wurden im März 34 432 Neuwagen ausländischer Hersteller zugelassen, 30,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie der Verband der japanischen Automobilimporteure am Montag in Tokio mitteilte.Damit gingen die monatlichen Verkaufszahlen zum zwölften Mal in Folge zurück.Der Einbruch traf auch die deutschen Automobilbauer, die über die Hälfte der ausländischen Fahrzeuge in Japan stellen. Im vergangenen Jahr war in Japan zum 1.April die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte angehoben worden.Schlechte Wirtschaftsdaten und die Krise des Finanzsystems zeigen zudem an, daß die zweitgrößte Wirtschaft der Welt am Rande der Rezession steht.Das vergangene Geschäftsjahr, das in Japan von April bis Ende März dauert, "war die schlimmste Periode, die wir je erlebt haben", sagte ein Vertreter der Autoimporteure in Tokio.Teure Produkte wie Autos hätten am meisten unter den Folgen der Mehrwertsteuererhöhung gelitten.Eine klare Trendwende sei wegen der schlechten Konjunkturaussichten nicht zu erwarten. Die ausländischen Anbieter müssen besonders schwer mit dem wirtschaftlichen Umfeld kämpfen.Ihre Verkäufe brachen überdurchschnittlich ein.Während der Absatz ausländischer Fahrzeuge im März um 30,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückging, büßte der gesamte Automobilmarkt nur 20,7 Prozent ein. Angeführt von Volkswagen und Mercedes-Benz haben die deutschen Autobauer den Angaben zufolge einen Anteil von 55 Prozent an den ausländischen Fahrzeugen in Japan.Volkswagen mußte aber im März einen Einbruch um 27,8 Prozent hinnehmen, Mercedes-Benz um 24,4 Prozent, BMW um 28,7 Prozent und Opel sogar um 47,7 Prozent.US-Marken büßten durch die Bank mehr als 40 Prozent ein.Ausnahme ist die Luxuskarosse Cadillac, die ihre Absatzzahlen um mehr als ein Viertel (26,8 Prozent) steigern konnte.Zulegen konnten auch die französischen Hersteller Peugeot (15,1 Prozent) und Renault (7,1 Prozent), Citroën verlor aber 50,9 Prozent.Für die ausländischen Anbieter waren die Absatzeinbußen des vergangenen Jahres der stärkste Rückgang seit Einführung der Importstatistik 1966. Besser geht es dem osteuropäischen Automobilmarkt: Dort werden in den nächsten Jahren riesige Wachstumsraten erwartet.Im Gegensatz zu den weitgehend gesättigten westlichen Märkten könne die Zahl der PKW-Neuzulassungen in Osteuropa zwischen 1996 und 2000 um 52 Prozent ansteigen.Das sagte Rudolf Lewandowski, Geschäftsführer des Essener Beratungsunternehmens Marketing Systems, am Montag in Leipzig.Statt der knapp 1,7 Millionen im Jahr 1996 sollen zur Jahrtausendwende mehr als zweieinhalb Millionen neue Autos auf den Markt kommen.Westeuropäische Hersteller hätten einen Anteil an diesem Wachstumspotential von 60 bis 65 Prozent. Lewandowski verwies jedoch auf die unterschiedlichen Entwicklungen in den Ländern Osteuropas.Absolut betrachtet würden im größten Einzelstaat Rußland künftig auch die meisten Fahrzeuge zugelassen.Polen halte die zweite Position.Der Experte schätzt die durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten in diesen Ländern auf neun bis knapp elf Prozent. "Es gibt insgesamt 350 000 Autos Überproduktion in den osteuropäischen Ländern", berichtete Lewandowski.Deshalb seien die östlichen Hersteller gezwungen, zu exportieren.Wegen der niedrigeren Produktionskosten hätten sie dafür auch gute Voraussetzungen.Dies könnte Druck auf die Gebrauchtwagenpreise im Westen ausüben. Ungünstiger sehen die Perspektiven für Westeuropa aus.Zwar werde 1998 mit einem allein für Deutschland prognostizierten Wachstum von 7,7 Prozent ein Rekord-Autojahr.Danach würden die Zuwachsraten jedoch weitaus geringer ausfallen.Die westeuropäischen Märkte könnten künftig auf hohem Niveau bestenfalls leicht zulegen.

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