AUTOINDUSTRIE : Angst vor der Vollbremsung

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Matthias Wissmann ist ein bemerkenswert optimistischer Mensch. Lange Zeit mochte der Chef des Autoverbandes VDA an seiner Prognose nicht rütteln, wonach 2008 in Deutschland bis zu 3,2 Millionen neue Autos zugelassen werden. Doch nun muss auch er erkennen, dass Finanzkrise, Absatz- und Auftragseinbruch in Europa und den USA, sowie Produktionsstops ihre Spuren hinterlassen. Man prüfe derzeit „inwieweit sich dies auf die Gesamtprognose 2008 niederschlägt“, sagte der Ex-Verkehrsminister der „Auto Motor und Sport“.

Die vergangenen Monate waren bereits sehr dürftig. Im September setzten die deutschen Hersteller mit 160 700 Fahrzeugen 17 Prozent weniger Autos ab, die Bestellungen sanken so kräftig wie lange nicht. Die Oktober-Zahlen könnten ähnlich schlecht ausfallen.

Doch das Autojahr 2008 wird noch gut – verglichen mit den Jahren, die kommen. Die Branchenbeobachter bei Pricewaterhouse Coopers etwa schätzen, dass in den USA und Westeuropa – den wichtigsten Märkten für die Deutschen – bis 2011 fünf Millionen Autos weniger als erwartet produziert werden. Die ohnehin gut gefüllten Halden der Hersteller werden also noch voller, wenn die Kapazitäten nicht reduziert werden. Letzteres hätte fatale Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft. Die Autoindustrie beschäftigt 750 000 Mitarbeiter, fünf Millionen Arbeitsplätze hängen von der Branche ab. Bei den Zulieferern, die ihre Produktion gerade drosseln, stehen bis zu 50 000 Stellen auf dem Spiel, schätzen Experten. Die Angst vor einer Vollbremsung des wichtigsten deutschen Industriezweigs ist berechtigt. Optimist Wissmann hält sich mit Schwarzmalerei noch zurück. „Die Marktentwicklung für das Jahr 2009 ist zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer vorherzusagen“, sagt er. mot

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