Autoindustrie : Autohändler und Importeure profitieren besonders von Abwrackprämie

Wenn der Ansturm auf den Staatszuschuss anhält, ist die Abwrackprämie in drei Wochen aufgebraucht. Die deutschen Fahrzeughersteller haben von den Subventionen allerdings kaum profitiert, und dem deutschen Automarkt steht im kommenden Jahr offenbar ein noch schlimmerer Absturz bevor als bisher erwartet.

WiesbadenIm Fördertopf für die Abwrackprämie ist nach Angaben des Bundesamtes für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (Bafa) nur noch Geld für 183.736 Prämien. Das entspricht knapp zehn Prozent des Gesamtetats. Bei einem durchschnittlichen Eingang von 9000 Neu-Anträgen pro Tag wären die Mittel in drei Wochen und damit knapp vor der Bundestagswahl aufgebraucht. Derzeit treffen jedoch deutlich mehr Anträge ein als in den vergangenen Wochen. So seien etwa am vergangenen Dienstag 18.000 Anträge eingegangen, teilte die Bafa am Montag mit.

Um noch an die Prämie von jeweils 2500 Euro zu kommen, hat der ADAC Autokäufern geraten, bis Ende August ihren Antrag bei dem Bundesamt in Eschborn zu stellen. Die Prämie erhält, wer ein mindestens neun Jahre altes Auto verschrottet und dafür ein neues mit der Abgasnorm Euro 4 kauft. Die Prämie kann mit dem Kaufvertrag bis zur Auslieferung des neuen Autos reserviert werden.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts hat der Autohandel in Deutschland in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ein Umsatzplus von 4,7 Prozent erreicht. Die Zahl der neu angemeldeten Autos stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 22,8 Prozent. Die Zahlen spiegeln den Trend zum Kauf von preisgünstigeren Kleinwagen mithilfe der Prämie wider.

Von dem Boom profitierten die Händler stärker als die deutschen Hersteller. Der Umsatz der deutschen Autoindustrie sank in den ersten fünf Monaten um fast ein Drittel (32,5 Prozent) auf knapp 100 Milliarden Euro. Die Werkstätten mussten einen Umsatzverlust von 3,8 Prozent verkraften.

Nach Einschätzung des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer steht dem deutschen Automarkt im kommenden Jahr ein noch schlimmerer Absturz bevor als bisher erwartet. 2010 dürften eine Million weniger Autos als in diesem Jahr verkauft werden, sagte der Wissenschaftler vom CAR-Center an der Uni Duisburg-Essen. In Deutschland würden damit nur noch 2,7 Millionen Autos verkauft. Im Vergleich zum Jahr 2008 wäre das ein Rückgang von mehr als zwölf Prozent.

Auf dem europäischen Automobilmarkt hat die deutsche Abwrackprämie für Belebung gesorgt. Im Juli stieg die Zahl der verkauften Pkw in Westeuropa um fünf Prozent auf 1,22 Millionen, wie der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) mitteilte.

Von den rund 1,8 Millionen deutschen Antragstellern haben bislang rund 770.000 ihr Geld erhalten, berichtete die Bafa. Viele hätten nach der Reservierung noch nicht die Originalbelege nachgereicht, sagte Beutel. Wenn die Papiere komplett eingereicht sind, dauere es bis zur Auszahlung vier bis sechs Wochen.

In den Anträgen seien 190.000 Doppelanträge gewesen. Hinweise auf illegale Exporte von eigentlich zu verschrottenden Wagen habe es laut den Ordnungsbehörden nur in etwa 100 Fällen gegeben. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hatte ohne nähere Belege von 50.000 Missbrauchsfällen gesprochen. Von dem Gesamtetat für die Abwrackprämie von rund 5 Milliarden Euro habe die Bafa inzwischen ihren Verwaltungsaufwand abgezogen. Er beträgt nach Angaben des Sprechers etwa 14 Millionen Euro oder den Gegenwert von 5600 Anträgen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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