Wirtschaft : Autoindustrie gibt auch 1998 Vollgas

Weltmarktanteil deutscher Hersteller bei 15 Prozent / 25 000 neue Arbeitsplätze / Rekordjahr erwartet FRANKFURT (MAIN) (ro).Nach einem guten Autojahr 1997, daß den deutschen Herstellern einen Exportrekord und das beste Produktionsergebnis seit 1992 bescherte, sind die Aussichten für 1998 noch besser.Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) erwartet deutliche Zuwächse bei den Inlandszulassungen und beim Export.Dabei sei 1998 ein neuer Produktionsrekord von mehr als 5,2 Mill.Fahrzeugen möglich.Damit sieht Gottschalk positive Aussichten für den Arbeitsmarkt.Den von IG Metall-Chef Zwickel befürchteten Abbau von 200 000 Jobs in den nächsten zehn Jahren wollte er am Donnerstag in Frankfurt nicht kommentieren. 1997 sind in der deutschen Autoindustrie immerhin 25 000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden, die Hälfte davon allerdings befristet.Insgesamt beschäftigte die Branche zum Jahresende 681 000 Personen, davon rund 270 000 in der Zulieferindustrie.Die guten Aussichten für die deutschen Autobauer begründete der VDA-Präsident mit der weiteren Verstärkung der Produktoffensive.Sie sei keine Eintagsfliege."Mit allen verfügbaren Kapazitäten", so Gottschalk, würde derzeit die Modelloffensive in der Produktion und am Markt umgesetzt.Wie stark Autos "Made in Germany" im Moment gefragt sind, zeigt der ungewöhnlich hohe Auftragsbestand zum Jahresbeginn.Mit Bestellungen für insgesamt 670 000 Autos war das Niveau um 230 000 Einheiten höher als ein Jahr zuvor.Ein zusätzlicher Impuls für die Nachfrage sind auch die Neuwagenpreise.Sie sind nach Angaben von Gottschalk 1997 um 0,7 Prozent gesunken.Wegen des starken Wettbewerbs sieht er auch 1998 keinen Spielraum nach oben.Insgesamt erwartet Gottschalk einen Anstieg der Pkw-Produktion um vier Prozent auf 4,86 Mill.Einheiten.Im Nutzfahrzeuggeschäft gebe es eine Konsolidierung auf hohem Niveau.Der Export werde um etwa drei Prozent auf 2,9 Mill.Autos zulegen.Negative Auswirkungen durch die Asienkrise sieht der VDA-Chef nicht.Die Verkäufe dort - der Anteil am Export der Branche beträgt 8,6 Prozent - würden nur vorübergehend sinken.Nach Ansicht Gottschalks wäre es "grundfalsch" in Asien geplante Investitionen jetzt zurückzufahren.1997 liefen erstmals seit 1992 wieder mehr als fünf Mill.Pkw und Nutzfahrzeuge von den Bändern der inländischen Fabriken deutscher Hersteller.Dies war ein Plus von vier Prozent.Exportiert wurden gut drei Mill.Fahrzeuge, ein Plus von sieben Prozent.In den ausländischen Fabriken deutscher Hersteller liefen noch einmal 3,12 Mill.Autos von den Bändern.Bei weltweit 8,15 Mill.Fahrzeugen - ein Plus von sieben Prozent - erreichte die deutsche Autoindustrie 1997 einen Weltmarkt-Anteil von knapp 15 Prozent und damit einen Höchststand. Trotz dieser positiven Zahlen gibt es nach Ansicht von Gottschalk aber noch viel zu tun."Das Licht am Ende des Tunnels ist erkennbar, aber der Tunnel ist länger als von vielen erwartet." Die Kosten am Standort Deutschland seien immer noch zu hoch, die Optimierung der Prozesse in den Fabriken müsse weitergehen.Zwar habe sich, so Gottschalk, die Umsatzrendite, die 1996 bei 2,6 Prozent gelegen hatte, weiter verbessert."Aber wir sind noch weit unter Norm." Den Standort Deutschland stellt die Branche, betont der VDA-Chef, gleichwohl nicht in Frage.Mit 17,6 Mrd.DM soll 1998 hierzulande soviel investiert werden wie nie zuvor.

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