Autoindustrie : Michael Macht löst Porsche-Chef Wiedeking ab

Wiedeking und sein Finanzvorstand Härter verlassen Porsche. Zuvor machte der Aufsichtsrat den Weg für die Rettung des Autobauers frei: Porsche wird von VW übernommen.

Wiedeking
Wendelin Wiedeking -Foto: ddp

StuttgartDer Machtpoker um die Zukunft von Porsche ist entschieden: Nach fast 17 Jahren an der Spitze des Sportwagenbauers muss Wendelin Wiedeking zusammen mit Finanzvorstand Holger Härter seinen Posten räumen. Dies teilte der Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding SE am frühen Donnerstagmorgen nach einer Marathonsitzung mit. Beide Manager verlassen das hoch verschuldete Unternehmen mit sofortiger Wirkung und legen auch ihre Aufsichtsratsmandate bei VW und Audi nieder. Mit diesem Schritt wollten Wiedeking und Härter "einen wichtigen Beitrag zur Befriedung der Situation leisten".

Am Nachmittag gab auch VW-Vorstandschef Martin Winterkorn offiziell grünes Licht für die Übernahme. Der Aufsichtsrat habe einem entsprechenden Konzept zugestimmt, sagte Winterkorn nach einer Sitzung des Kontrollgremiums. Der neue Großkonzern solle zu einem "Kraftfeld" in der weltweiten Automobilindustrie werden. Porsche solle ein "eigenständiges Label" bleiben.

Nachfolger von Wendelin Wiedeking bei Porsche wird der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht. Er zieht auch in den Vorstand der Konzernholding ein. Doch er steht im Schatten von Martin Winterkorn. Der VW-Vorstandschef wird der neue starke Mann im VW/Porsche-Konzern.

Der Aufsichtsrat hat Wiedeking als Kompensation für die vorzeitige Auflösung seines Vertrags, der noch bis 2012 läuft, 50 Millionen Euro angeboten, von denen die Hälfte an eine soziale Stiftung gehen soll. Der Manager hat dieses Angebot ebenso angenommen wie Härter, dem ein Ausgleich von 12,5 Millionen Euro offeriert wurde. Damit verzichten beide auf dienstvertragliche Ansprüche in erheblichem Umfang. In Medienberichten war zuvor von einer Rekordabfindung von rund 250 Millionen Euro für Wiedeking die Rede.

Bis zum Schluss hatte der sturköpfige Westfale um seinen Job gekämpft und immer wieder neue Rettungspläne für den hoch verschuldeten Sportwagenbauer präsentiert. Dabei sparten weder der 56-Jährige noch seine Gegenspieler in Niedersachsen, VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch sowie Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, mit falschen Fährten, um sich einen Vorteil in den Verhandlungen mit Volkswagen zu verschaffen.

Als sich die Schieflage bei den Stuttgartern andeutete, sprangen Wiedeking zwar noch die Banken zur Seite und halfen mit Milliardenkrediten aus. Doch spätestens bei der Weigerung der staatlichen Förderbank KfW, Porsche einen dringend benötigen Kredit von 1,75 Milliarden Euro zu gewähren, wusste der hoch bezahlte Top-Manager um die Dimension seiner Probleme.

Wiedeking unterschätzte Wulffs strategische Kompetenzen

Wiedekings größter taktischer Fehler war, dass er die Abschaffung des VW-Gesetzes als Selbstläufer angesehen und somit auch Wulffs strategische Fähigkeiten unterschätzt hatte. Der CDU-Politiker schaffte es, sich mit seiner Parteichefin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, zu verbünden und auch den Schulterschluss mit Piëch zu finden. Dieser wiederum zählte Wiedeking Anfang Mai öffentlich an und machte mehr als deutlich, dass dessen Tage an der Porsche-Spitze gezählt seien.

Seine schleichende Demontage hat sich der Manager nach Einschätzung von Branchenexperten zu großen Teilen selbst zuzuschreiben. Als absoluter Machtmensch hatte er nach dem Einstieg bei VW die Verantwortlichen und Mitarbeiter in Wolfsburg früh spüren lassen, dass nur er das Heft des Handelns in der Hand halten will. Bei VW dürfe es keine "heiligen Kühe" geben – in Wolfsburg ein nicht vergessener Angriff auf die bei VW herrschende Konsens-Kultur, mitsamt starker Mitbestimmung, Haustarif und einer traditionell mächtigen IG Metall. In der Folge gingen zehntausende VW-Beschäftigte gegen Wiedeking auf die Straße, das Feindbild aus Stuttgart hatte ein Gesicht.

Am Ende sind Wiedeking und Härter mit ihren Plänen gescheitert, als kleiner "David" Porsche den "Goliath" Volkswagen zu besiegen. Stattdessen haben sie die Suttgarter Premiummarke durch brisante Finanztransaktionen in die Verschuldung getrieben und damit gegen Piëch und Wulff den Kürzeren gezogen. Jetzt ist es sicher, dass VW den Sportwagenbauer schrittweise übernimmt und Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern eingliedern wird.

Qatar soll Großaktionär bei VW werden

Dafür stellte der Aufsichtsrat bereits in der Nacht zu Donnerstag die Weichen: Die Milliardenschulden sollen durch eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro abgebaut werden. Ziel sei es, so erklärte der Aufsichtsrat nach dem einstimmigen Beschluss, "die Voraussetzungen für die Bildung eines integrierten Automobilkonzerns aus der Porsche SE und der Volkswagen AG zu schaffen".

Am Donnerstag hieß es aus VW-Aufsichtsratskreisen, dass Qatar nun neuer Großaktionär bei Volkswagen werden wird. Der Anteil soll nach der Verschmelzung von Porsche mit VW auf 19 Prozent erhöht werden. Qatar gelangt an die VW-Beteiligung durch den Kauf von Aktienoptionen, die derzeit noch Porsche hält. Zudem räumt das Emirat Porsche einen Kredit in Höhe von 750 Millionen Euro ein, damit der Stuttgarter Sportwagenbauer einen VW-Kredit in gleicher Höhe zurückzahlen kann.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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