Autoindustrie : GM schickt britischen Sanierer für Opel

Opel bekommt nach dem Platzen des Verkaufs an Magna eine neue Spitze: Der bisherige GM-Europachef Carl-Peter Forster verlässt den Konzern. Nachfolger wird offenbar der Brite David Nick Reilly. Bundesfinanzminister Schäuble deutet weitere Staatshilfe an.

Moritz Döbler
Reilly
Nick Reilly, Chef des internationalen Geschäfts von General Motors, soll Europachef Carl-Peter Forster nachfolgen. -Foto: AFP

Berlin - Der US-Autokonzern General Motors entsendet offenbar einen erfahrenen Sanierer an die Spitze seiner europäischen Tochter Opel. Nick Reilly, derzeit Chef des Asien-Pazifik-Geschäfts von GM mit Sitz in Schanghai, löse den Deutschen Carl-Peter Forster ab, berichtet das „Handelsblatt“ in seiner OnlineAusgabe. Anderen Quellen zufolge sind auch GM-Vize John Smith und Magna- Manager Herbert Demel noch im Rennen. Nach einem Bericht von „Spiegel Online“ soll der altgediente US-Manager Bob Lutz an die Spitze des Opel-Aufsichtsrates wechseln. Kritiker werfen Lutz vor, für die verfehlte Modellpolitik von GM mitverantwortlich zu sein. Klar ist, dass Forster den Konzern verlässt. Er hatte die Entscheidung von GM kritisiert, Opel nach langen Verhandlungen doch nicht an das russisch-kanadische Magna-Konsortium zu verkaufen.

Diese Kehrtwende von GM hat bei Politik und Gewerkschaften in Deutschland Unverständnis und Ärger ausgelöst. Trotzdem kann GM mit Staatshilfe rechnen: Der US-Konzern müsse zwar zunächst die Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen, aber damit sei „die Sache natürlich nicht zu Ende“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Freitag. Im Falle des Verkaufs an Magna wären insgesamt 4,5 Milliarden Euro geflossen.

Die Bundesregierung rechnet für kommende Woche mit näheren Informationen von GM zum Sanierungsplan. Die Regierung habe entsprechende Signale erhalten, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans. GM veranschlagt die Sanierungskosten auf drei Milliarden Euro und will 10 000 der 50 000 Stellen in Europa streichen. Einen ähnlichen Stellenabbau plante auch Magna. Ohnehin bezieht sich GM auf die Pläne des abgelehnten Interessenten: „Wer den Magna-Plan mag, mag auch den GM-Plan“, hatte GM-Vize John Smith gesagt.

Auf die Berufung Reillys trifft das nicht zu. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fürchtet, dass der neue Mann die Marke Opel wohl wieder in einen Abwärtsstrudel zurückbringt: „Das Risiko, dass aus Kostengründen wieder Chevrolets und US-Autos unter der Marke Opel verkauft werden, dass die Qualität und Innovation leidet, ist sehr hoch, denn GM/Opel muss sparen.“ Der gebürtige Brite Reilly war schon bei der britischen Opel-Schwester Vauxhall und in der GM-Europazentrale in Zürich stationiert.

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) macht staatliche Hilfen für Opel abhängig vom Erhalt aller deutschen Werke. GM müsse „klar sagen, was Sache ist“, sagte Rüttgers im ZDF. In seinem Bundesland, in dem im Mai gewählt wird, liegt das als gefährdet geltende Bochumer Werk. Die anderen deutschen Standorte sind das Stammwerk in Rüsselsheim (Hessen), das nicht mit großen Einschnitten rechnen muss, sowie Eisenach (Thüringen) und Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz). Insgesamt hat Opel in Deutschland 25000 Beschäftigte.

Neben dem Wechsel an der Opel- Spitze wurde auch eine Umbesetzung in der Opel-Treuhand bekannt, in der die deutsche GM-Tochter unter staatlicher Aufsicht verwaltet wird. Die vier Opel-Länder beriefen ihren Vertreter Dirk Pfeil aus dem Gremium ab. Zur Begründung hieß es, der hessische FDP-Politiker habe das Vertrauen der Länder verwirkt. Pfeil hatte gegen den Magna-Deal Front gemacht. Nachfolger wird der nordrhein-westfälische Wirtschaftsstaatssekretär Jens Baganz (CDU).

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