Autoindustrie : Deutsch-französische Freundschaft

Daimler und Renault-Nissan vertiefen ihre Zusammenarbeit. Ein neuer Vierzylinder-Motor wird gemeinsam entwickelt. Die Absatzkrise in Europa erreicht auch Audi - kommende Woche stehen die Bänder im Werk Neckarsulm still.

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Demonstrativ kooperativ. Dieter Zetsche (links) und Carlos Ghosn preisen in Paris ihre Zusammenarbeit.
Demonstrativ kooperativ. Dieter Zetsche (links) und Carlos Ghosn preisen in Paris ihre Zusammenarbeit.Foto: AFP

Berlin - Die Absatzkrise in Europa zwingt die deutschen Autohersteller zu Kooperationen und Produktionskürzungen. Mit neuen Modellen, vor allem aus der Mini- und Kompaktklasse, versuchen die Konzerne derzeit auf dem Autosalon in Paris, das Publikum zu überzeugen.

Daimler und Renault-Nissan kündigten am Freitag in Paris an, ihre seit 2010 laufende Kooperation zu vertiefen. So würden Renault und Daimler künftig gemeinsam einen neuen Vierzylinder-Motor entwickeln, teilten die Konzernchefs Dieter Zetsche und Carlos Ghosn mit. Nissan erhält von Daimler außerdem eine Lizenz zur Fertigung von Automatik-Getrieben für seine Nobelmarke Infiniti. Motoren und Getriebe sollen von 2016 an zum Einsatz kommen.

Daimler geht in der Kooperation durchaus Risiken ein, weil der Mercedes-Stern auch auf Fahrzeugen klebt, die eigentlich ein Renault sind. Unlängst kam der Stadtlieferwagen Mercedes Citan auf den Markt, der auf dem Renault Kangoo basiert – „zu einem wettbewerbsfähigen Preis“, wie Zetsche sagte. „Wir rechnen das nicht genau auf den Cent aus, aber wir profitieren beide deutlich von der Kooperation“, fügte er hinzu. Die gemeinsame Produktion des neuen Smart auf der Plattform des Renault Twingo laufe nach Plan. Demnach soll der Smart 2014 auf die Straße kommen. Vom selben Jahr an sollen im Nissan-Werk im US-Bundesstaat Tennessee auch Vierzylinder-Motoren von Daimler gemeinsam produziert werden. Die sollen dann sowohl in Mercedes- also auch in Infiniti-Modellen eingesetzt werden.

Künftig könnten auch Infiniti-Modelle auf Basis der Mercedes-Benz-Architektur gebaut werden. Die Produktion eines Einstiegsmodells für die Luxusklasse solle 2015 starten. Auch bei alternativen Antrieben sprechen die Partner über eine engere Zusammenarbeit. Durch eine gemeinsame Entwicklung von Brennstoffzellen könne gerade bei dieser sehr teuren Technologie Geld gespart werden. Ihre gegenseitige Beteiligung von aktuell 3,1 Prozent wollen die Konzerne nicht ausweiten. Man könne mit einem „Flirt“ glücklich sein, ohne gleich heiraten zu müssen, sagte Ghosn.

Die Absatzkrise erreicht nun auch den Mercedes-Wettbewerber Audi: Die Volkswagen-Tochter stoppt im Werk in Neckarsulm, in dem unter anderem der A6 und der A8 produziert werden, in der ersten Oktoberwoche die Bänder, wie eine Sprecherin am Freitag sagte. Es handle sich um einen normalen Vorgang. Das Unternehmen nutze den Feiertag am 3. Oktober, zu dem ohnehin viele Beschäftigte freinehmen würden. Audi halte für 2012 nach wie vor an seinem Rekordabsatzziel von 1,4 Millionen verkauften Einheiten fest. „Bei der Prognose ist berücksichtigt, dass die Gesamtnachfrage vor allem in Südeuropa nachlässt“, sagte die Sprecherin.

Mercedes-Benz will im Stammwerk Sindelfingen vom Zweischicht- auf Einschichtbetrieb umstellen. Bislang legen nur Massenhersteller wie Ford oder Opel Produktionspausen ein. Nach einer einwöchigen Produktionspause wird am Montag im Opelwerk in Eisenach der Betrieb wieder aufgenommen. Wegen der Absatzkrise hatte der angeschlagene Autobauer Kurzarbeit eingerichtet. Dazu waren im thüringischen Werk unter anderem die Bänder in der letzten Septemberwoche komplett angehalten worden. Ab Januar soll in Eisenach neben dem Kleinwagen Corsa auch das neue Modell Adam in Serie produziert werden. Derzeit werden bereits Pilotmodelle gebaut.

Opel präsentiert den Hoffnungsträger Adam derzeit in Paris, Anfang Oktober kommt der SUV Mokka auf den Markt. Der Mokka sein „ein wichtiger Bestandteil unserer Produktoffensive“, sagte Marketingvorstand Alfred E. Rieck am Freitag. Das Fahrzeug soll helfen, die Absatzziele für 2012 zu erreichen: „Wir werden in diesem Jahr erneut mehr als eine Million Autos verkaufen“, betonte Rieck. 2011 hatte Opel rund 1,2 Millionen Fahrzeuge abgesetzt. Für 2013 gibt die Tochter des US-Konzerns General Motors bisher keine Prognose. mit dpa

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