Autoindustrie : Die Chinesen fahren vor

Autohersteller und -zulieferer drängen auf den Weltmarkt. Deutschland gilt als Top-Investitionsstandort.

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Attraktiv. In China wachsen neue Wettbewerber auf dem Weltautomarkt heran.
Attraktiv. In China wachsen neue Wettbewerber auf dem Weltautomarkt heran.Foto: AFP

China bietet den etablierten Automobilherstellern nicht nur beste Absatz- und Produktionsbedingungen – auf dem größten Automarkt der Welt wachsen auch die Wettbewerber der Zukunft heran. Fast die Hälfte der chinesischen Zulieferer (47 Prozent) und knapp ein Drittel der Hersteller (31 Prozent) wollen in den nächsten drei Jahren im Ausland Unternehmen zukaufen, Kooperationen eingehen oder in Eigenregie neue Märkte erschließen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung EY (früher Ernst & Young), die am Mittwoch veröffentlicht wurde. An der Befragung hatten im August Führungskräfte von 150 chinesischen Autounternehmen teilgenommen.

Dabei zeigte sich, dass die Chinesen zwar selbstbewusst in die Zukunft blicken, aber noch erheblichen Nachholbedarf einräumen. Nur sieben Prozent der Befragten glauben, dass chinesische Autofirmen bereits heute eine große Bedeutung auf dem Weltmarkt haben. 87 Prozent erwarten allerdings, dass diese Bedeutung in den kommenden Jahren zunehmen wird.

Als Expansionsmarkt wird dabei Deutschland eine wichtige Rolle spielen – weniger als Absatzmarkt. 19 Prozent der chinesischen Zulieferer und Hersteller halten die Bundesrepublik für einen „Top-Investitionsstandort“, hinter Nordamerika (26 Prozent) und China selbst (78 Prozent). „Für expansionswillige Unternehmen, die schnell Top-Know-how und den Zugang zum Weltmarkt suchen, ist Europas Automobilindustrie trotz Absatzkrise sehr interessant“, sagte EY-Partner Peter Fuß. Mit ihren „üppigen Finanzmitteln“ könnten die Chinesen „Zukäufe in erheblichem Ausmaß stemmen“. Absatzerfolge für ihre Produkte rechnen sich die Chinesen hingegen in anderen Weltregionen aus – in Südostasien sehen 78 Prozent der Befragten gute Chancen, in Afrika 73 Prozent.

„Für die etablierten Hersteller heißt es jetzt aufpassen“, sagte Yi Sun, Partnerin bei EY. Die Konkurrenz aus Fernost könne sich bei Innovation und Markterfolg schneller zum ernst zu nehmenden Wettbewerber mausern, „also so mancher in Europa, Japan und den USA es wahrhaben will“.

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