Autoindustrie : Oberklasse machte Kasse

Deutsche Hersteller profitieren vom Trend zu großen Pkws - vor allem in China. Die Detroit Auto Show beginnt.

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Schnittig. BMW zeigt das neue M4 Coupé in Detroit. Der Münchener Konzern ist, gemessen am Absatz, der erfolgreichste Premium-Hersteller vor Audi und Mercedes. Foto: dpa Foto: dpa
Schnittig. BMW zeigt das neue M4 Coupé in Detroit. Der Münchener Konzern ist, gemessen am Absatz, der erfolgreichste...Foto: dpa

Der eher schmächtige deutsche Autopräsident zitierte Arnold Schwarzenegger: „I’ll be back.“ Doch Matthias Wissmann meinte gar nicht sich selbst, sondern den US-amerikanischen Markt, weil der sich in den vergangenen fünf Jahren rasant entwickelt habe. Tatsächlich kauften die Amerikaner 2013 15,6 Millionen neue Fahrzeuge, das waren fünf Millionen mehr als 2009. Und was den Chef des Verbandes der Autoindustrie besonders freute: Mit einem Zuwachs um rund 75 Prozent waren deutsche Hersteller erfolgreicher als die Konkurrenz und konnten Marktanteile gewinnen. „Wir kommen gern hierher“, betonte Wissmann am Montag in Detroit zu Beginn der diesjährigen Auto Show.

Das bestätigten im Wesentlichen die Manager von Volkswagen, BMW und Daimler/Mercedes, für die der zweitwichtigste Automarkt (nach China) naturgemäß große Bedeutung hat. Besonders guter Dinge war Daimler-Chef Dieter Zetsche, denn die Stuttgarter verkauften im vergangenen Jahr 14 Prozent und überholten deshalb BMW: Daimler setzte knapp 313 000 Autos (plus 14 Prozent) in den USA ab und BMW gut 309 000 (plus zehn Prozent). Zetsche sprach von einem „rundum positiven Umfeld“ bei der Präsentation der neuen C-Klasse. „Alle Zutaten sind schon vorhanden, um die wirtschaftliche Erholung sogar noch zu beschleunigen.“

Einen ganz anderen Ton schlug VW-Chef Martin Winterkorn an. Europas größter Autohersteller konnte nur wegen des Erfolgs der Konzerntöchter Audi und Porsche in den USA zulegen, von der Kernmarke VW kauften die Amerikaner sieben Prozent weniger Modelle. „Es wird kein Spaziergang“, meinte Winterkorn mit Blick auf das Jahr. „Amerika ist der weltweit härteste Automarkt.“ Ganz offensichtlich reichen die auf den US- Markt zugeschnittenen Modelle des Passat und des Jetta nicht aus, um den Platzhirschen Toyota und General Motors die Stirn bieten zu können.

Nur zwei Jahre lang funktionierte die Aufholjagd der Wolfsburger und endete schließlich im vergangenen Dezember in einem drastischen Verkaufseinbruch um satte 23 Prozent. Umso wichtiger wäre endlich ein zusätzliches Zugpferd. Doch der „Crossblue“, eine siebensitzige Geländelimousine, komme frühestens 2016 zu den Händlern, räumte Winterkorn ein. Es ist noch immer offen, ob das Auto in den USA oder im Mexiko gebaut wird. In den USA haben VW, Mercedes und BMW Fertigungsstandorte und beschäftigten insgesamt rund 31 000 Mitarbeiter. Nach Angaben Wissmanns kommen deutsche Zulieferer sogar auf mehr als 200 Werke mit insgesamt 70 000 Beschäftigten. Und obgleich die Industrie ihre Kapazitäten zwischen New York und San Francisco erweitert hat, „stammt jedes zweite Auto, das wir in den USA verkaufen, vom Produktionsstandort Deutschland“, wie Wissmann sagte. Nur nach Großbritannien exportieren VW und Mercedes, BMW und Audi mehr Modelle als in die USA.

Glänzende Geschäfte machen die Hersteller der Oberklasse aber vor allem in China. Während dort der Gesamtmarkt in diesem Jahr nur noch um neun bis elf Prozent wachsen soll, dürfte das Geschäft mit den großen Limousinen um 15 bis 20 Prozent zulegen, sagte der Generalsekretär der chinesischen Personenwagenvereinigung, Cui Dongshu, am Montag in Peking. 2013 wuchs der chinesische Markt noch um 16 Prozent. „Der Trend, zu einem hochwertigen Auto aufzurüsten, wird immer stärker“, sagte Dongshu. „Chinesen wollen immer ihr Gesicht wahren, wenn es um ein neues Auto geht.“ So konnte die VW-Tochter Audi im vergangenen Jahr um 21,2 Prozent auf 492 000 Autos zulegen und ihren Vorsprung als Marktführer im Premiumbereich in China ausbauen. BMW kam auf 362 500 Wagen, Daimler verkaufte 218 045 Fahrzeuge.

Das Rennen um den Spitzenplatz der Premium-Hersteller beim Gesamtabsatz entschied erneut BMW klar für sich, gefolgt von Audi und Mercedes. BMW verkaufte im vergangenen Jahr 1,96 Millionen Fahrzeuge der Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce, das waren 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. „2014 streben wir in vielen Märkten einen weiteren Absatzzuwachs und damit eine neue Bestmarke bei den Auslieferungen an“, erklärte BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson in Detroit. Audi kam 2013 auf 1,58 Millionen Fahrzeuge, und Daimler verkaufte 1,56 Millionen Mercedes und Smart. Sowohl Audi als auch Daimler haben sich zum Ziel gesetzt, BMW abzulösen und bis spätestens 2020 die Nummer eins im Premium-Segment zu werden. (mit dpa)

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