Autoindustrie : Glänzende Stimmung

Die deutsche Autoindustrie feiert sich in Berlin. Toyota bleibt Weltmarktführer vor der Opel-Mutter General Motors.

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Weniger verkauft. Opel und die Schwester Vauxhall setzten 2010 wie erwartet weniger ab als im Jahr der Abwrackprämie. Der Verkauf fiel um 2,4 Prozent auf 1,21 Millionen. Foto: dapd
Weniger verkauft. Opel und die Schwester Vauxhall setzten 2010 wie erwartet weniger ab als im Jahr der Abwrackprämie. Der Verkauf...Foto: dapd

Berlin - Das Auto mit Verbrennungsmotor erfreut sich 125 Jahre nach seiner Erfindung wieder größter Beliebtheit. „Die deutsche Automobilindustrie und die Industrie insgesamt haben wieder festen Boden unter den Füßen“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Autoverbandes VDA, am Montag beim Neujahrsempfang des Verbandes in Berlin vor 700 Gästen. „Es geht aufwärts“ – vor allem im Export. Schon vor der Jahreswende hatte Wissmann die Branche allerdings darauf eingestimmt, dass die Nachfrage aus dem Ausland 2011 etwas weniger dynamisch ausfallen dürfte als im Vorjahr.

Im Wettbewerb mit den weltgrößten Autoherstellern holen die Deutschen auf. So setzten Toyota (8,42 Millionen) und General Motors (8,39 Millionen) 2010 zwar weltweit mehr Fahrzeuge ab als der Volkswagen-Konzern (7,14 Millionen). VW wuchs mit 13,5 Prozent aber schneller als die beiden Marktführer.

Der deutsche Pkw-Markt wird nach VDA-Schätzung im laufenden Jahr um mehr als sechs Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen wachsen. Deutlich zulegen wird auch der Export: um 5,5 Prozent auf 4,4 Millionen Fahrzeuge. Der Exportüberschuss der deutschen Autoindustrie repräsentiert Wissmann zufolge zwei Drittel der gesamtdeutschen Ausfuhren.

Insgesamt liegt der Kraftfahrzeugbestand in Deutschland derzeit bei 50,9 Millionen, das sind 1,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Darunter sind 42,3 Millionen Personenkraftwagen. Das teilte das Kraftfahrt-Bundesamt am Montag mit. Die weitaus meisten Pkw werden mit Benzin angetrieben, und zwar 72 Prozent.

Gerade einmal 0,08 Prozent macht der Anteil der Autos aus, die mit einem Hybrid- oder Elektroantrieb unterwegs sind, insgesamt 40 000. Ihre Zahl soll nach dem Willen der Bundesregierung in den kommenden Jahren massiv steigen. Bis 2020 sollen eine Million E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein. „Die Endlichkeit fossiler Energieträger, der weltweit steigende Energiebedarf und die rasant wachsenden Märkte erfordern hohe Investitionen in neue Technologien“, sagte VDA-Präsident Wissmann. Die deutsche Automobilindustrie erbringe mit rund 20 Milliarden Euro mehr als ein Drittel der gesamten industriellen Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen in Deutschland. Mehr investiert wird aber auch in Marketing und Vertrieb: 2010 gab die Branche in Deutschland nach Angaben von Nielsen Research für die „Automobilwoche“ 2,03 Milliarden Euro für Werbung aus – acht Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Den Kampf um die Weltspitze hat erneut der japanische Hersteller Toyota für sich entschieden. Er lag 2010 aber nur knapp vor dem US-Konzern General Motors (GM), der nach überstandener Insolvenz wieder stark im Rennen ist – abgesehen vom europäischen Geschäft. Opel und die Schwestermarke Vauxhall haben wie erwartet etwas weniger Autos verkauft als im Jahr der Abwrackprämie. Der Absatz ging um 2,4 Prozent auf 1,21 Millionen zurück, wie Opel am Montag berichtete. Das Minus von etwa 30 000 Auslieferungen war etwas geringer als erwartet. Noch im Januar hatte Opel-Chef Nick Reilly den Verkauf von „knapp unter 1,2 Millionen Autos“ vorhergesagt. Wie GM mitteilte, ist Opel/Vauxhall bezüglich des weltweiten Absatzes nach wie vor die zweitstärkste Marke im Konzern. Dank eines starken Endspurts habe die Tochter ihren Marktanteil 2010 in 18 von 27 europäischen Ländern gesteigert.

Streit gibt es unter Branchenexperten immer wieder, welche Verkäufe für das weltweite Ranking mitgezählt werden sollen. Toyota rechnet in die Konzernzahlen auch die Kleinwagenmarke Daihatsu, an der Toyota die Mehrheit hält, sowie die Nutzfahrzeuge von Hino mit ein. Volkswagen schließt dagegen die Verkäufe der schwedischen Nutzfahrzeugtochter Scania aus. GM zählt seine chinesischen Marken Wuling und Jiefang mit, die in Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Partnern hergestellt werden. mit dpa

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