Autoindustrie : Löchriger Markt

Der heimische und westeuropäische Autoabsatz schrumpfen, aber deutsche Marken sind im Rest der Welt sehr gefragt. VW, BMW, Daimler und Co. wachsen in den USA und Asien.

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Legende. Autos wie der VW-Käfer prägten das gute Image der deutschen Hersteller. Davon profitieren sie heute international.
Legende. Autos wie der VW-Käfer prägten das gute Image der deutschen Hersteller. Davon profitieren sie heute international.Foto: dpa

Es geht bergab mit der Automobilindustrie im kommenden Jahr – aber nicht für alle in der Branche und nicht auf allen Märkten. „Das Jahr 2013 wird uns fordern, es wird ein hartes Arbeitsjahr“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des deutschen Autoverbandes VDA, am Dienstag in Berlin. Der deutsche Markt sei „relativ gesättigt“ und der westeuropäische werde nach dramatischen Einbrüchen vor allem in Italien, Spanien und Frankreich weiter schrumpfen. „Der Gegenwind nimmt zu“, sagte Wissmann.

Nach rund 3,1 Millionen Neuzulassungen im laufenden Jahr (minus zwei Prozent) erwartet der VDA für 2013 in Deutschland ein „Volumen von etwa drei Millionen Neuzulassungen“ – also wohl ein weiteres Minusjahr. Der ungewisse Fortgang der Euro-Schuldenkrise verunsichere die Verbraucher. Aber auch gewerbliche Kunden halten sich zurück, auf die 60 Prozent aller deutschen Neuzulassungen entfallen. Wer morgens in der Zeitung lese, welche Belastungen auf die Steuerzahler zukämen, kaufe nachmittags nicht voller Vorfreude einen Neuwagen, sagte Wissmann. Daran ändern auch hohe Preisnachlässe nichts. „Der Inlandsmarkt ist derzeit kein Verkäufermarkt, der Preisdruck ist dementsprechend hoch“, sagte der VDA-Präsident.

Dass viele Händler nicht wissen, wie sie ihre Neuwagen loswerden sollen, zeigt auch der hohe Anteil von Tageszulassungen, Vorführwagen und jungen Dienstwagen, die mit Rabatt angeboten werden. Fast jeder dritte 2012 in die Zulassung gehende Neuwagen sei eine Eigenzulassung von Händlern und Herstellern gewesen, schätzt der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer in einer aktuellen Analyse. „Seit fünf Jahren war der Anteil der Eigenzulassungen in Deutschland nicht so hoch.“

Doch Matthias Wissmann sprach von „Licht und Schatten“ für die deutsche Branche, die knapp 750 000 Mitarbeiter beschäftigt und zuletzt einen Umsatz von rund 270 Milliarden Euro erwirtschaftete. Licht sehen die deutschen Hersteller jenseits von Europa – in China, in den USA, in Indien und in Russland. Auch dort ist das Wachstum nicht mehr so stürmisch wie in den vergangenen Jahren. Aber: „Außerhalb Westeuropas erleben wir eine sehr dynamische Automobilkonjunktur, an der die deutsche Automobilindustrie überproportional teilhat“, sagte Wissmann.

Nur 22 Prozent des deutschen Autoexports gehen in den Euroraum, der Rest in die übrige Welt, wo die Nachfrage nach deutschen Marken ungebrochen scheint. So gewinnen Volkswagen, BMW, Daimler und Co. zum Beispiel in den USA seit sechs Jahren in Folge Marktanteile. Aktuell kommen die Deutschen im reinen US-Pkw-Segment auf 12,5 Prozent, rechnet man die in den USA beliebten leichten Nutzfahrzeuge (Light Trucks) hinzu, sind es 8,6 Prozent. „Das ist noch nicht genug, da können wir noch erheblich wachsen“, sagte Wissmann.

Der amerikanische Automarkt hat die Krise weit hinter sich gelassen und wird 2012 stärker zulegen als der chinesische – um zwölf Prozent auf 14,3 Millionen Neuzulassungen. In China werden 13,2 Millionen Neuwagen zugelassen (plus acht Prozent). 2013 wird sich das Wachstum laut VDA hier etwas verlangsamen, verglichen mit dem westeuropäischen Markt aber robust bleiben. Der Verband erwartet, dass der Weltmarkt für neue Autos 2013 die 70-Millionen-Marke erreicht – nach 68 Millionen in diesem Jahr.

Dank des Wachstums auf den nicht europäischen Märkten wird die Auslastung und Beschäftigung in den deutschen Werken nach Einschätzung des VDA im kommenden Jahr stabil bleiben. Für die Inlandsproduktion und den Export erwartet die Branche jeweils ein Wachstum von einem Prozent. Das wären 5,4 Millionen Autos, die in Deutschland gefertigt und 4,15 Millionen, die ins Ausland verkauft würden. Selbst bei der Leiharbeit ist keine Verschärfung zu erwarten. Die Zahl der Zeitarbeiter in deutschen Autofabriken liegt etwa seit Mai dieses Jahres fast konstant bei knapp 60 000. „Die sich eintrübende Konjunktur macht sich hier nur sehr langsam bemerkbar“, sagte der VDA-Präsident. Zunächst würden die Arbeitszeitkonten der Stammbelegschaften abgebaut. Eine dramatische Zuspitzung der Krise in Westeuropa erwartet Wissmann nicht. Ein Absturz des Automarktes wie im Winter 2008/2009 sei nicht in Sicht.

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