Autoindustrie : Kanada sagt angeschlagenen Autoherstellern Kredite zu

Um die Autohersteller Chrysler und General Motors vor einem kurzfristigen Kollaps zu bewahren, hat nach den Milliarden-Notkrediten der US-Regierung auch die kanadische Regierung ihre Hilfe angeboten. Mit bis zu drei Milliarden Dollar soll dem Zusammenbruch der Autoindustrie entgegen gewirkt werden.

Nach den Milliarden-Notkrediten der US-Regierung für General Motors (GM) und Chrysler hat auch die kanadische Regierung umfangreiche Hilfen für die Autoindustrie angekündigt. Wie die Zeitung "Globe and Mail" in ihrer Onlineausgabe berichtete, soll die kanadische GM-Tochter Kredite in Höhe von bis zu drei Milliarden kanadischen Dollar (1,77 Mrd Euro) erhalten. Kanada und die Provinz Ontario stellen GM einen Kredit von 2,5 Milliarden Dollar zur Verfügung, wie Harper und der Regierungschef von Ontario, Dalton McGuinty, in Toronto mitteilten.

Chrysler erhält demnach 824 Millionen Dollar. Zusammen entspreche dies dem kanadischen Anteil von 20 Prozent an der Auto-Produktion in Nordamerika. Das kanadische Hilfspaket beinhaltet außerdem Hilfen für Zulieferbetriebe und ein Kreditprogramm für Autokäufer. Es sei ein "bedauerlicher, aber notweniger Schritt" zum Schutz der kanadischen Wirtschaft, sagte Harper. Außergewöhnliche Umstände erforderten außergewöhnliche Maßnahmen.

Der Regierungschef hatte bereits am Donnerstag das Hilfspaket angekündigt, mit dem eine Verlegung der Produktion von Kanada in die USA verhindert werden soll. Laut einer diese Woche veröffentlichten Studie sind in den Autowerken und bei ihren Zulieferern in Kanada rund 219.000 Menschen beschäftigt. Für Ontarios Wirtschaft ist die Autoindustrie lebenswichtig.

Unternehmen wieder auf Kurs bringen

Der Chef von GM in Kanada, Arturo Elias, begrüßte den Plan. Das Rettungspaket sende ein "wichtiges Signal der Stabilität" aus. Der Präsident der kanadischen Autobauer-Gewerkschaft, Ken Lewenza, sprach von einer "sehr vernünftigen Entscheidung". Der dritte große US-Autokonzern, Ford, benötigt nach eigenen Angaben keine kurzfristige Hilfe, lobte aber das schnelle und abgestimmte Handeln der kanadischen Regierung. Es müsse jedoch noch mehr getan werden, um für langfristiges und nachhaltiges Wachstum in der Autoindustrie zu sorgen.

Die Autohersteller müssten die Mittel dazu nutzen, ihre Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, so Harper weiter. Der Staat müsse eingreifen, weil man "sich weder in den USA noch in Kanada einen katastrophalen kurzfristigen Kollaps leisten kann". Die Kreditsumme wird dem Zeitungsbericht zufolge in drei Teilbeträgen ausgezahlt. Die erste Zahlung solle bereits am 29. Dezember erfolgen. Der Umfang der Hilfen orientiere sich an den von der US-Regierung zugesagten Notkrediten und sei proportional zur Produktion von GM und Chrysler in Kanada.

Der scheidende US-Präsident George W. Bush hatte am Freitag einen Rettungsplan vorgestellt, der die beiden Autokonzerne GM und Chrysler vor der drohenden Pleite bewahren soll. GM bekommt demnach vom 29. Dezember an einen Nothilfekredit von 9,4 Milliarden Dollar, Chrysler erhält vier Milliarden Dollar. Abhängig von einer Entscheidung des Kongresses könnte GM im Februar weitere vier Milliarden Dollar bekommen. Die Kredite sind an strenge Bedingungen geknüpft. Der zweitgrößte US-Autohersteller Ford lehnte das Hilfsangebot ab, weil er auf eigene Faust weitermachen könne. (AFP/dpa/ mwe)

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