Wirtschaft : Autoindustrie attackiert ökologischen Verkehrsclub

Verband spricht von „selbstgefälligen Wichtigtuern“/Deutsche Marken schneiden beim Öko-Ranking schlecht ab

Alfons Frese

Berlin - In einer wütenden Reaktion hat der Verband der Autoindustrie (VDA) Kritik an deutschen Autoherstellern zurückgewiesen. Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) wurde am Mittwoch in einer Presseerklärung des VDA als „ein Sammelsurium von selbstgefälligen Wichtigtuern ohne jede Substanz“ beschimpft. Zuvor hatte der VCD seine diesjährige Rangliste der umweltverträglichsten Automobile vorgestellt; auf den ersten zehn Plätzen ist mit dem Opel Corsa nur ein Fahrzeug eines deutschen Herstellers vertreten. Hermann-Josef Vogt, stellvertretender VCD-Vorsitzender, sagte bei der Vorlage der Umweltliste in Berlin, „noch nie haben Autos aus Deutschland beim VCD-Ökoranking so schlecht abgeschnitten wie in diesem Jahr. Die deutschen Hersteller drohen den Anschluss bei der Umwelttechnik zu verlieren.“

Diese Aussage bezeichnete der VDA, in dem die deutschen Hersteller und der Großteil ihrer Lieferanten zusammengeschlossen sind, als „billige Propaganda“. Beim VCD-Vize Vogt diagnostizierte der Autoverband einen „Realitätsverlust von beängstigendem Ausmaß“. Seine Aussagen seien „von keinerlei Faktenwissen getrübt“. Auf Nachfrage sagte VDA-Sprecher Eckehart Rotter, auf der Mitte September in Frankfurt am Main anstehenden Autoausstellung IAA seien die deutschen Firmen mit „einer breiten Palette von alternativen Antrieben“ vertreten. Und bei der Ausrüstung mit Diesel-Partikelfiltern in Neuwagen „sind wir der Marktführer“, sagte Rotter zur entsprechenden Kritik des Ökovereins. Der VCD wirft den deutschen Konzernen vor, „bis 2003 den Partikelfilter konsequent bekämpft“ zu haben, während französische Hersteller den Filter bereits seit der Jahrtausendwende einbauten. Seit mehr als fünf Jahren sei bekannt, dass in diesem Jahr gegen die Feinstaubbelastung in Ballungsgebieten vorgegangen werde. Doch die Industrie habe trotz dieses Wissens weiter Dieselautos ohne Filter gebaut. VCD-Vize Vogt: „Der VDA hat jahrelang ein Verweigerungskartell gegen den Partikelfilter angeführt und ist nun mitverantwortlich für mangelnde Innovation und den starken Imageverlust der deutschen Hersteller in Umweltbelangen.“ Mercedes sei der einzige Hersteller, der inzwischen alle neuen Autos mit einem Partikelfilter ausrüste. Dagegen sei ein VW Golf, das mit Abstand am meisten verkaufte Auto, noch immer nicht mit Filter zu bekommen.

Im Übrigen „möge der VDA doch bitte zur Sachlichkeit zurückfinden“, mahnte Vogt. Es sei „Fakt“, dass Autos deutscher Hersteller, die heute verkauft werden, im Schnitt knapp sieben Liter verbrauchten. Der Toyota Prius, Gewinner der VCD-Umweltliste und so groß wie ein 3er BMW, verbrauche dagegen nur 4,3 Liter Super. Der Prius ist ein so genanntes Hybridfahrzeug, das mit einem Verbrennungs- und einem Elektromotor angetrieben wird. VDA-Sprecher Rotter sagte dazu, „alle Tests haben ergeben, dass der Diesel dem Hybrid auf der langen Strecke überlegen ist“. Das räumt indes auch der VCD ein. „Auf der Autobahn ist ein Diesel mit Partikelfilter besser als ein Hybrid.“ Indem der Hybrid Bremsenergie nutze, sei er ideal für den innerstädtischen Verkehr.

Bei der Berechnung der Rangliste der umweltfreundlichsten Autos gewichtete der VCD folgende Kriterien: Belastung durch den CO2-Treibhauseffekt (40 Prozent), durch Lärm (20 Prozent), Belastung des Menschen durch andere Schadstoffe (20 Prozent), durch krebserregende Stoffe (15 Prozent) sowie schließlich die Belastung der Natur (5 Prozent).

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